Was heißt ‘Privat’? Die Hochschule kriegt das Geld, das sie braucht, um ihren Lehrbetrieb zu realisieren, nicht oder nicht ausschließlich vom Staat, sondern muss selbst dafür sorgen, dieses Geld verfügbar zu haben. Das tut sie z.B. mit der Erhebung von nicht gerade niedrigen Studiengebühren, d.h. dort zahlst du für deine Ausbildung ein hübsches Sümmchen. Nicht zuletzt durch die Misere der staatlichen Hochschulen, wie übervolle Hörsäle oder mangelnde Betreuung, ist der Markt an privaten Hochschulen in den letzten Jahren gewachsen. Zu den renommierten, hoch angesehenen Schulen gesellen sich zahlreiche neue, die nicht alle gleich viel taugen: Es rentiert sich, sich intensiv mit der Schulwahl zu beschäftigen. Grundsätzlich unterscheidet man bei privaten Hochschulen solche, die ‘staatlich anerkannt’ sind und solche, die keine staatliche Anerkennung haben oder wollen. ‘Staatlich anerkannt’ heißt: Die Definition eines Hochschulstudiums entspricht der unabhängigen wissenschaftlichen oder praxisorientierten Forschung und Lehre von staatlichen Hochschulen. Hat eine private Hochschule eine staatliche Anerkennung, so ist dies ein Gütesiegel, auf das du dich verlassen kannst. Allerdings kann auch eine Hochschule ohne staatliche Anerkennung eine gute Hochschule sein; so hat sich zum Beispiel die FIBAA der Qualitätssicherung von Bachelor- und Masterabschlüssen verschrieben, auch Schulen mit FIBAA-Akkreditierung halten einen entsprechend hohen Standard ein.
Tschüß, Söhnchen-Klischee!
Tatsache ist, dass Privathochschulen hohe Studiengebühren kosten, wesentlich mehr als einige hundert Euro im Semester, wie das jetzt in manchen Bundesländern der Fall ist. Zugegeben: Diese hohen Investition ins Studium sprechen eher Wohlhabende an. Laut der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks und des HIS Hochschul-Informations-Systems findet man an öffentlichen BWL-Fakultäten weitaus mehr Studierende aus der untersten sozialen Herkunftsgruppe als aus der obersten. Aber erstens ist nicht jeder Reiche ein Schnösel und zweitens ist man an den Privat-Unis im Land bemüht, Talenten aus Arbeiterfamilien die Tore zu öffnen. Es gibt diverse Förderprogramme. Ein Musterbeispiel: Der EBS-Alumniverein der exEbs bietet einen gemeinnützigen Bildungsfonds, der 25 so genannte ‘Fellows’ fördert.
Gut zu wissen
»Hier habe ich das Gefühl, kein notwendiges Übel zu sein, sondern ein gleichberechtigter Teil der Hochschule und ein erwünschter Kunde.« So beschreibt es Klaus, 23, gewechselt von der staatlichen zur privaten Uni. Die Erfahrung zeigt: Er ist nicht der Einzige, der sich in überfüllten Hörsälen mit Hunderten von Kommilitonen und Profs, für die Studenten oft nur bloße Nummern sind, unwohl fühlt. Er wird die für private Hochschulen typische intensive Betreuung durch die Professoren und Lehrveranstaltungen mit maximal 30 Teilnehmern zu schätzen wissen. Zum ‘Kunden’ wird der Student an privaten Hochschulen, weil der Student zahlt und dafür auch etwas erwarten darf – wie ein Gast im Restaurant. Mit einer ‘Bedien mich mal’-Haltung allerdings kommt man auf einer Privathochschule nicht weiter: Hier ist Leistungsbereitschaft, viel Lernen und im Zweifelsfall eher Schreibtisch als Party angesagt – schließlich sollst du hier fit werden für die große Karriere. Straffe, verschulte Studienpläne, ständiger Leistungsdruck und die Verpflichtung zur Mitgestaltung von Lehrinhalten fordern die Studenten bis an ihre Leistungsgrenzen – das muss man aushalten können.
Privatuni: Gut für dich?
Checkliste als Privat-Hochschul-Student
- will ich schnell in den Beruf
- habe ich nichts gegen Leistungsdruck
- bin ich international orientiert
- will ich praxisnah studieren
- lerne ich in kleinen Gruppen
- ist meine Berufsplanung klar karriereorientiert, ruhige Kugel ist nicht mein Ziel
- will ich später Führungsaufgaben übernehmen
- bin ich bereit, für das Studium zu bezahlen
- habe ich kein Problem mit ‘Exklusivität’
- leg ich auf den Studi-Schlendrian keinen Wert
Wer sich hier wieder findet, sollte sich über Privathochschulen informieren.
Klicktipps
www.hochschulkompass.de -> Klick auf »Hochschule«, dann auf »Hochschule suchen«, wähle die Hochschulart, das Bundesland und »privat« und fertig ist deine Adressliste.
www.fibaa.de -> Vergibt im Einverständnis mit dem Akkreditierungsrat Siegel für Bachelor/Master.
Webcode: RP-Studium
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