Studienhilfe: Mitschreiben leichtgemacht
Superschlau aufnotiert!


Von: Dr. Friedrich Rost Jedes Prof-Wort oder Stichpunkte? Farblich sortiert? Oder mit Abkürzungunssystem? Das Geheimnis um effiziente Vorlesungsnotizen ist so alt wie die Uni selbst – gewesen! Wir lüften es – mit diesen Zeilen.

 

Allein vom Zuhören lernt man sehr wenig. Während einer Vorlesung, eines Referats oder einer Seminardiskussion helfen deshalb nicht nur die vorherige Vorbereitung auf das jeweilige Thema und aufmerksames Zuhören während der Veranstaltung, sondern auch das stichwortartige Mitschreiben der Hauptthesen und – davon getrennt – der eigenen Gedanken, so es denn zu der Veranstaltung kein vorher schon verfügbares Skript gibt – hier böte es sich an, seine Anmerkungen direkt ins Skript zu notieren. Gibt es keines, so versuchen manche Studierende wie ein Parlamentsstenograf alles mitzuschreiben, andere halten nicht einmal Papier und Schreibwerkzeug bereit. Beide Extreme beruhen auf falschen Einstellungen. Auf jeden Fall ist eine Vor- und Nachbereitung der Lehrveranstaltung notwendig, wenn es sich um prüfungsrelevanten Stoff handelt. Da heute jedes Modul mit einer Prüfung abgeschlossen wird, dürfte die Prüfungsrelevanz der Gegenstände zugenommen haben – und damit auch die Wichtigkeit des Mitschreibens.

Worauf kommt es beim sinnvollen Mitschreiben an? Vielen bereitet das gleichzeitige Zuhören und Schreiben anfangs große Schwierigkeiten, deshalb: Erst genau zuhören, bis ein Sinnabschnitt beendet ist, dann zu diesem Gegenstandsbereich die Kernaussage(n) kurz und prägnant niederschreiben. Dabei geht es in erster Linie darum, das Wichtigste des vorgetragenen Lernstoffs zu erfassen. Als Studienanfänger(in) neigt man zum reproduzierenden Mitschreiben all dessen, was gesagt wurde. Dabei wird das Mitdenken zugunsten des Mitschreibens oft vernachlässigt.

Richtiges Mitschreiben ermöglicht ein besseres Aufnehmen und längeres Behalten des Gesagten, weil es die Konzentration steigert, indem unterschieden werden muss zwischen ‘Wichtigem’ (das aufzuschreiben ist) und ‘weniger Wichtigem’ bzw. ‘Unwichtigem’ (das nicht mitgeschrieben wird). Das auswählende Mitschreiben zwingt also dazu, den Themen und Aussagen zum Gegenstand zu folgen; es diszipliniert quasi die geistige Mitarbeit. Sinnvolles Mitschreiben bedeutet demnach, aus dem Gesagten auszuwählen und vor allem den Überblick zu bewahren, was oft schwer fallen mag angesichts der Hast, in der viele Lehrende ihren Stoff vortragen.

Schreiben Sie deshalb eher weniger mit als zuviel, und zwar nur die wichtigsten Botschaften, vielleicht auch Eigennamen, Zahlen und genannte Quellenhinweise, auf die sich die Argumentation stützt, jedoch keinesfalls Details oder Beispiele (weil sich Letztere auch ohne Notieren am besten merken lassen, wenn es denn prägnante Exempel waren). Zu solchen Beispielen reicht ein sie charakterisierendes Stichwort. Wie viel mitgeschrieben werden sollte, hängt auch davon ab, ob es sich dabei um für Sie völlig neue Informationen handelt oder um Ihnen bereits ansatzweise Bekanntes.

Wichtig ist, dass Sie – nach einiger Übung – nicht einfach die Worte des Redenden niederschreiben, sondern durch Transfer in Ihre eigene Sprache eine geis-tige Verarbeitung vornehmen. Das gelingt vielen zu Beginn des Studiums noch nicht, sollte aber mit fortschreitender Studiendauer und damit verbundenem Wissenszuwachs Ihr Ziel sein. Die dazu nötigen Techniken der Textverdichtung (z.B. Selektion durch Weglassen von Überflüssigem; Verallgemeinerung durch die Verwendung von Oberbegriffen sowie Neukonstruktion durch Kombination und Integration zu neuen Gedanken) fördern die geistige Verarbeitung des Gehörten. Kürzen Sie die zentralen Begriffe bei ihrem zweiten Auftreten in Ihrer Mitschrift so ab, dass Sie sie jederzeit wieder entschlüsseln können (z.B.: Wissenschaftstheorie [= WT], Magnetresonanztomograf [= MRT], Erwachsenenbildung [= EB], Soziologie [= Soz.], Psychoanalyse [= Psa.]). Schlüsselbegriffe sollten z.B. durch Unterstreichen oder Einkästeln hervorgehoben, Zusammenhänge oder Wechselwirkungen durch Pfeile oder andere Symbole visualisiert werden.

In den meisten Fällen fertigen Mitschreibende ihre Notizen ausschließlich für sich selbst an. Insofern sind Formvorschriften erst einmal nebensächlich. Dennoch gibt es einige weitere hilfreiche Tipps: Ein neuer Themenabschnitt oder Gedanke sollte mit einer neuen Zeile beginnen. Dadurch kann die Struktur der Vorlesung, des Referats oder der Diskussion chronologisch abgebildet werden und man kann später beim Nachschauen in den eigenen Unterlagen den roten Faden der Argumentation schneller rekonstruieren. Eigene Gedanken (z.B. Kritikpunkte, Fragen, Anmerkungen) sollten Sie parallel dazu am Seitenrand notieren.

Das parallele Schreiben der wichtigsten Informationen und eigener Ideen funktioniert schwerlich auf kleinen Zetteln. Haben Sie nach Möglichkeit genügend DIN-A4-Blätter zur Hand und beschriften Sie diese nur von einer Seite. Das ist zweckmäßig, damit Sie später Textpassagen mit Schere und Klebstoff auf andere Blätter übertragen können, ohne dass wichtige Informationen auf der Rückseite neu abgeschrieben werden müssen oder verloren gehen. Lassen Sie einen Lochrand sowie genügend Platz für spätere Ergänzungen, denn eine Mitschrift sollte tunlichst nachbearbeitet werden!

Sollten Sie etwas nicht genau mitbekommen haben, so fragen Sie am Ende des Vortrags beim Vortragenden nach, ersatzweise bei Mitstudierenden. Manchmal wird in einer Lernplattform auch nachträglich ein Skript bereitgestellt. Dieses bietet wiederum die Möglichkeit, sich noch einmal mit dem Lernstoff aktiv auseinanderzusetzen und zugleich festzustellen, ob man das Wichtigste richtig notiert und verstanden hat. Eine solche Chance sollten Sie auf jeden Fall nutzen.

Lesen Sie sich immer nach der Veranstaltung Ihre Notizen durch und ergänzen Sie diese möglichst umgehend, solange Ihre Erinnerungen noch frisch sind; beson?ders dann, wenn Sie die Unterlagen noch für Prüfungen brauchen sollten. Ein Abschreiben in Schönschrift ist, obwohl auch dieses der Integration und Verarbeitung des neuen Lernstoffs dient, nicht zwingend erforderlich, solange Sie aus Ihren eigenen Mitschriften schlau werden. Allerdings sollten Sie sich Letztere öfter einmal ansehen, sich zurückerinnern. Wenn Sie abschreiben wollen oder müssen, weil Sie später die eigene Schrift nicht entziffern können, dann sollten Sie Ihre Mitschriften in eine PC-Datei eintippen. Das hat den Vorteil, dass Sie über eine lesbare Dokumentation verfügen. Mithilfe von ‘Google Desktop’ oder anderen Suchhilfen können Sie solche Dateien auf Ihrer Festplatte schnell wiederfinden, überarbeiten und – wenn nötig – wieder ausdrucken. Da gute Mitschriften auch die Vorstufe zu Seminarprotokollen darstellen, können Sie diese anderen – elektronisch oder ausgedruckt – zur Verfügung stellen. Dabei sollten Sie jedoch darauf achten, dass auch Sie von anderen Unterlagen bekommen.

Egal, ob Sie nun über hand- oder maschinenschriftliche Aufzeichnungen verfügen: Diese sollten so aufbewahrt werden, dass Sie sie – wenn z.B. die Prüfung naht – rasch wiederfinden. Die meisten Studierenden werden für jede Lehrveranstaltung einen Schnellhefter oder Ordner anlegen, die später vielleicht semesterweise in größere Ordner aufgelöst werden. Das ist angesichts der zeitnahen Modulprüfungen durchaus zweckmäßig. Wer allerdings sein Wissen weiterhin ‘schwarz auf weiß’ besitzen und vernetzend ausbauen möchte, wird andere, insbesondere elektronische Ablagesysteme bevorzugen. Ich empfehle für solche Zwecke z.B. den digitalen Notizenspeicher »CUEcards®«. All dies mag zunächst nach sehr viel zusätzlicher Arbeit klingen. Vor den (Modul-)Prüfungen werden Sie jedoch dafür dankbar sein, dass Sie durch Ihre guten Mitschriften schon hervorragend vorbereitet sind und nicht so unter Zeitdruck geraten. Darüber hinaus wird das oftmals verankerte Wissen auch nach dem Examen noch lange einsetzbar sein.

 

Zur Person:
Dr. Friedrich Rost (friedrichrost.de) ist Akademischer Rat an der Freien Universität Berlin. Sein Buch »Lern- und Arbeitstechniken für das Studium« erscheint im Dezember 2007 in einer 5. aktualisierten und erweiterten Auflage beim VS-Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.


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