Du fühlst dich überfordert, weißt nicht, wie du dich organisieren sollst? Die Texte, die du bearbeiten musst, häufen sich? Es kostet dich viel Zeit, einen wissenschaftlichen Text zu lesen? Du kannst dich nicht lange konzentrieren? Du vergisst, was du bereits gelernt oder gelesen hast? Hier findest du einige Anregungen, um dein Studium gut zu organisieren.
Such dir den günstigsten Zeitpunkt zum Lernen. Frage dich: In welchen Zeiträumen ist meine Konzentration am höchsten? Wie lange bin ich bei welcher Tätigkeit wirklich konzentriert? Wann habe ich Konzentrationslöcher? Versuche, soweit es geht, deinen Arbeitsplan entsprechend deinem persönlichen Biorhyt-hmus zu organisieren.
Lern möglichst immer zur gleichen Uhrzeit. Dadurch wirst du dein Gehirn konditionieren: Es wird sich die Zeit merken, in der es arbeiten muss und sich darauf vorbereiten. Morgens nach dem Aufstehen oder abends vor dem Einschlafen sind besonders günstige Momente für das Lernen.
Arbeite regelmäßig. Es ist gefährlich, lange Pausen zwischen zwei Arbeitsphasen zu machen: Vieles wird vergessen und die Wiedereinarbeitung kostet Energie und Zeit. Wie beim sportlichen Training ist eine regelmäßig (täglich ein bisschen), progressiv (täglich etwas mehr) und kontinuierlich durchgeführte Arbeit leichter zu erledigen.
Mach Pausen. Erfahrungsgemäß sinkt die Konzentration nach etwa 45 Minuten. Mach also dann eine kurze Pause, lüfte den Raum, atme tief ein und aus, bewege dich, um die Blutzirkulation zu aktivieren: Dein Gehirn braucht Sauerstoff!
Vermeide das bloße Sitzen beim Lernen. Stehend und laufend atmen wir tiefer – und das fördert die intellektuelle Leistungsfähigkeit.
Trenn Arbeit und Freizeit. Wenn du deine Arbeitszeit nicht angemessen festlegst, kann es sein, dass Arbeit und Freizeit verschwimmen. Dies führt langfristig zu Frustrationen: Schlechtes Gewissen in der Freizeit, das Entspannung und Freude verhindert (nach dem Motto: Eigentlich solltest du zu Hause sein und lernen). Darum: Deine Studienaufgaben sollten einen bestimmten Zeitrahmen nicht überschreiten. Leg die Arbeitszeiten fest und lass Raum für Freizeit und Entspannung, damit du wieder auftanken kannst.Konditioniere deine Psyche. Effizientes Lernen hat viel mit Selbstvertauen zu tun. Überzeuge dich davon, dass du Hindernisse bewältigen und Erfolg haben wirst. Notfalls schreib es auf ein großes Blatt und hänge es über deinen Arbeitstisch oder dein Bett.
Teile den Lernstoff in kleine Portionen auf. Beim Lernen soll man – wie beim Essen – eine bestimmte Menge nicht überschreiten. Sonst ist das Gedächtnis gesättigt und kann nichts Neues aufnehmen. Weiterzulernen bedeutet dann nur Anstrengung und Zeitverlust.
Hierarchisiere die Informationen. Das Gedächtnis speichert Strukturen und braucht dafür organisierte Gefüge. Wenn du etwas lernen willst, frag dich immer nach der Rangordnung. Merk dir zunächst die allgemeine Struktur, dann kannst du dir auch Besonderes merken. Frage dich: Welches sind die Hauptteile? Die Unterteile? Wie organisieren sie sich untereinander? Überfliege zunächst den Text, den du lesen willst. Blättere das Buch durch, lies das Vorwort, die Einführung, den Schluss, das Inhaltsverzeichnis, um einen Überblick zu gewinnen.
Verstehe, was du lernst. Versuche nie, etwas zu behalten, das du nicht verstanden hast. Sonst musst du mit langsamerem Memorieren, schnellerem Vergessen und bösen Überraschungen bei der Klausur rechnen. Verbinde das Neue mit dem, was du schon weißt. Wir behalten neue Informationen leichter, wenn uns das Thema schon vertraut ist, als wenn wir es zum ersten Mal angehen. Bevor du also ein neues Thema angehst, mach eine Bestandsaufnahme. Beantworte schriftlich die Frage: Was weiß ich schon über das Thema? Wiederhole das Gelernte häufig. Für dauerhaftes Lernen ist ein mehrmaliges Lesen des Lernstoffs effektiver als einmaliges Pauken und Auswendiglernen. Wenn du den Lernstoff einmal gelesen und gelernt hast, lies ihn am nächsten Tag gleich nochmal: Lernforscher haben festgestellt, dass wir das meiste nach den ersten 16 Stunden vergessen.Teile das Lesen in ‘Input’ und ‘Output’-Phasen. Ein wissenschaftlicher Text liest sich nicht wie ein Roman: Er verdichtet eine große Zahl von Informationen und diese müssen verarbeitet werden. Darum ist es ratsam, abwechselnd zu lesen und zu schreiben oder das Gelesene in einem Schema zu visualisieren – oder es mündlich zusammenzufassen. Du kannst beispielsweise nach zehn Minuten Lesen die Frage ‘Was habe ich vom Text behalten?’ – ohne nachzuschlagen – beantworten. Lies die Textpassage nochmals und überprüfe deine Zusammenfassung. Lies dann weitere zehn Minuten lang usw. Stelle Fragen an den Text. Es kann ziemlich langweilig sein, einen wissenschaftlichen Text zu lesen, wenn du nicht weißt, was du eigentlich von ihm erwartest. Darum solltest du klären, was du in einem Text suchst. Du kannst dich z.B. fragen: Was weiß ich schon über den Autor? Wovon handelt der Text? Was weiß ich schon über das Thema? Was will ich wissen? Welcher Aspekt des Textes ist für mich wichtig? Was ist das Ziel des Autors? Was ist das Problem, das der Autor behandeln will? Stellt der Autor eine Hypothese auf? Wenn ja, welche? Gegen was oder wen schreibt er? Was ist seine Hauptthese? Wie ist der Argumentationsaufbau? Welche Schlussfolgerung zieht er? Wenn du andere Fragen hast, dann notiere sie. Wichtig ist, dass du deine Fragen schriftlich formulierst und sie dann auch schriftlich, möglichst mit eigenen Worten, beantwortest.
Exzerpiere deine Lektüren. Man kann beim Lesen nicht alles behalten und macht sich deshalb Notizen. Vermeide das bloße Abschreiben von Sätzen, die zwar beim Lesen wichtig erscheinen, aber einige Wochen später unverständlich geworden sind. Exzerpiere lieber die Texte nach einer klaren Struktur, wie z.B.: Schlagworte +++ Titel des Buchs/Überschrift des Kapitels (ggf. mit genauer Seitenangabe) +++ Autor +++ Verlag, Erscheinungsjahr und -ort +++ Standort +++ Signatur +++ Lesedatum (Wann hast du den Text gelesen?) +++ Thema des exzerpierten Textes +++ Zusammenfassung (mit deinen eigenen Worten) +++ Zitate (mit genauer Seitenangabe) +++ Dein Kommentar +++ Verweis auf andere Texte, eventuell auf andere Exzerpte.Idealerweise beinhaltet ein Exzerpt alle Informationen, die du für eine spätere Verwendung (Referat, Hausarbeit) benötigen wirst. Exzerpiere jedoch nur die Texte, die du wirklich brauchst.
Bewahre deine Exzerpte in einem Heftordner auf. Sie dürfen nicht im Computer unberührt verweilen: Du solltest dich mit ihnen auseinandersetzen, um dir den Inhalt einzuprägen. Drucke sie aus und blättere von Zeit zu Zeit in deinem Ordner, lies deine Exzerpte, verfasse kurze Texte dazu. Leg dir ein wissenschaftliches Tagebuch zu. Denn beim Schreiben klären, organisieren, entwickeln und vertiefen sich die Gedanken. Schreibend kannst du das Gelernte besser ‘verdauen’. Nimm dazu am besten ein gebundenes Heft, so dass nichts verloren gehen kann. Versuche jeden Tag, sei es einige Minuten lang, darin zu schreiben – Gedanken, Fragen, Beobachtungen, kurze Texte über dein Thema, wöchentliche Bilanzen, Probleme beim Lernen u.a. Allmählich wirst du deine Fortschritte dokumentieren: Deine Gedanken gestalten sich, dein Schreibstil wird besser und du findest deine eigene Sprache. Bald wirst du Freude beim Schreiben und Spaß am Lernen haben! Viel Erfolg!
Buchtipp: Martha Boeglin, Wissenschaftlich arbeiten Schritt für Schritt. Gelassen und effektiv studieren, Fink Verlag (UTB), 12,90 Euro.
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