Eine Woche Juist – das ist Entspannung pur. Von wegen! Die Teilnehmer des EADS Juniors Workshops erwartete auf der Nordseeinsel ein straffes Programm mit Seminaren und Übungen. Neben der Kunst des Fliegens haben die Studenten dabei vor allem die Arbeit im Team gelernt.
Kaum sind die weißen Gleiter auf der Piste des Juister Flugplatzes gelandet, erheben sie sich auch schon wieder in die Lüfte, um am blauen Nordseehimmel eine Runde über die Insel zu drehen. Bei jeder Landung tauschen die Fluggäste blitzschnell den begehrten Platz neben dem Piloten, schließlich will jeder der Studenten mal abheben.
Für eine Woche sind die 23 jungen Leute nach Juist gekommen, um im Rahmen des EADS Juniors Programmes an einem Workshop teilzunehmen – Flugstunden inklusive. Sie kommen aus ganz Deutschland, Frankreich, Holland und Spanien. Die Mehrzahl studiert Ingenieurwesen oder BWL. Auf die Insel haben sie es geschafft, weil sie sich während ihrer Praktika beim Luft- und Raumfahrtkonzern EADS durch außergewöhnliche Leistungen und überdurchschnittliches Engagement ausgezeichnet haben. »Die Kandidaten sind handverlesen und können mit beeindruckenden Lebensläufen aufwarten«, so Thorsten Möllmann, Vice President Human Resources (HR) von EADS und fügt hinzu: »Einige haben zum Beispiel einen Doppel-Studienabschluss, einen französischen und einen deutschen. Und alle Juniors können ein Gros an Auslandserfahrung vorweisen.«
Juniors – so heißen die ehemaligen Praktikanten von EADS. Seit ihrem ersten Tag auf Juist haben die Studenten diesen Status angenommen und wollen ihm gerecht werden. Ein Zeichen dafür, dass das Konzept des EADS-Workshops aufgeht: Teambuilding steht dabei ganz oben auf der Agenda. Das straffe Tagesprogramm fördert diesen Prozess. Während Touristen vorwiegend um der Erholung willen nach Juist kommen, müssen die Juniors ackern. Im Klartext heißt das: Der Tag fängt um 6.30 Uhr mit Tai Chi, Joggen oder Fahrradfahren an. Den Vormittag über lernen die Kandidaten Soft Skills in der Theorie, die sie nachmittags anhand von Übungen wie Klettern praktisch umsetzen. Hinzukommen Einzelgespräche rund um Karrierefragen mit Thorsten Möllmann sowie ein Tagesfeedback vom Coach. Garniert ist das Ganze mit einer Projektaufgabe, die die Teilnehmer in zwei Gruppen bearbeiten.
»Wir haben die Anweisung, ein innovatives Flugzeugkonzept unter Berücksichtigung von energiesparender Technologie zu erstellen, mit dem es möglich ist, die langen Be- und Entladezeiten an Flughäfen zu minimieren. Der Entwurf soll eine Art Zukunftsszenario für das Jahr 2050 werden«, berichtet Tobias Wehrkamp-Richter, 23 Jahre, Flugzeugbau-Student aus München. Zur Verdeutlichung ihrer Ideen bauen die beiden Teams jeweils ein Flugzeugmodell und erstellen eine Präsentation, die sie am letzten Workshop-Tag vor einer Jury halten werden. »Wir bekommen viel geboten, müssen dafür aber auch viel geben. Das ist harte Arbeit. An den vergangenen Tagen sind wir meistens erst gegen zwei Uhr nachts ins Bett gegangen«, erzählt Tobias. Müde sieht er allerdings nicht aus, im Gegenteil: »Jeder ist hoch motiviert. Man wird von der Gruppe mitgerissen und will sein Bestes geben.« Das zeigt sich vor allem bei der Projektarbeit: »Ich versuche mein Team so gut wie möglich zu unterstützen. Als BWL-Studentin kann ich zwar kein Technikwissen einbringen, dafür aber Know-how in Sachen Zeit- und Kostenminimierung «, erzählt Sophie Plumer aus Frankreich. Die 23- Jährige kann sich gut vorstellen nach ihrem Studium bei EADS zu arbeiten. »Auch wenn der Einstieg nicht klappen sollte, bleibe ich durch das Programm mit den anderen Teilnehmern und mit EADS in Verbindung.«
Sowohl für Tobias als auch für Sophie ist der tägliche Flugunterricht ein Highlight. Bei dem Training handelt es sich nicht um einen kompletten Flugschein, sondern um das aus den USA importierte ‘Pinch-Hitter-Notfall-Training’ – was so viel wie ‘Einspringen für’ heißt. Dabei werden zwei Hauptziele verfolgt: Der fliegende Partner eines aktiven Piloten kann an bestimmten Bereichen an der Cockpitarbeit teilhaben. Fällt der Pilot aus, kann der Partner dennoch sicher das Flugzeug landen. Wie die anderen Übungen hat auch diese einen übergeordneten Effekt: »Fliegen bedeutet zum einen ein Stück Freiheit, zum anderen aber auch Selbstdisziplin und Konzentration. Bei dieser Herausforderung lernen die Juniors Verantwortung zu übernehmen und gewinnen Selbstsicherheit«, erklärt Fluglehrer Albert Wundram.
Das Flugtraining und die Outdoor-Übungen leitet das Team der Bildungsstätte Theodor Wuppermann e.V., kurz Jubi-Juist genannt, wo die Juniors auch untergebracht sind. Dass EADS hier Workshops veranstaltet, hat Tradition. Schon die Airbus-Vorgängerfirma VFW buchte 1965 den ersten Kurs für ihre Mitarbeiter. Die Bildungsstätte bietet dafür die besten Bedingungen: So sind Flugplatz und Strand nur wenige Meter entfernt, Kletterwand und Volleyballfeld befinden sich direkt auf dem Gelände. Insgesamt herrscht hier eine Art Landschulheim-Atmosphäre: Vierbett-Zimmer, zu den Essenszeiten wird die Glocke geläutet, überall junge Leuten und jeder duzt sich – egal, ob Junior oder EADS-Mitarbeiter. »Unter diesen Umständen lernen wir die Teilnehmer sehr gut kennen. Sie befinden sich in einer fremden Umgebung und müssen auf engstem Raum miteinander auskommen «, berichtet Thorsten Möllmann, Vice President HR.
Da das EADS Juniors Programme bereits seit zehn Jahren besteht, sind zur Feier des Jubiläums auch ehemalige Teilnehmer, die so genannten ‘Seniors’, für einige Tage angereist. Unter ihnen befindet sich Ramon Peters, der 2002 und 2004 am Workshop teilgenommen hat. An seine damaligen Eindrücke kann er sich noch gut erinnern: »Als Student wird man auf die Insel eingeladen, bekommt Flugstunden und ist den ganzen Tag mit hochrangigen HR-Leuten und anderen Studenten zusammen – das ist schon überwältigend. Zudem lernt man viele Dinge über die Luft- und Raumfahrt sowie über das Unternehmen.« Nach seinem Studienabschluss im Fach Informatik stieg der heute 29- Jährige zunächst bei der Airbus-Tochter Cimpa ein. Auch wenn Ramon mittlerweile bei einer anderen Firma arbeitet, sind die Bande zu EADS nie abgerissen: »Das Thema Luftfahrt hat meine Ausbildung geprägt, ich habe lange Zeit in diesem Bereich gearbeitet und zudem besteht noch ein gutes Netzwerk zu den Leuten von damals.« Umso mehr freut er sich, einige davon mal wieder persönlich zu treffen.
Auch die Juniors des diesjährigen Jahrgangs haben vor, als Seniors nach Juist zurückzukehren. Bis dahin wird aber vermutlich noch einige Zeit vergehen und zuvor müssen sie auch noch die Präsentation ihrer Projektaufgabe meistern. Trotz Nervosität stellen beide Gruppen ihre Konzepte souverän vor. An innovativen Ideen mangelt es bei keinem der Entwürfe. Während die einen mit einem austauschbaren Flugkörper und einem automatischen Parking-System punkten, haben die anderen ein völlig neues Modell entwickelt, das kaum noch als Flugzeug erkennbar ist. Am Ende heißt es Gleichstand: »Ich bin begeistert von der Art und Weise, wie die Teams zusammengefunden haben, wie ernsthaft sie diesen Wettbewerb geführt haben und wie realistisch die Präsentationen waren«, fasst Jurymitglied Thorsten Möllmann zusammen. Die anschließende Feier haben sich die Juniors somit redlich verdient. Auch an diesem Abend werden die meisten erst spät in ihren Betten landen, um dann am nächsten Morgen per Lufttaxi Juist zu verlassen – im Gepäck jede Menge neue Erfahrungen und Freundschaften.
Mehr Infos: www.eads.com
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