Ein Google für MINT


ZUKUNFT SCHAFFEN FÜR IT Informatik ist eines der vier MINT-Kernfelder. Die Probleme sind bekannt: Fachkräftemangel, hohe Abbrecherquoten unter Studenten und eine geringe Frauenquote. Der IT-Dienstleister EsPresto will als MINT-Kuratoriumsmitglied gegenwirken – mit einer Frau an der Spitze.



Vorurteile gegen Informatiker gibt es viele. Das seien alles nur langbärtige Nerds, die lieber in ihrem stillen Kämmerchen dem Cursor beim Wandern über den Bildschirm zusehen als dass sie draußen an der frischen Luft mit anderen Menschen zusammen sein wollen. Das treffe auch auf die paar Frauen in der IT zu, inklusive der Sache mit dem Bart.

Das Schöne an Vorurteilen: Sie sind meist widerlegbar. In diesem Fall gelingt das beispielsweise dank der EsPresto AG. Über 30 Prozent der Belegschaft des Softwareentwicklers sind Frauen, sämtliche Mitarbeiter müssen ihre Social Skills bei ‘Pair-Programming’- Aufgaben ständig unter Beweis stellen. »Unsere Entwickler sind alles soziale und aufgeschlossene Menschen, die das beispielsweise über Kinofilme verbreitete und klassische Bild des Informatikers als verqueren Typen widerlegen«, berichtet Maya Biersack, Vorstandsmitglied der EsPresto AG – und, der Name verrät es schon, eine Frau. 

Die EsPresto AG ist ein expandierendes Familienunternehmen, das vor knapp zehn Jahren von drei Geschwistern gegründet wurde. Mittlerweile arbeiten 20 ITler im Unternehmen, die sich vornehmlich um sämtliche Technik rund um Websites sowie um Softwareentwicklung von webbasierten, individuellen Programmen kümmern. »Unsere Kunden kommen auf uns zu und benötigen spezielle Software, beispielsweise für Buchungssysteme, Onlineshops oder unternehmensinterne Software im Bereich Web 2.0 wie Unternehmens- Wikis oder Social-Bookmarking-Dienste«, erklärt Biersack. Zudem ist der Full-Service-ITDienstleister Kuratoriumsmitglied der Initiative ‘MINT Zukunft schaffen’ und dabei für das MINT-Portal verantwortlich.

»Unser Ziel ist es, eine Art Google für MINT zu schaffen. Wenn User auf die Seite kommen, wollen wir gar nicht, dass sie lange bleiben, sondern dass sie ihre gesuchte Info finden und dann weitergeleitet werden zur Quelle der Information. Wir aggregieren also sämtlichen Input rund um MINT wie News, Veranstaltungen und Initiativen «, skizziert Biersack das Arbeitsfeld. Als Unternehmerin kennt Biersack die typischen Probleme der MINT-Bereiche. Das größte ist sicherlich der Nachwuchsmangel. »Durch die Wirtschaftskrise hat sich die Situation zwar etwas entspannt, aber grundsätzlich ist es ganz schwer, qualifiziertes Personal zu bekommen.

Wir haben genug Bewerber, aber die allermeisten davon kann man im Prinzip aussortieren, da die fachlichen Kompetenzen, die wir als Softwareentwickler benötigen, nicht vorhanden sind«, berichtet die Diplom- Informatikerin aus dem Alltag. Gründe für den Fachkräftemangel gibt es viele: So ist zum Beispiel die Abbrecherquote unter IT-Studenten mit teilweise bis zu 40 Prozent eklatant. Dafür seien auch falsche Vorstellungen vom Studium verantwortlich, sagt Biersack: »In Computergrafiken beispielsweise stecken unheimlich viele mathematische Hintergründe, die natürlich viel theoretisches Wissen in den Curricula voraussetzen. Dessen müssen sich angehende Studenten bewusst sein.« Deshalb plädiert die Unternehmerin für Schnupperkurse oder dem Studium vorgelagerte Praktika, damit Interessierte wissen, was auf sie zukommt.

»Das Ziel des Studiums sollte immer präsent sein: Ich will Computerspiele entwickeln, dafür muss ich aber die Grundlagen auch mathematischer Natur legen. Das muss klar kommuniziert werden, damit Studenten nicht zu spät feststellen, dass sie diese Grundlagen nicht haben und ihr Studium abbrechen müssen.« Ein weiteres Problem, das zum Fachkräftemangel führt, ist das verfestigte Bild, das Kinder und Jugendliche oftmals vom Arbeitsalltag eines Informatikers haben. Dieses deckt sich mit dem anfangs erwähnten Vorurteil des Nerds.

Zudem nehmen junge Menschen noch viel zu oft Realitäten einfach hin, ohne sie zu hinterfragen, frei nach dem Motto: Wenn ich in Aachen eine SMS an eine Freundin aus Tokio schreibe, ist die Kurzmitteilung eben in einer Minute am anderen Ende der Welt. Und dass ich von meinem heimischen PC in Erfurt aus auf Webseiten aus Jamaika zugreifen kann, ist auch total super. Welche Technologien dahinterstehen, interessiert eher weniger. Dadurch entsteht nur selten Begeisterung, sich beruflich der IT zu widmen. 

Biersack will dieser Haltung entgegentreten und an Schulen Kindern und Jugendlichen die Allgegenwart von Informatik, die Faszination, aber auch die Gefahren, die IT ausstrahlt, klarer machen. Dadurch, so erhofft sich die MINT-Kuratorin, ließe sich vielleicht auch ein weiteres Ungleichgewicht einpendeln. Während in Ländern wie Spanien, Italien und Frankreich die Frauenquote im IT-Sektor bei über 30 Prozent liegt, dümpelt dieser Wert in heimischen Gefilden bei gerade einmal 15 Prozent. Biersacks Hoffnung: »Wenn wir in Schulen mit den Klischees aufräumen und spannende Berufsbilder aufzeigen, können wir mehr junge Menschen für IT begeistern und dadurch auch die Frauenquote steigern 

www.mintzukunft.de
ww.espresto.de

 


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