Foto: Fraunhofer FIT

Arbeitsfeld der Zukunft: Pervasive Games
Die Arbeit – ein Spiel


Von: Katharina Vähning Pervasive Games gehören zu den Computerspielen der Zukunft. Hier vermischen sich reale und virtuelle Welten. Was technisch und spielerisch geht, erforschen ITler gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern. Genau das richtige Arbeitsgebiet für Tüftler mit Spieltrieb.


Wenn du Gestalten mit einem Headset und einem Handy im Stadtpark siehst, die abwechselnd auf ein DIN5 großes Display starren, mit einem Handy auf für dich unsichtbare Objekte zielen und ab und zu ins Mikro tuscheln, dann sind das keine verkappten Spinner auf geheimer Mission, sondern vermutlich Freaks, die zu einem Spielteam gehören. Bei diesen sogenannten ‘pervasiven’ Spielen, übersetzt ‘alles durchdringende Spiele’, wird die eigene, reale Umgebung um die Dimension einer virtuellen Spielwelt erweitert. Virtuelle Spielelemente verschmelzen so mit der realen Umgebung. Anders gesagt, wenn ein Spieler im Stadtpark auf sein PDA schaut oder durch eine Datenbrille, wird direkt vor seinen Füßen ein aus einem Labor entflohener virtueller Virus sichtbar. Der Spieler ist dabei Teil einer Aufklärungstruppe, die die Aufgabe hat, die Viren im Stadtpark ausfindig zu machen und sie mittels Handy auszuschalten oder einzufangen. Über Headset ist er mit dem Spielerteam in der ‘Kommandozentrale’ verbunden, das ebenfalls über Bildschirme den Spielverlauf verfolgt und Informationen über die Gefährlichkeit einzelner Viren geben kann.

Diese neue Spielform nutzt dabei tragbare Augmented Reality (AR) Technologie: Informations- und Kommunikationstechnik wie etwa vernetzte mobile Computer, sei es ein Handy oder ein PDA, mit deren Hilfe virtuelle Objekte in die reale Umgebung eingeblendet werden können sowie Navigationssysteme. So können ganze Spielerteams durch Parks oder Städte streifen, statt alleine stumpf vor einer Spielkonsole zu datteln.

Die entflohenen Viren im Stadtpark sind dabei nur eine von mehreren möglichen Spielvarianten. Erforscht und entwickelt wurden erste Spielwelten unter anderem von einem Konsortium europäischer Forschungsinstitute und Unternehmen, die unter dem Namen IPerG (Integrated Project on Pervasive Games) gestalterische, technische und ökonomische Möglichen ausloten. Die Wissenschaftler kommen aus den unterschiedlichsten Disziplinen, neben Informatikern, Ingenieuren und Psychologen sind auch Soziologen und Künstler mit an Board. Bereits 18 pervasive Spiele wurden im Rahmen von IPerG entwickelt, getestet und evaluiert. Eine reiche Bandbreite an Applikationen, von Entwicklungsplattformen bis hin zu einfachen Werkzeugen, steht bereit, um diese neue Generation von Spielen auf breiter Ebene marktfähig zu machen. Mittlerweile läuft bereits am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT das Nachfolgeprojekt IPCity, in dem unter anderem das Spiel TimeWarp entwickelt wird. »Zur Projektarbeit gehören Design- und Evaluationsmethoden sowie Vermarktungsstrategien als Grundlage für attraktive und profitable Spiele, die Entwicklung einer optimierten technischen Infrastruktur und spieltauglicher Benutzerschnittstellen«, erklärt Anne-Kathrin Braun, die das Projekt TimeWarp am FIT in Sankt Augustin betreut.

Das Team von Anne-Kathrin Braun arbeitet im Institutszentrum auf dem Schlossgelände in Birlinghoven – jedoch nicht im Schloss, sondern in einem alten Industriebau. Wenn neue Spiele entwickelt werden, entwirft das Team erst einmal ganz klassisch mit Bleistift ein Szenario auf Papier. Dann loten die Wissenschaftler in einer Art Trockenübung die Laufwege und Spielszenarien vor Ort aus: Sind die Wege zu lang oder zu kurz? Sind die Aufgaben zu kompliziert oder zu langweilig? Wenn der Spielverlauf steht, wird die Software entwickelt, das Spieldesign gestaltet und an der Spielelogik gefeilt.

Sollten pervasive Spiele eines Tages ausgereift sein, werden die spacigen Gestalten im Stadtpark oder auf dem Campus vermutlich so alltäglich sein wie der Hausmeister. Florian Koch, Bereichsleiter Digitale Medien & E-Dienste des Bitkom, jedenfalls ist sich sicher, dass pervasive Spiele einen neuen Trend auslösen können: »Pervasive Spiele werden mit ihren Möglichkeiten, virtuelle und reale Welt zu vermischen, das Angebot an digitalen Spielen bereichern. Sie erlauben und fördern den Einsatz von innovativer Spielmechanik. Weil sich die Teilnehmer praktisch direkt im Spiel befinden, kann hier ein ganz neuartiges Spielerlebnis entstehen. Insofern stellen pervasive Spiele sicherlich auch einen wichtigen Trend im Bereich Gaming dar.«

Mehr Infos unter:

www.pervasive-gaming.org/iperg_games0.php

www.ipcity.eu/?page_id=10

www.fit.fraunhofer.de/projects/mixed-reality/ipcity.html


Keine Kommentare

<- Zurück zu: Branchen


Du hast einen Artikel gelesen und möchtest dazu unbedingt etwas loswerden – vielleicht Lob, Kritik oder Anregungen? Kein Problem! In unserem Blog kannst du selbst aktiv werden, Diskussionen anregen und uns an deinem Wissen teilhaben lassen. Sobald du dich eingeloggt hast, kann's losgehen!

LogIn I Neu anmelden >

Keine Einträge

Geben Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel ab!

Anzeige