Es klingt wie ein einfaches Rezept: Man nehme sechs Jungs, eine gute Idee – und fertig ist das Unternehmen! Das haben sich auch die Gründer von amiando gedacht: Warum irgendwo angestellt sein, wenn man auch selbst etwas auf die Beine stellen kann? Gesagt, getan. Die sechs Web 2.0-affinen Jungunternehmer, allesamt frisch gebackene Absolventen, haben es gewagt: den Sprung in die Selbstständigkeit!
»Es war von Anfang an angedacht, ein Unternehmen zu gründen. Wir haben nicht einfach nur so rumgesponnen, sondern wir wollten was Eigenes starten«, erzählt Sebastian Bärhold (26), einer der Gründer der amiando AG. Zusammen mit fünf Freunden – alle Mitte bis Ende zwanzig – entwarf er eine Plattform, auf der Privatleute wie professionelle Veranstalter Einladungen zu ihren Partys und Events verschicken, Gästelisten verwalten, Fahrgemeinschaften organisieren oder Tickets verkaufen können. Los ging’s, erst in der Wohnung eines Gründungsmitglieds, dann in einem kostenlosen Büro am ‘Center for Digital Technology and Management’ (CDTM), einer Initiative, die Unternehmertum fördert: »Dort hatten wir ein Büro für uns und mussten auch keine Miete zahlen. Wir hatten bis dahin eigentlich überhaupt keine Kosten, wussten aber, dass wir uns jetzt mal um eine Finanzierung kümmern müssen.«
Dank eines glücklichen Zufalls lief’s mit der Finanzierung einfacher als gedacht: »Felix Haas hatte damals ein Vorstellungsgespräch bei spreadshirt, der Firma von Lukasz Gadowski. Er hat dann dort gleich mal unsere Idee vorgestellt und ein paar Tage später war Lukasz dann bei uns in München und hat uns ein Angebot für eine Finanzierung gemacht. Das war definitiv ein günstiger Umstand, dass das mit der Finanzierung so unkompliziert und schnell ging.« Das Quäntchen Glück gehört sicherlich zur Gründung eines eigenen Unternehmens dazu. Aber das reicht längst nicht aus. Damit ein Unternehmen auch langfristig erfolgreich bleibt, »ist es wichtig, dass man den Anfangshunger, den man zu Beginn hat, auch beibehält und das Ganze nicht einfach laufen lässt, sondern weiterhin voll dranbleibt, neue Ideen verfolgt und auch in Zukunft viel arbeitet. Man darf einfach nicht so schnell locker lassen«, rät Sebastian, der bei amiando für Controlling und Finance zuständig ist.
Eine brillante Geschäftsidee ist also längst nicht alles: Die Chemie im Team muss stimmen, davon ist Sebastian überzeugt: »Es ist wichtig, dass man im Team komplementäre Charaktere vereinigt. Man braucht Leute, die sehr viel initiieren und voranpuschen, aber auch Leute, die schauen, dass alles geordnet und strukturiert abläuft. Gerade, wenn man ein Unternehmen als junge Menschen aufzieht, kann so etwas auch sehr schnell im Chaos enden.« Und man muss bereit sein, über Jahre hinweg überdurchschnittlich viel zu geben. Das weiß auch Thomas Fürst, Leiter des ExistenzgründungsCenters der Stadtsparkasse München und einer der 250 Mitglieder des Expertennetzwerks des Deutschen Gründerpreises: »Die Geschäftsidee, eine überzeugende und umsetzbare Gründungskonzeption sowie die Unternehmerpersönlichkeit der potenziellen Gründer sind gleichermaßen die Erfolgsfaktoren für den nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg eines StartUp-Unternehmens. Die Gründer unterschätzen oft die Anlaufphase. Doch der Markteintritt und die Umsätze verzögern sich meist. Vor diesem Hintergrund sollte realistisch und eher vorsichtig geplant werden.«
Bei amiando hat der Start bisher reibungslos funktioniert: Die Einladungsfunktion für private Anlässe wie Geburtstage, Partys oder Familientreffen wird reichlich genutzt, die Plattform kommt bei Kunden wie Investoren gut an. Seit Juni gibt es zusätzlich die Möglichkeit für professionelle Veranstalter, Tickets über die Plattform zu verkaufen. Und das Konzept geht auf: Im April wählte die ‘Wirtschaftswoche’ amiando sogar unter die Top-50 StartUps Deutschlands. Ein tolles Gefühl? »So eine Auszeichnung ist echt schön, weil es eine Bestätigung dafür ist, dass auch andere die Idee gut finden und man auf dem richtigen Weg ist«, erzählt Sebastian, »aber das Tollste in unserer jungen Unternehmerkarriere war eigentlich, als wir das große Ticketfeature online gestellt haben und die Reaktionen von Anfang an sehr positiv ausfielen. Wir haben eben doch fünf, sechs Monate daran entwickelt und es ist motivierend zu sehen, dass sich unsere Mühen gelohnt haben.«
Denn sorgfältige Planung entscheidet meist über Erfolg- oder Misserfolg eines jungen Unternehmens: »Der Geschäftsplan ist kein Selbstzweck. Aussagekräftige Fakten zu dem Produkt- und Leistungsangebot, dem Kundennutzen, der Markt-, Branchen- und Wettbewerbssituation und der passenden Markteintritts-, Marketing- und Vertriebsstrategien geben dem Gründer und der Bank Einblick in das Potenzial des Vorhabens«, erläutert Thomas Fürst.
Verantwortung für die Mitarbeiter übernehmen, mit versierten Geschäftsleuten diskutieren, selbstständig Entscheidungen treffen – all das gehört dazu, wenn man sein eigener Herr ist. Und noch mehr? »Es ist auf jeden Fall sehr spannend und es macht viel Spaß, dass man so große Freiheiten genießt. Das ist wohl auch das, was die Faszination ausmacht. Auf der anderen Seite ist das mit der Freiheit manchmal auch etwas schwierig, so direkt nach der Uni, weil man fast alle Erfahrungen selbst sammeln muss«, erzählt Sebastian. Doch bereut haben die StartUp-Unternehmer ihren Weg in die Selbstständigkeit bisher nicht. Amiando hat mittlerweile an die 20 Mitarbeiter, will mit ihren Ideen Europa erobern. Ein eigenes Unternehmen – für viele Studis ein Traum. Damit das nicht so bleibt, rät Sebastian allen potenziellen Gründungswilligen: »Nicht so viel überlegen, machen!«
Junge Unternehmen
Die sechs Gründer der amiando AG haben BWL, Jura oder eine Ingenieurwissenschaft studiert, die meisten an der TU München. Wer selbst mal Gründerluft schnuppern möchte, kann bei amiando Praktika in verschiedenen Bereichen absolvieren.
Der Deutsche Gründerpreis ist die bedeutendste Auszeichnung für herausragende Unternehmer in Deutschland. Er wird für vorbildhafte Leistungen bei der Entwicklung von innovativen und tragfähigen Geschäftsideen und beim Aufbau neuer Unternehmen in den Kategorien Schüler, StartUp, Aufsteiger und Lebenswerk verliehen. Ziel des Deutschen Gründerpreises ist es, ein positives Gründungsklima in Deutschland zu fördern und Mut zur Selbstständigkeit zu machen.
www.deutscher-gruenderpreis.de
Keine Kommentare
Du hast einen Artikel gelesen und möchtest dazu unbedingt etwas loswerden – vielleicht Lob, Kritik oder Anregungen? Kein Problem! In unserem Blog kannst du selbst aktiv werden, Diskussionen anregen und uns an deinem Wissen teilhaben lassen. Sobald du dich eingeloggt hast, kann's losgehen!
LogIn I Neu anmelden >