01. Zwölf Stunden davor
Merke Dir: Ein geregelter Arbeitstag von 9 bis 17 Uhr ist etwas anderes als die erste Vorlesung um 14 Uhr. Deshalb ist es sinnvoll, schon einige Tage vor Praktikumsbeginn morgens aufzustehen. So verhinderst du, am ersten Tag gleich zu verschlafen. Ausgehen am letzten Tag vorm Praktikum? Lieber nicht! Ausgeschlafen, frisch geduscht und in anständigem Outfit kommt doch bei weitem besser als eine Fahne, Augenringe bis zu den Knien und ein zerknittertes T-Shirt. Deshalb: Such dir deine »Der-erste-Tag-ist-entscheidend«-Garderobe am Abend vorher aus. Ob Anzug beziehungsweise Kostüm oder modisch-trendy hängt von der Branche ab, in der du dein Praktikum machst. Auf der sicheren Seite bist du, wenn du am ersten Tag schick, aber nicht übertrieben zur Arbeit erscheinst und dich künftig am Dresscode deiner Kollegen orientierst. Und ganz wichtig: Stelle deinen Wecker früh und kalkuliere evtl. Verspätungen der S-Bahn oder Staus mit ein. Es gibt nichts Schlimmeres, als an seinem ersten Tag abgehetzt, verschwitzt und trotzdem zu spät zu kommen!
02. Der erste Eindruck
Jeder weiß es, doch viele vergessen’s: Der erste Eindruck zählt! Deshalb: Ein freundliches Lächeln und nettes »Hallo« hat noch keinem geschadet. Im Unternehmen kennt dich anfangs niemand und eigentlich ist auch keiner darauf angewiesen, das zu ändern, verlässt du die Firma ja in der Regel nach kurzer Zeit wieder. Aber: Du willst deine neuen Kollegen kennen lernen und dich von deiner besten Seite zeigen. Sei also offen, interessiert und gehe auf andere Menschen zu. Jemand mit Piepsstimme, der schüchtern in der Ecke steht, bleibt niemandem im Gedächtnis. Stelle dich also am ersten Tag in deiner Abteilung kurz vor, wenn dein Praktikumsbetreuer nicht sowieso von Büro zu Büro mit dir geht. Zu aufdringlich ist aber auch wieder nix: Stundenlange Smalltalks schon am ersten Tag und sich bei den Kollegen zum Mittagessen einzuladen, solltest du tunlichst bleiben lassen!
03. ‘Du’ oder ‘Sie’?
Früher war klar: Im geschäftlichen Umgang wird gesiezt. Auf eher konservative Branchen wie dem Banken- und Versicherungssektor trifft das weiterhin zu. Doch in vielen Unternehmen hat sich das lockerere ‘Du’ vom Praktikanten bis zum Chef durchgesetzt. Faustregel: Erst mal siezen und abwarten, ob Vorgesetzte und Kollegen das ‘Du’ von sich aus anbieten. Ein nettes »Kannst ruhig du zu mir sagen« ist besser als ein konsternierter Hinweis darauf, dass alle sich im Unternehmen grundsätzlich siezen.
04. Dein Arbeitsplatz
Glückwunsch: Du hast einen Arbeitsplatz zugewiesen bekommen inklusive Telefon, PC und E-Mail-Account. Nur: Du hast überhaupt keine Ahnung, wie du dich am Telefon melden sollst, welchen Briefkopf man allgemein verwendet und wo es Büromaterial gibt. Alles Dinge, die es direkt am ersten Tag zu klären gilt. Am besten bei deinem Praktikumsbetreuer, Schreibtischnachbar oder im Sekretariat. Wer hier gleich mitdenkt und sich nicht unbeholfen mit ‘Ähs’ und ‘Öhs’ am Telefon meldet, beweist Professionalität.
05. Dein Privatleben ist tabu
»Uups, mein Handy. Muss mal kurz rangehen...« Stopp! Musst du nicht. Als Praktikant willst du schließlich was lernen und nicht den lieben langen Tag mit Freunden am Telefon und dem Schreiben von SMS fürs abendliche Date verplempern. Klar, es gibt echte Notfälle, bei denen du rangehen musst, aber du sitzt noch nicht im Vorstand eines Unternehmens, wo du für jeden jederzeit erreichbar sein solltest. Genauso steht’s mit privaten E-Mails: So gut wie kein Chef wird’s dir krumm nehmen, wenn du ab und an mal schnell deinen privaten Account checkst, doch stundenlanges Surfen im Netz und Chatunterhaltungen sind alles andere als gern gesehen. Fazit: Lass dein Privatleben während des Praktikums möglichst außen vor. Denn schließlich gibt’s Interessantes zu lernen und die kurze Zeit solltest du nutzen!
06. Wenn der Magen grummelt
So ein Arbeitstag macht hungrig. Aber Vorsicht: Sich mit dem selbst mitgebrachten Pausenbrot in eine Ecke zu verziehen und ein Buch zu lesen geht gar nicht! Wenn dich deine Kollegen zur Mittagspause mitnehmen, lass dir diese Chance nicht entgehen! Gerade in diesem lockeren Rahmen kannst du deine neuen Kollegen kennen lernen und jede Menge übers Unternehmen erfahren. Und für dich als Neuling ist jede Information hilfreich, um zu lernen, wie der Laden so läuft. Am bes?ten erkundigst du dich gleich am ersten Tag, wie lange es üblich ist, Pause zu machen. In den meis- ten Firmen sind 30 Minuten die Regel – ist bei einem Acht-Stunden-Tag gesetzlich so vorgeschrieben. Wenn’s mal etwas länger dauert, ist das meist kein Problem. Hauptsache, du arbeitest die fehlende Zeit am Ende des Arbeitstages nach.
07. Schweigen ist Gold!
Der Hemdknopf am Chef-Bauch droht zu platzen und der Einblick ins Dekolleté der Kollegin reicht bis zum Nabel. Ach, wie verführerisch, sich darüber mit jemandem auszutauschen. Bloß nicht! Lästern ist gefährlich! Wenn dein Chef davon Wind bekommt, kannst du sichergehen, dass du über den Praktikantenstatus niemals hinauskommst. Deshalb: Lieber den Kollegen zuhören – Interna sind schließlich goldwert – und im Stillen genießen. Und wenn’s gar nicht anders geht, dann bitte niemals per E-Mail! Wie schnell ist jemand CC gesetzt, der von einem Gerücht lieber nichts mitbekommen sollte. Einmal verschickt, ist die E-Mail Beweismaterial, die jederzeit auf dich zurückfallen kann. Genauso steht’s um Firmeninterna: Ob per E-Mail, schriftlich oder auch nur mündlich, geheime Abläufe, Konkurrenzanalysen oder Projektpläne müssen bleiben, wo sie sind: im Unternehmen. Wer seine Klappe nicht halten kann und Betriebsgeheimnisse ausplaudert, dem droht eine fristlose Kündigung oder sogar eine zivilrechtliche Schadenersatzklage.
08. Klar, kann ich machen!
Eigeninitiative zeigen und sich anbieten, bestimmte Aufgaben wie beispielsweise das oft ungeliebte Protokoll in Meetings zu übernehmen, ist genau richtig! Du sollst ja schließlich zeigen, was in dir steckt und wieviel du leisten kannst. Doch wenn sich die Arbeit auf deinem Schreibtisch bereits stapelt, deine To-Do-Liste immer länger wird und dein Praktikumsbetreuer schon wieder mit einem neuen Projekt ankommt, dann ist es wichtig, auch mal »Nein« zu sagen. Schließlich sollst du auch demonstrieren, dass du dazu in der Lage bist, dein Zeitpensum sinnvoll einzuteilen und Prioritäten zu setzen. Da ist es besser, eine Aufgabe auch mal abzulehnen und dafür die anderen Dinge fristgerecht und gewissenhaft zu erledigen.
09. Ruhig den Mund aufmachen!
Du bist zwar Praktikant und noch neu in der Firma, aber das heißt nicht, dass du keine eigene Meinung haben darfst. Kritik und Verbesserungsvorschläge sind immer gern gesehen, eben weil du neu und nicht betriebsblind bist. Außerdem kannst du gerade mit frischen Ideen bei deinem Vorgesetzten punkten und dafür sorgen, dass er dich nicht vergisst. Doch auf die Verpackung kommt’s an: Ein schnödes »Nö, gefällt mir nicht« hilft keinem und macht dich beim kritisierten Kollegen nicht unbedingt beliebter. Versuche, konstruktiv und differenziert zu argumentieren, begründe deine Haltung und gehe diplomatisch vor: »Diesen Entwurf finde ich ganz schön, aber ich denke, er wirkt noch überzeugender, wenn man Folgendes ändern würde...« Trau dich also, den Mund aufzumachen, aber vermeide Klugscheißerei und verhalte dich gegenüber allen deinen Kollegen respektvoll, auch wenn sie nicht studiert haben.
10. Und nach dem Praktikum?
Herzlichen Glückwunsch! Dein Praktikum ist geschafft, Kollegen und Vorgesetzte waren zufrieden und dein Zeugnis kann sich sehen lassen. Doch das ist erst der Anfang! Im Idealfall hast du nicht nur viel gelernt, sondern auch Kontakte geknüpft, die es zu pflegen gilt. Wöchentliche Anrufe bei deinem Praktikumsbeauftragten und massenhaft E-Mails sind allerdings eher nervtötend als förderlich, doch ein gesundes Networking hat noch niemandem geschadet. Erkundige dich rechtzeitig, ob dein Unternehmen eine freie Mitarbeit anbietet, Aushilfen in den Semesterferien sucht oder vielleicht sogar für deine Abschluss- arbeit in Frage kommt. Selbstverständlich sollte sein, dass du angefangene Projekte zu Ende bringst – auch wenn dies deine Praktikumszeit um einige Tage überschreitet.
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Webcode: RP-Praktikum
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