Die Zukunft ist MINT
Mit höheren Investitionen in diesem Bereich könnte man ein MINT-Hauptproblem, die hohen Abbruchquoten, entschärfen. Oftmals wird semesterlang sture Mathematik gepaukt, anstatt praktische und technische Arbeit geleistet.
Das Problem ist, dass die Inhalte vieler achtsemestriger Diplomstudiengänge in sechs Bachelorsemester gepackt wurden und sich die bisherigen hohen Abbrecherquoten stabilisiert, teilweise sogar noch erhöht haben. Ich sehe nur zwei große Wege: Der eine ist der humanistische, die Aufklärungsarbeit an den Hochschulen. Was heißt es eigentlich für eine Hochschule und deren Reputation sowie für die Volkswirtschaft und den Steuerzahler, wenn wir derart hohe Abbruchquoten verzeichnen? Ein anderer Weg wäre, die Mittelzufuhr für die Hochschulen auch nach den Abbruchquoten zu steuern. Die Hochschulen würden es also monetär spüren, wenn die Abbruchquoten nicht zurückgehen. Ist das humanistisch? Nein, aber ehe wir alle aufgeklärt haben, gehen noch mal zu viele Jahre ins Land und die Generationen von jungen Menschen, die abbrechen, lassen wir fallen. Das ist nicht verantwortungsvoll.
Sie wollen also den Hochschulen in die Tasche greifen?
Ich würde die Mittelzufuhr an bestimmte Indikatoren binden: Abbruchquote, Frauenanteil und Beurteilung der Lehre durch die Studierenden.
Stichwort Frauenquote: Diese liegt in einigen technischen Studiengängen nur bei knapp über zehn Prozent.
Das bereitet mir große Sorge. In den Schulen müssen wir die Stereotypen, die verqueren Rollenmodelle bekämpfen und die Lebensnähe von MINT und den gesellschaftlichen Nutzen von MINT darstellen, weil Frauen stärker als Männer die soziale Bedeutung eines Themas in den Mittelpunkt rücken. Weibliche Rollenvorbilder müssen zudem besser genutzt werden und Erzieher und Lehrer sich stärker mit dem Thema MINT beschäftigen.
Begeisterung für ein Thema zu wecken fällt eigentlich in die frühkindliche Prägung. Setzt ‘MINT - Zukunft schaffen’ da nicht bei einer zu späten Entwicklungsphase an?
Das glaube ich nicht. Selbstverständlich spielt sich viel in der frühkindlichen Prägung ab, aber ich bin mir relativ sicher, dass viele junge Menschen im Alter von 14, 15 Jahren schwankend sind, ob sie in die eine oder die andere Richtung gehen sollen und dass hier noch viel Potenzial schlummert. Natürlich ist eine zentrale Frage, ob und wie Eltern bei ihren Kindern Neugier für Natur, Technik und fürs Lernen wecken. Das ist die alte Frage des Sokrates: Wer erzieht die Erzieher?
Und wer wird wie erzogen. Hat Deutschland nicht auch nach wie vor ein Defizit, wenn es darum geht, Berufstätigen Weiterbildungsmaßnahmen anzubieten?
Ja. Wir haben gerade einmal ein knappes Prozent an jungen Berufstätigen, die eine duale Ausbildung absolviert haben und jetzt studieren. Die Frage lautet: Wie bauen wir Brücken für junge Facharbeiter? Auch da könnte ein Bachelorstudium das Richtige sein. Bologna ist eigentlich ein Glück, weil es die Welt des Lernens mit der Differenzierung in Bachelor und Master verdaubarer macht und einem Bachelorabsolventen ermöglicht, auch nach zehn Jahren Berufserfahrung noch einen Master dranzuhängen. Im Kern heißt das: Wie kommen wir in Deutschland dahin, dass junge Menschen, die eine duale Berufsausbildung im gewerblich-technischen oder kaufmännischen Bereich wählen, weiterführend den Bachelor studieren können, insbesondere den MINT-Bachelor? Da schlummern viele Chancen.




