Alles richtig machen im Vorstellungsgespräch
Wie sieht eine 'perfekte Bewerbung' aus?
Es gibt keine ‚perfekte Bewerbung’. Ein Azubi muss sich anders bewerben als ein Hochschulabsolvent und für ein Praktikum muss man sich zwar heutzutage auch schon etwas mehr Mühe geben, jedoch die Bewerbung einer Führungskraft sieht deutlich anders aus. In jedem Fall hilft es, sich mit der einschlägigen Literatur auseinander zu setzen und nicht nur die oftmals schnell zusammengeklauten Empfehlungen im Internet dumpf aufzugreifen/abzupinseln …
Was sind die häufigsten Fehler, die Männer in Bewerbungsgesprächen machen?
Sie treten (aus Unsicherheit) etwa zu arrogant auf, Gott-sei-Dank aber wirklich nicht alle. Aber das männliche Geschlecht neigt doch etwas schneller dazu Angst und Unsicherheit durch Forschheit und Angriff zu überspielen. Zugegeben etwas vereinfacht dargestellt, nichtsdestotrotz im Kern richtig.
Haben Männer in Vorstellungsgesprächen gegenüber weiblichen Mitkandidaten eher Vor- oder Nachteile?
Ich persönlich sehe eher die Nachteile, aber zunächst geht es um das Gegenüber. Und eine sympathische junge und dazu auch noch kompetente Bewerberin hat es mit ihrem Charme deutlich leichter Stimmung für sich zu machen als der junge, vielleicht auch noch schlecht rasierte Bewerber … Und was ist bei (weiblichen) Recruitern …? Das mag sich der Leser nun einmal selbst beantworten.
Wie sollten sich Männer im Vorstellungsgespräch kleiden?
Das richtige und hilfreiche Stichwort heißt: schlichte Eleganz. Nicht over- aber auch nicht underdressed. Deutlich gehoben, denn es ist ein besonderer Anlass, man wurde eingeladen, (zeigen Sie Wertschätzung, Sie sind ja durch die Einladung selbst auch „gewertschätzt“ worden) da kann man nicht auftreten wie im Sportstudio oder Krankenhaus (Stichwort: Jogginganzug!). Natürlich spielt auch die Branche ein kleinwenig dabei eine Rolle. Bei den Banken und Versicherungen geht es Kleider-code-technisch anders zu, als im Lebensmittelgroßhandel oder einer Computerfirma.
Welche Verhaltensweisen sind bei der Begrüßung und der Verabschiedung zu beachten?
Seinem Gegenüber in die Augen schauen, deutlich sprechen und wenigstens einen Hauch von Lächeln auflegen (nicht grinsen!). Und ‚danke’ sagen für die Einladung. Das wird so wahnsinnig selten praktiziert, dass ich weinen könnte! Bei der Verabschiedung: ganz ähnlich, aber lassen Sie Ihren Namen weg.
Gibt's hierbei Unterschiede, wenn der Gesprächspartner männlich oder weiblich ist?
Aber sicher doch! Man schaut seinem Geschlechtsgenossen anders in die Augen!
Wie sollte man reagieren, wenn man auf eine Fachfrage keine Antwort weiß?
Wenn man geschickt ist (und so etwas kann man üben!) schafft man sich herauszureden beziehungsweise das Thema in eine Richtung zu lenken, wo man wieder festeren Boden unter den Füssen spürt (Ihr Gegenüber will ja nicht die mündliche Uniabschlussprüfung mit Ihnen wiederholen!) Jedoch dies können die meisten Kandidaten nicht wirklich und dann ist es besser zuzugeben, dass man auf diesem Gebiete sich gerade nicht so heimisch fühlt. Das ist übrigens kein Kapitalverbrechen! Manchmal schafft dieses Bekenntnis sogar Sympathiepunkte.
Wenn man nach den Gehaltsvorstellungen gefragt wird, gibt es dann eine 'richtige' Antwort und wenn ja, wie lautet diese?
Diese Frage hat den Hintergrund zu schauen, ob der Kandidat, die Kandidatin eine realistische Einschätzung auch in diesen wichtigen Dingen hat (ja, Geld ist wichtig!). Also vorher schlau machen, zum Beispiel via Internet-Recherche und Fachzeitschriften, denn: Wenn Sie als angehende Junior-Unternehmensberaterin etwas von 2.000 Euro im Monat faseln, sind Sie draußen. Weder die Summe noch die monatliche Angabe sprechen für Sie. Dagegen als Juristin in einer Kanzlei oder als Lektor in einem Verlag ist dieser schlechte Einstiegslohn leider gar nicht so unrealistisch. Bitte verhandeln beziehungsweise benennen Sie aber immer das Jahresbruttogehalt. Nur als Sekretärin oder kleiner Sachbearbeiter darf man über sein Monatssalär sprechen.
Sollte man nach dem Vorstellungsgespräch dem potenziellen Arbeitgeber ein Feedback geben - und wie sollte dieses in Form und Inhalt gestaltet sein?
Ja, darüber kann man sicherlich nachdenken und diskutieren. Persönlich würde ich aber lieber meine Energie in die Nach- und Vorbereitung des (nächsten) Vorstellungsgespräches beziehungsweise der Bewerbungsaktivitäten stecken. Ansonsten gilt: Über schreckliche Erfahrungen kann man sich ja im Internet auslassen. Übrigens: Ein positives Feedback wirkt immer etwas „geschleimt“, ein negatives … Der Grad der Abhängigkeit ist dafür hauptverantwortlich.




