Arbeiten als Lebensmitteltechniker

Lecker!

Köstlichkeiten im großen Stil: Wer könnte dem Job als Lebensmitteltechniker widerstehen?

In der Produktionshalle rauscht und rumpelt es. Unzählige weiße Plastikfläschchen rütteln durch ihre Abfülllinien. Eine Apparatur klebt die Etiketten rundherum, der Joghurtdrink klekst in die kleinen Behälter, ein Aluhäubchen wird auf die Öffnungen gestanzt. Ganz am Ende stapeln sich die ordentlich zu sechst in Kartons gepackten Flaschen auf haushohen Paletten. Pro Stunde rattern 50.000 Stück von den 50 Meter langen Förderbändern. Mitten zwischen den insgesamt 14 Füll- und Packlinien steht Kathrin Marquard. Unter den kritischen Augen der Lebensmitteltechnologin quillt hier nirgendwo Joghurt aus der Abfüllanlage und verlässt kein Becher ohne richtige Versiegelung die Maschine. »Ich unternehme mehrmals täglich Rundgänge an den gesamten Abfülllinien«, erklärt die 26-Jährige, die seit vergangenem Jahr in einem belgischen Werk von Danone als Schichtleiterin ihre Runden durch den Abfüll- und Abpackungsbereich dreht. »Mit meinen Mitarbeitern lege ich jeden Tag Prioritäten zu Sicherheit und Qualität fest, die wir dann kontrollieren. Außerdem gehört zu meinen täglichen Anforderungen noch einiges Organisatorisches wie Personal- und Urlaubsplanung«, erläutert Marquard. »Eine weitere Kernaufgabe als Schichtleiter ist die Mitarbeiter zu fördern und ihre Talente zu erkennen.« Die Ingenieurin ist also nicht direkt an der Konstruktion der langen Maschinen beteiligt. Das vermisst sie auch gar nicht: »Am schönsten ist für mich wirklich das Coaching und die Weiterentwicklung der Mitarbeiter«, schwärmt sie.

Genau wie Kathrin Marquard hat auch Sandra Ammon Lebensmitteltechnologie studiert. Ihr jetziger Arbeitsbereich ist aber ein ganz anderer: Täglich schlägt sie Sahne, kocht Pudding und schmeckt Kuchenteig ab. Als Produktentwicklerin bei Dr. Oetker erstellt sie Rezepturen für Desserts. Genauso wie einem Verbraucher zuhause dienen ihr dazu herkömmliche Handrührgeräte, Schneebesen und Kochtöpfe. »Die Zusammensetzung von Lebensmitteln, deren Herstellung und Zubereitungsmöglichkeiten zu verstehen, finde ich äußerst interessant«, begründet die 29-Jährige ihre Berufswahl. »Im Diplomstudium der Lebensmitteltechnologie konnte ich mein Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern mit technischen und betriebswirtschaftlichen Grundlagen kombinieren.«

Auf eine möglichst breitgefächerte Ausbildung seiner Studenten ist Professor Dr. Lutz Fischer bedacht. Der Leiter der Biotechnologie an der Universität Hohenheim hat nach Auslaufen des Diploms völlig neue Bachelor- und Masterstudiengänge konzipiert. »Die neuen Studiengänge decken zwar nach wie vor alles ab, was das Diplom auch leistete, aber die Neuerungen im Bereich der Lebensmittelindustrie sind auch mit aufgenommen«, sagt der Professor. »Die Studenten müssen heute viel mehr über gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe wissen als in den vergangenen Jahrzehnten«, erklärt er weiter. »Früher kam es hauptsächlich auf Lebensmittelsicherheit an, das heißt, dass die Keimzahlen gering sind. Heute kommt mehr dazu: Der Verbraucher will Geschmack, Qualität und Gesundheit. In enger Verknüpfung mit den Ernährungswissenschaften überlegen wir, mit welchen Techniken gesundheitsfördernde Stoffe, zum Beispiel Vitamine oder Antioxidantien, die eh in den Lebensmitteln vorhanden sind, den Produktionsprozess überstehen. Und wie die Ergebnisse hinterher haltbar sind und zudem noch schmecken.« Diesen Anforderungen des modernen Konsumenten gerecht zu werden, funktioniert seiner Meinung nach nur über eine Verflechtung der Lebensmitteltechnologie mit der Molekular- und Enzymbiologie. »Wir müssen das natürlich nicht so gut beherrschen wie reine Biologen, denn wir machen keine Grundlagenforschung«, gibt er Entwarnung für alle, die lieber die Technik als die Naturwissenschaften fokussieren möchten. »Aber wir können die Erkenntnisse anwendungsorientiert nutzen!«

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RedakteurIn
Inga Bertz
Tel.: 0911-23779-44

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