Berufsbild: Apothekerin
Apothekerin Stephanie Heim ist bundesweit im Einsatz. Vom Reisen hat sie dadurch aber noch lange nicht genug: Berufliche Auszeiten führten sie schon nach Australien.
Wer Pharmazie studiert, der braucht Sitzfleisch, Nerven und Durchhaltevermögen – so die allgemeine Meinung. Den acht Semestern Studium voller chemischer, analytischer, biologischer und pharmakologischer Inhalte folgt ein praktisches Jahr und dann stehen dem Apotheker vielfältige Möglichkeiten offen. Mal von der Apotheke am Platze und der Wissenschaftlichen Laufbahn abgesehen, brauchen Krankenhäuser Pharmazeuten unter anderem für die Beratung von Ärzten und Personal über Zusammensetzung, Wirkweise und Wechselwirkungen der Arzneimittel. In der Industrie reicht das Aufgabengebiet von der Forschung und Entwicklung neuer Stoffe bis zur Nutzbarmachung biologischer Ressourcen. Damit die effektive und effiziente Gestaltung der sanitätsdienlichen Versorgung gewährleistet sein kann, sind Apotheker in der Funktion des Sanitätsoffiziers in der Bundeswehr tätig. Und was wären die Krankenkassen ohne Pharmazeuten? Auch hier ist eine Beratung zu apotheken–, arzneimittel– und betäubungsmittelrechtlichen Fragestellungen zu gewährleisten und für die Entwicklung, Beschaffung und Bevorratung der Medikamente und Medizinprodukte zu sorgen. Wem diese ganze Palette an möglichen Arbeitsplätzen immer noch zu eingeschränkt ist, der kann auch den Weg des ‘mobilen Apothekers’ einschlagen. Stephanie Heim, Apothekerin aus Regensburg, tat genau dies. Da sie »mehr oder weniger in der Apotheke großgeworden ist« und schon früh in Kontakt mit Kunden kam, entschloss sie sich, Pharmazie in Regensburg zu studieren. »Ich habe im Endeffekt schon gewusst, dass mir das Spaß machen wird«, sagt sie. Nach dem Studium entschloss sie sich aber, einen etwas anderen Weg zu gehen.
Darum meldete sie sich in einer Apotheke, die so genannte Springer vermittelte, durchforstete das Internet und pharmazeutische Fachzeitschriften und hat mittlerweile schon in ganz Deutschland als Urlaubsvertretung gearbeitet. »Es liegt meiner Natur besser «, antwortet die 34-Jährige auf die Frage, warum sie sich gegen ein geregeltes Apothekerleben entschieden hat. »Wenn ich jeden Tag in die gleiche Apotheke gehen müsste, dann würde mir die Arbeit auf Dauer auch keinen großen Spaß mehr machen.« Apotheken, die Personalmangel haben, sind dankbar für die mobilen und flexiblen Pharmazeuten. Letztendlich bleibt die Arbeit natürlich die Gleiche, wenn auch nach Ort und Apothekengröße die Aufgaben und Kunden variieren. In ländlicheren Gegenden wurde Stephanie schon oft von Kunden um medizinischen Rat gebeten. »Sie kommen wirklich öfters, bevor sie zum Arzt gehen, zum Apotheker, um besser beraten zu werden«, erzählt sie und fügt aber hinzu, dass »das Studium nicht sehr praxisorientiert ist und man eigentlich nur durchs Arbeiten und die Erfahrung lernt«. Je kleiner die Einsatz-Apotheke, desto größer der Tätigkeitsbereich. »In manchen Apotheken geht es ausschließlich um das Bedienen von Kunden und wenn ich ganz alleine bin, mit vielleicht noch einem Angestellten, dann bin ich für alles verantwortlich – Sendungen, Nachbestellungen, Kontrolle aller Abläufe, Überprüfung der Listen, Eintragen von Betäubungsmitteln – man trägt schon die Verantwortung als Apothekerin, wenn man Vertretung macht.«
Was sich für den einen oder anderen Leser wie Dauerstress anhören mag, heißt für Stephanie gleichzeitig auch flexible Freizeiteinteilung. »Ein paar Wochen sind immer frei, die ich zum Beispiel schon mal dafür nutzte, durch Australien und Neuseeland zu reisen.« Die Wege des Apothekers sind also vielseitig, der Weg zum Apotheker aber nicht immer einfach. »Locker bleiben, nicht stressen lassen. Jeder Studiengang hat seine Schattenseiten, einfach durchhalten, denn im Endeffekt ist das Studium doch ganz schön.« So lauten die aufmunternden Worte der Regensburger Apothekerin für die Pharmazie-Studenten, die im Moment mit ihrem Fach hadern. Sie kennt dieses Gefühl sehr gut. Hat sie doch selbst überlegt, abzubrechen, aber im Nachhinein kann sie jetzt doch mit Überzeugung sagen: »Es hat sich auch gelohnt.«



