Berufseinstieg bei Personaldienstleistern
Du warst schon mal auf Jobsuche und bist in Vorstellungsgesprächen nervös geworden? Dann hast du bereits eine wichtige Erfahrung fürs Berufsleben gemacht. Als Personaldienstleister lernst du die andere Seite kennen: Du sorgst dafür, dass Unternehmen und Kandidaten zueinander finden – eine reichlich interdisziplinäre Aufgabe. »Man ist Vertriebler und Personaler in einer Person«, sagt Friederike Rissing, Department Manager HR Business Partner beim Personaldienstleister Manpower. »Zum Aufgabenspektrum in unserem Unternehmen gehören das Recruiting, die Beratung von Kundenunternehmen mit allen Dienstleistungen und innovativen Lösungen rund ums Thema Human Resources – und natürlich die Betreuung von Kandidaten in der Entwicklung ihrer beruflichen Karriere.« Interdisziplinär ist neben dem eigenen Aufgabenbereich häufig auch das Umfeld: »Man lernt verschiedene Branchen und Unternehmen intensiv kennen, da man sich ausführlich mit dem jeweiligen Anforderungs- und Tätigkeitsprofil beschäftigt«, erklärt Philipp Leipold, Consultant Manager bei Academic Work, einem Zeitarbeits- und Personalvermittlungsunternehmen, das seinen Fokus auf Studenten, Hochschulabsolventen und Young Professionals legt.
Auch ›nomiko‹ hat sich auf junge Kandidaten spezialisiert: Der gemeinnützige Verein setzt sich dafür ein, dass sich seine Mitgliedsunternehmen nach einem Praktikum, einer Ausbildung oder einem Traineeprogramm langfristig an ihren Wunschkandidaten binden. Hierfür ist der Verein neben dem klassischen Recruitment und der Personalverwaltung verstärkt in den Bereichen Employer Branding und Talentmanagement tätig. »Dabei geht es darum, Firmen als Arbeitgeber attraktiv zu machen und die Entwicklungschancen für Bewerber bei ihnen zu ermitteln. Diese Arbeit ist stark konzeptionell und stellt den potenziellen Arbeitnehmer in den Mittelpunkt«, erklärt Pascal Seipold, Leiter Recruiting und HR Marketing bei nomiko. Grundvoraussetzung für eine solche Tätigkeit ist daher ein großes Interesse an Menschen – oder vielmehr an Persönlichkeiten. Denn der Umgang mit ihnen – ob auf Kandidaten- oder Unternehmensseite – gehört zum Tagesgeschäft der Branche. »Kommunikationsstärke und Empathie« sind demnach auch die Schlagwörter, die Mareen Speckhardt, Area Recruiting Manager bei Adecco Personaldienstleistungen GmbH, hierzu als erstes einfallen. »Darüber hinaus sind ein hohes Maß an Dienstleistungsorientierung und Vertriebstalent erforderlich.« Sprich: Man sollte in der Lage sein, Kunden individuell zu beraten und zu überzeugen.
Das gelingt, wenn man selbstbewusst auftritt und seine Stärken als Personaldienstleister zum Ausdruck bringt. In dieser Hinsicht hat die Branche stark gelitten. Von Kritik betroffen ist vor allem das Tätigkeitsfeld der Zeitarbeit (Arbeitnehmerüberlassung), bei der ein Arbeitnehmer beim Personaldienstleister angestellt ist und zur Arbeitsleistung bei einem Dritten eingesetzt wird. Dieses Verfahren wird bisweilen mit Lohndumping und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen in Verbindung gebracht. Geschürt wurden die Vorurteile in den vergangenen Jahren dadurch, dass Unternehmen das Modell der Zeitarbeit missbraucht und dadurch die Arbeitsbedingungen der Angestellten verschlechtert haben. Ein gesetzlicher Mindestlohn soll dem entgegenwirken: Seit Januar gilt für die 900.000 Beschäftigten in der Zeitarbeit eine Untergrenze von 7,89 Euro beziehungsweise 7,01 Euro (in den neuen Bundesländern).
Um das Image der Zeitarbeit zu stärken, hat der Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) eigens eine Kampagne ins Leben gerufen. Und auch bei den Dienstleistern selbst geht man mit Vorurteilen souverän um: »Unsere Mitarbeiter in der Zeitarbeit haben in der Regel einen festen, unbefristeten Arbeitsvertrag mit Robert Half und unterliegen somit der gesetzlichen Kündigungsfrist. Unser Unternehmen ist an den Tarifvertrag vom Bundesverband Zeitarbeit und Deutschen Gewerkschaftsbund angeschlossen«, sagt Karl-Joachim Brand, Director Internal Hiring and Training bei Robert Half International. Für Mareen Speckhardt von Adecco birgt die Arbeitnehmerüberlassung zudem »die Chance, unterschiedliche Branchen, Unternehmen und Aufgabenschwerpunkte kennenzulernen oder erste Berufserfahrung zu sammeln«. Die zahlreichen Kundenkontakte von Personaldienstleistern sind hierfür eine gute Basis. Das meint auch Jan Trouvain, Leiter Marketing und Kommunikation bei Amadeus FiRe: »So kann unser bundesweites Netzwerk an nationalen und internationalen Unternehmen gerade auch für Hochschulabsolventen ein Karrieresprungbrett darstellen. Durch unsere Spezialisierung auf den kaufmännischen und IT-Bereich kennen wir die spezifischen Anforderungen des jeweiligen Fachbereichs genau und können die Jung-Akademiker bei ihrem Einstieg daher kompetent beraten.«
Neben der Arbeitnehmerüberlassung sind die meisten Personaldienstleister auch in anderen Feldern aktiv: So vermitteln sie Bewerber direkt in ein Arbeitsverhältnis beim Kunden oder kümmern sich um das Outsourcing von Unternehmensbereichen. Hochschulabsolventen, die in dieser vielfältigen Branche ihre Zukunft sehen, werden individuell gefördert. Bei Randstad etwa können Wirtschaftswissenschaftler frühzeitig verantwortungsvolle Aufgaben im Vertrieb übernehmen: Zu ihrer Tätigkeit als Vertriebsdisponent zählen zum Beispiel die Neukundenakquisition und die aktive Betreuung der Bestandskunden. Zudem wirken sie bei der Jahresplanung und bei der Organisation von Kundenevents mit. Und sie sind verantwortlich für die Suche, Auswahl, Einstellung, Betreuung und Disposition der Zeitarbeitnehmer. »Als Mittler zwischen Kundenunternehmen und Mitarbeiter kennen die Vertriebsdisponenten die Bedürfnisse beider Seiten ganz genau und sorgen dafür, dass sie optimal zueinander passen. Die Randstad Business School bietet hierbei vielfältige Schulungs- und Trainingseinheiten weit über die klassische Einarbeitungszeit hinaus«, sagt Susanne Bube, Manager Randstad Business School. »So starten unsere neuen internen Mitarbeiter ab dem ersten Tag mit einem individuellen Qualifizierungsprogramm. Dieses garantiert, dass sie alle für ihre Aufgaben notwendigen fachlichen Fähigkeiten und die für den Vertrieb unverzichtbaren Kompetenzen erwerben und weiter ausbauen. Unser Ziel ist es, 80 Prozent unserer Führungsfunktionen durch interne Mitarbeiter zu besetzen.«
Auch schon während des Studiums bieten viele Personaldienstleister Einstiegsmöglichkeiten, zum Beispiel Manpower oder Adecco in Form von Praktika oder Abschlussarbeiten. Zudem ebnen Traineeprogramme den Weg ins Berufsleben. Hierbei werden Hochschulabsolventen gezielt auf Fach- und Führungsaufgaben vorbereitet. Und dann kann es mit der Karriere ganz schnell gehen: Felix Elfner etwa fing nach seinem BWL-Studium als Trainee bei Amadeus FiRe an, wechselte dann als Consultant in den Vertrieb und übernahm hier nach zwei Jahren als Managing Consultant Teamverantwortung. Heute ist er als Area Manager der Niederlassung Karlsruhe für ein gesamtes Vertriebsgebiet verantwortlich. »Durch den unmittelbaren Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen und Unternehmen steht immer wieder eine neue Herausforderung vor der Tür. Dadurch konnte ich mich sehr schnell persönlich weiterentwickeln. Über das Führungsnachwuchsprogramm erhielt ich durch Schulungen zusätzlich gezielte Förderung«, so Elfner. Amadeus FiRe bietet ebenfalls eine Palette an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, zum Beispiel an einer konzerneigenen Steuerfachschule. Diese Angebote können auch die Mitarbeiter der Kunden-Unternehmen nutzen. So bleiben alle mit ihrem Fachwissen auf dem neuesten Stand – Felix Elfner und seine Kollegen ebenso wie ihre erfolgreich vermittelten Kandidaten.





