Coworking spaces
Wie aus fremden Menschen plötzlich Kollegen und Ratgeber werden – Coworking in Nürnberg.
Da sitzt wieder einer! Laptop auf dem Schoß, Kopfhörer im Ohr und einen großen Kaffee in der Hand. In vielen Cafés der Stadt gehören sie zum Erscheinungsbild – Selbstständige, die aus dem Eremitentum des Home- Office ›geflüchtet‹ sind. Auch wenn diese Flucht ins Kaffeehaus eine gewisse Abwechslung bieten kann – neue, inspirierende Kontakte kommen selten zustande. Im Coworking Space in Nürnberg kann das nicht passieren. Seit Anfang Juni treffen sich hier Freiberufler und Projektgruppen, um nicht nur neben-, sondern auch miteinander zu arbeiten. Die Idee für einen Coworking Space entsprang nach einem Startup- Weekend, an dem sich viele Teams fanden, aber der Raum für weitere Treffen fehlte. »Nachdem wir festgestellt hatten, dass sich keiner für eine gemeinsame Anlaufstelle einsetzt, blieb uns nichts anderes übrig, als es selber zu machen «, sagt Stefan Probst, einer der Gründer des Spaces. Monatsabos gibt’s schon ab 99 Euro netto. Interessenten können vorab jederzeit kostenfrei ›reinschnuppern‹, auch um feststellen zu können, dass der Laden läuft – nicht nur, weil der Space Infrastruktur wie Netzwerk, Beamer und Besprechungszimmer zur Verfügung stellt, ein integriertes Café für Koffein sorgt oder der Flipper für Ausgleich. Er läuft, weil ein realer Austausch mit Menschen stattfindet, Hilfestellung bei einem Problem nicht erst nach halbstündigen Lauschens der Warteschleife zur Stelle ist – schließlich sitzt jemand, der helfen kann direkt am Nebentisch. »Coworking ist ein Offline-Netzwerk«, sagt Probst und fügt hinzu, dass der Space »eine Art Filter von Menschen beherbergt, die mehr von Unabhängigkeit, von Sinnhaftigkeit getrieben sind als von Entlohnung und Hierarchie.«
Den Großteil der Coworker machen Wissensarbeiter wie Web- und IT-affine Menschen aus, aber auch Journalisten, Grafiker und Juristen teilen sich das ›Büro‹ und ihre Ideen. Auch Unternehmen schicken zum Teil ganz bewusst ihre Mitarbeiter in den Space. ›Open innovation‹ lautet die Devise. »Unternehmen profitieren von dem Know-how anderer, Know-how, das kein einzelner mehr aufbringen kann. Demzufolge öffne ich meine Produkte zur Mitgestaltung und bekomme dafür Input zurück«, erklärt Stefan Peter Roos, Nutzer und Organisator der ersten Stunde. Einseitig ausgenutzt wird das nicht: »Damit katapultiert man sich selber raus«, erklärt Roos, der eine Online-Business-Consulting-Agentur betreut. Coworking bedeutet aber nicht, dass ein eigenständiges Arbeiten vor lauter ›Miteinanderworken‹ nicht möglich ist. Wenn der Nachbar die Kopfhörer im Ohr hat, heißt das schlichtweg: ›Do not disturb.‹ »Jeder findet hier seinen individuellen Modus«, erklärt Probst. Wie dieser Modus auch aussehen mag – Coworken spornt an, inspiriert und gibt gleichzeitig »ein Stück Vertrautheit«, fügt Probst hinzu. Weil wenn da einer sitzt, kennt man auf jeden Fall den Namen.




