Das Praktikumszeugnis: Formulierungstipps, Fallen & Fauxpas
Generell: Ein Praktikumszeugnis steht jedem zu – egal, wie lange das Praktikum gedauert hat. Darauf achten, dass es nicht allzu kurz ausfällt, mehr als zwei, drei Sätze sollten’s schon sein, aber nicht mehr als zwei DIN A4-Seiten! Und: Ein einwöchiges Praktikum mit einem zweiseitigen Zeugnis zu belegen, kommt auch ein bisschen lächerlich. Daher: Auf die Relation kommt’s an. Drin sein sollte: Einleitung (Beginn und Ende mit Datum), Beschreibung der Tätigkeit, Leistung, Lern- und Arbeitsbereitschaft, Lern- und Arbeitsbefähigung, Fachwissen, Lern- und Arbeitsweise, Lern- und Arbeitserfolg, herausragende Erfolge, zusammenfassendes Leistungsurteil, Verhalten zu Internen, Verhalten zu Externen, Sonstiges Verhalten, Ende (Beendigungsformel, Dankesformel).
Aufs »st« kommt’s an Die Formulierungen im Zeugnis entsprechen immer unseren altherkömmlichen Schulnoten von 1 bis 6. Dabei macht beispielsweise schon ein kleines »st« den Unterschied zwischen einer 1 und einer 2.
Ein Beispiel:
Note 1: »Er führte alle Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit aus.«
Note 2: »Er führte alle Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit aus.«
Note 3: »Er führte alle Aufgaben zu unserer vollen Zufriedenheit aus.«
Note 4: »Er führte alle Aufgaben zu unserer Zufriedenheit aus.«
»Beredtes Schweigen« und Konsorten Einfach weggeschwiegen wird eine zu erwartende Aussage bei der Leerstellentechnik (»Das Verhalten gegenüber Vorgesetzten war einwandfrei« –> Die Kollegen werden nicht erwähnt, zu denen warst du wohl weniger nett). Es gibt auch andere Formulierungsarten, die sich schön lesen, aber etwas weniger Schönes bedeuten. Dazu zählen die Negationstechnik (»die Einsatzbereitschaft gab keinen Anlass zu Beanstandungen« –> ist nicht gerade hervorzuheben), die Passivierungstechnik (»Ihr übertragene Aufgaben führte sie zielstrebig aus« –> die Eigeninitiative ließ zu wünschen übrig) und die Ausweichtechnik (Betonung von eher unwichtigen oder selbstverständlichen Punkten).
Zum Abschluss seien noch die Sätze erwähnt, die wunderbar klingen, dich aber in der Zeugnis-Übersetzung so richtig schlecht dastehen lassen. Diese so genannten ‘Geheimcodes’ sind zwar teilweise sogar gesetzlich verboten, werden aber doch immer wieder benutzt. Ein paar Beispiele: »Für die Belange der Belegschaft bewies er immer Einfühlungsvermögen.« Er suchte sexuelle Kontakte im Kollegenkreis. »Ihre umfangreiche Bildung machte sie zu einer gesuchten Gesprächspartnerin.« Sie führte lange Privatgespräche. »Wir lernten ihn als umgänglichen Kollegen kennen.« Er war unbeliebt. »Sie zeigte reges Interesse an ihrer Arbeit.« Sie hatte keinen Erfolg.
Infos: www.praktikumszeugnis.de und www.arbeitszeugnis.de



