Die Luftschloss-Architekten

'Bauhaus Luftfahrt' und das Flugzeug der Zukunft

Komfortablere Kabinen für eine alternde Gesellschaft in Europa, Stehplätze für eine anwachsende Menge reisebegeisterter Menschen in Asien. Beim ‘Bauhaus Luftfahrt’ dreht sich alles um Visionen: Hier tüfteln nicht nur Ingenieure am Flugzeug der Zukunft.


Das letzte Jahrzehnt bescherte der Luftfahrtindustrie nicht gerade rosige Zeiten: Die Geschehnisse rund um den 11. September 2001, die SARS-Pandemie, die Wirtschaftskrise und zuletzt die Aschewolke nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull – all das waren externe Schocks, unter denen die Branche besonders zu leiden hatte. Die drei in diesem Bereich namhaften Unternehmen EADS, Liebherr-Aerospace und MTU Aero Engines ließen sich davon nicht unterkriegen. Im Gegenteil: Zusammen mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium riefen sie im Jahr 2005 einen gemeinnützigen Verein ins Leben, dem sie den gehaltvollen Namen ‘Bauhaus Luftfahrt’ gaben. Damit gründeten sie eine international ausgerichtete Ideenschmiede, die seitdem eifrig Konzepte für die Mobilität im Allgemeinen und den Luftverkehr im Speziellen entwickelt.

Rund 25 Wissenschaftler aus unterschiedlichsten Disziplinen beschäftigen sich tagtäglich mit all dem, was das Flugzeug der Zukunft ausmachen könnte. Einer von ihnen ist Dr. Andreas Kuhlmann. Der promovierte Volkswirt leitet den Bereich ‘sozio-ökonomische und politische Zukunftstreiber der Luftfahrt’ und beschäftigt sich vorrangig mit den Rahmenbedingungen, welche die globale Gesellschaft der Luftfahrt-industrie derzeit setzt. »Solche gesellschaftlichen Megatrends sind beispielsweise die zunehmende Alterung der Bevölkerung, aber auch die weltweite Verstädterung oder die rasante Entwicklung der asiatischen Wachstumsregionen, für die das Luftverkehrs-Angebot nach heutigen Maßstäben langfristig nicht mehr ausreichen wird«, beschreibt Dr. Kuhlmann sein Themengebiet.

Mit Kapazitätsengpässen der Luftfahrtbranche beschäftigt sich auch die Promotion von Corin Gologan, der an der Technischen Universität München ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik absolviert hat und seit 2006 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bauhaus Luftfahrt tätig ist. »Das Problem bei den großen Flughäfen ist oft, dass man nicht einfach eine dritte oder vierte Start- und Landebahn anbauen kann, weil es an Platz fehlt oder der Widerstand der Anwohner zu hoch ist«, erklärt der 30-Jährige, der bereits seine Diplomarbeit am Bauhaus Luftfahrt verfasst hat. »Ich habe deshalb ein Flugzeugkonzept mit vier Antriebspropellern entworfen, die zum Beispiel beim Start eingeschaltet werden können, um die Maschine schneller in die Luft zu bekommen«. Andreas Kuhlmann betont, dass Lösungsansätze wie diese für die Weiterentwicklung der Luftfahrt essenziell sind: »Airports wie Frankfurt am Main, Paris-Charles de Gaulle oder London Heathrow sind eigentlich heute schon am Kapazitätslimit«, und fügt hinzu: »Wenn aber solche Flughäfen nicht weiter wachsen können, ist das ein Problem für das Geschäftsmodell der großen, netzbasierten Fluggesellschaften wie zum Beispiel der Lufthansa und damit auch ein Hemmnis für das Wachstum der kompletten Branche.«

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