Die UMC Potsdam (FH) im Porträt
Herr Dr. Braun, Sie sind Professor für Strategisches Management an der UMC Potsdam - University of Management and Communication (FH), unterrichten aber auch an staatlichen Hochschulen. Was zeichnet private Hochschulen im Vergleich zu staatlichen Bildungseinrichtungen aus?
Private Hochschulen müssen, um von ihren Studenten Geld verlangen zu können, ein astreines Produkt anbieten. Sie müssen sich also ins Zeug legen, um gute Bildung verkaufen zu können. Dementsprechend sollte man als Student erwarten, dass man an privaten Hochschulen besser studieren und mehr lernen kann, als das im Durchschnitt gesehen an staatlichen Hochschulen der Fall ist.
Wenn man sich den Zuwachs an privaten Hochschulen in den letzten Jahren so anschaut, könnte man ja meinen, dass sich diese Erwartung erfüllt hat...
Viele private Hochschulen haben tatsächlich bewiesen, dass es kein Geschwätz ist, dass man bei ihnen sehr gut studieren kann. Vor einigen Jahren war das noch nicht der Fall: Da hatten es die Privaten schwer, einen außergewöhnlich hohen Standard zu erreichen und diesen nach außen zu kommunizieren. Inzwischen aber ist vielen dieser Standard gelungen und sie haben in Bezug auf das Bildungsniveau die Nase vorn. Allerdings: Dadurch, dass die Privaten wie Pilze aus dem Boden sprießen, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass unter den ‘Pilzen’ auch ein paar schlechte dabei sind – dass also einzelne Anbieter eben nicht die versprochene Bildungsqualität liefern. Studenten sollten sich vor Aufnahme eines Studiums immer gut informieren, sich zum Beispiel die Kursgrößen und die generelle Lernatmosphäre ansehen.
Wie würden Sie denn die Lernatmosphäre an der UMC Potsdam (FH) beschreiben?
Die Lernatmosphäre ist sehr familiär. Bei 20 Leuten im Kurs kenne ich die Studenten schnell beim Namen. Und weil ich den gleichen Kurs in verschiedenen Fächern habe, die ich unterrichte, erlebe ich die Entwicklung jedes Einzelnen hautnah mit. Ähnlich wie in einer Familie, in der sich die Eltern über die Entwicklung ihrer Kinder Gedanken machen, sprechen wir dann auch unter Kollegen in der Kaffeepause über die einzelnen Studenten. Das ist ein großer Vorteil zu anderen, staatlichen Hochschulen. Dort hat man als Dozent leider oft nur eine gesichtslose Masse von Studenten vor Augen und keine konkreten Persönlichkeiten.
Wie gehen die Studenten unter sich mit dieser familiären Situation um?
Bei solch kleinen Kursgrößen interagieren die Studenten viel stärker, als sie das an einer größeren Hochschule tun würden. Diese Bedingungen sind aber, denke ich, nicht immer leicht, weil der Umgang miteinander emotional fordernder ist. Man kann sich hier also nicht nur besser vertragen, sondern auch viel besser streiten. Dieses Konfliktfeld ist aber aus Sicht der Hochschule sogar gewünscht, weil die Studenten dadurch fürs spätere Leben geschult werden. Sie lernen also, sich mit ihrer Meinung zu behaupten oder auch unterschiedliche Ansichten gütlich zusammenzuführen.
Welche Auswirkungen hat eine solche Atmosphäre auf die Vermittlung des Lernstoffs?
Ich habe natürlich viel mehr Möglichkeiten, auf ein didaktisches Instrumentarium zurückzugreifen: von Fallstudiendiskussionen über Rollenspiele bis hin zu Exkursionen und Unternehmenssimulationen. All diese Unterrichtsmethoden kann man nur in einer überschaubaren Gruppe anwenden.
Bei der Vermittlung von Managementwissen an der UMC Potsdam (FH) wird insbesondere den kommunikativen Fähigkeiten der Studenten eine große Bedeutung beigemessen. Warum ist das wichtig?
Ein simples Beispiel: In meinen Seminaren analysiere ich mit meinen Studenten manchmal die Krankenhausserie ‘Grey’s Anatomy’. Fragestellung ist hier: Würde der Patient überleben, wenn die behandelnden Ärzte nicht miteinander reden würden? Ähnliche Fragen sollten in Organisationen aller Art gestellt werden – vom Krankenhaus bis zum Schnellrestaurant. Etwa: Wie kommuniziert man effektiv, damit alle Beteiligten wissen, was zu tun ist und damit am Ende das jeweilige Ziel erreicht wird? Bei ‘Grey’s Anatomy’ ist die Handlung selbst verständlich nicht mit dem realen Krankenhausalltag zu vergleichen. In den Seminaren versuchen wir aber herauszufinden, wo der Drehbuchautor es sich möglicherweise zu einfach gemacht hat, was die Rettung des Patienten angeht. Wir zeigen also auf, worauf es bei der Kommunikation im wirklichen Unternehmensalltag ankommt. Den Stellenwert der kommunikativen Fähigkeiten belegen im Übrigen auch empirische Studien aus der Managementforschung: So verbringen Manager etwa 80 Prozent ihrer Arbeitszeit mit formaler und informaler Kommunikation, und dies tunlichst effektiv. Ein Manager, der hierzu nicht in der Lage ist, kann seiner Aufgabe nicht gerecht werden.
Inwiefern gelingt der UMC Potsdam (FH) die Verzahnung von Wissenschaft und Praxis?
Diese Verzahnung ist integraler Bestandteil des Studiums. Hierzu gehören etwa bei den Bachelor-Studiengängen zwei Projektstudien à drei Monate. Dabei lernen die Studenten den Arbeitsalltag in einem Unternehmen ihrer Wahl kennen und reflektieren ihre Erfahrungen auf Basis des Lehrstoffs in einer Seminararbeit. Zudem bieten wir so genannte Praxisprojekte an, bei denen Unternehmen an die Hochschule kommen und die Studenten in kleinen Teams mit einem bestimmten Projekt beauftragen, zum Beispiel mit der Erstellung eines Kommunikationskonzepts. Nach der Arbeitsphase werden die Ergebnisse präsentiert und es wird ermittelt, welches Team den Auftrag bekommen würde. Eine weitere Brücke zur Praxis schlägt die UMC Potsdam (FH) mit Vertretern aus der freien Wirtschaft, zum Beispiel Managern oder Agenturgrößen, die nicht nur Vorträge halten, sondern in den interaktiven Unterricht eingebunden sind.
Gibt es auch die Möglichkeit, ein Stipendium an der UMC Potsdam (FH) in Anspruch zu nehmen?
Bei einem Teil unserer Bachelor-Studiengänge vergeben wir ‘Halbstipendien’, bei denen die Hälfte der Studiengebühren übernommen wird. Studenten, die einen Master-Abschluss an der UMC Potsdam (FH) machen, sind häufig schon bei einem Arbeitgeber in Lohn und Brot, der sich an der Finanzierung des berufsbegleitenden Masters beteiligt.
In welchen Bereichen und mit welchen Aussichten steigen Ihre Studierende ins Berufsleben ein?
Uns ist es bisher zum Glück gelungen, keine Absolventen für die Generation Praktikum auszubilden. In der Regel entstehen sehr gute Kontakte zu zukünftigen Arbeitgebern im Rahmen des Projektstudiums. Dadurch sind alle Absolventen unserer bislang zwei Abschlussjahrgänge in einem Unternehmen untergekommen. Oder sie haben es durch ihren Abschluss in Potsdam geschafft, sich an anderen renommierten Ausbildungsstätten im Ausland erfolgreich für einen Master-Studiengang zu bewerben. Das ist dann auch für die UMC Potsdam (FH) eine gute Bestätigung.





