Hast du das Zeug fürs Ingenieurstudium?

In Mathe nur 'ne Drei

Holger Stegert

Diplom- Verwaltungswirt (FH), ist seit sechs Jahren hauptamtlicher Geschäftsführer der Fakultät für Elektrotechnik, Informationstechnik, Physik der TU Braunschweig und war zuvor 20 Jahre als Referent für die Universitätsleitung der TU Braunschweig tätig.

Kuschelig wird’s!

Abi nach zwölf Jahren und dann direkt ins Studium. In diesem und in den nächsten Jahren kommen noch die ›Doppelabijahrgänge‹ dazu, die für gemütliche Enge an den Unis und den Fachhochschulen sorgen werden. Aber zumindest muss man sich nicht davor fürchten, zu frieren – in überfüllten Hörsälen ist’s mukkelig warm. Dann lieber ‘nen dicken Pulli und ein bisschen Platz gefällig? In den MINT-Fächern wird es nicht überfüllt sein. Bleibt nur die Frage: Welches MINT-Fach soll’s werden? Und schaff ’ ich ein MINT-Fach, obwohl ich einen G8-Abschluss habe? MINT-Fächer lassen sich genau wie alle anderen Fächer auch nach zwölf Schuljahren studieren. Also vorweg: Keine Angst, die Unis und Fachhochschulen haben gelernt, mit Unwägbarkeiten umzugehen.

So viel Werbung für MINT – da muss doch was dran sein!

Wir studieren jetzt einfach alle MINT und schon ist der Nachwuchsmangel behoben – alles ›cremig‹! Aber wer will sich schon vorschreiben lassen, was er studieren soll? MINT? Ist es nötig, sich mit Mathe, Informatik, Naturwissenschaft, Technik (Ingenieurwissenschaft) als Studienfach zu beschäftigen? Objektiviert lautet die Antwort ›Ja‹, aber … denn so ganz allgemeingültig ist es nicht. Vor allem möglichst konkrete Prognosen werden bekanntlich besonders dann ungenau, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen. Mit der Unwägbarkeit der Zukunft umgehen – auch das wirst du lernen. Einige Tipps dafür: Jede Studienentscheidung – egal ob MINT oder nicht – bedeutet, sich mit dem gewählten Fach über mehrere Jahre intensiv auseinanderzusetzen. Und zwar weitgehend selbstständig, ohne große Vorgaben – das ist wahrscheinlich die eigentliche Herausforderung eines Studiums. Die Freiheit, sich für ein Studium oder eine Berufsausbildung außerhalb der Hochschule entscheiden zu können, ist ein Privileg. Dazu kommt noch die Freiheit, sich auch gegen etwas entscheiden zu dürfen. Wer darüber nachdenkt, wird sehr schnell begreifen, welch hohes Gut diese Freiheit ist. MINT-Absolventen werden in den kommenden Jahren dringend benötigt!

Ein Studium in einem MINT-Fach kann ›richtig‹ sein – muss es aber nicht!

Es gibt viele Stellen, die dir beratend zur Seite stehen. Dein Privileg der Auswahlfreiheit nutzen musst du allerdings selbst. Klug ist, Entscheidungen vorzubereiten. Sprich direkt mit den Vertretern deiner fachlichen Interessen an den Unis, du wirst dich wundern, wie einfach das ist. Zusätzlich kannst du die zahlreichen Berufseinsteigermessen nutzen. Ein wichtiger Indikator für die Wahl der richtigen Studienrichtung oder Ausbildung ist, wenn die eigenen Neigungen – das kann auch das Hobby sein – sich im Studienfach wiederfinden. Hilfreich ist auch, mit der Familie und mit Freunden zu sprechen. Ein Tipp: Wenn du nicht ganz sicher bist, habe Mut, etwas auszuprobieren. Du wirst sehr schnell merken, ob dir deine Orientierung liegt oder nicht. ›Fehl‹Orientierungen lassen sich korrigieren, wie immer gilt dabei: besser früh als spät. Auch diese Zeit prägt.

Wieso MINT wichtig ist:

Hattest du heute vom Wachwerden bis jetzt irgendetwas mit MINT-Inhalten zu tun? Nein? Einige Hinweise: Wecker, Licht, warmes Wasser, Handy, iPod, Notebook, Bus, Auto – in allen steckt MINT. Und nun denke dir alle diese schönen Annehmlichkeiten weg: kaum vorstellbar, oder? MINT-Fächer waren und sind für die Entwicklung der weltweiten Gesellschaft definitiv notwendig. Ziemlich philosophisch: Stimmt, und das ist zugleich ein Beleg für die Wichtigkeit der Philosophie und der Sozialwissenschaften und der Geisteswissenschaften und der Erziehungswissenschaften – und und und. MINT allein macht halt auch nicht glücklich.

MINT-Leute werden gebraucht

MINT-Fächer leiden unter akutem Fachkräftemangel, das ist bekannt. Zum Beispiel sind in der Elektroindustrie aktuell mehr als die Hälfte der Beschäftigten deutlich über 45 Jahre alt. Viele werden, wenn du mit dem Studium fertig bist, schon aus dem Berufsleben ausgeschieden sein. An sich kein Problem, aber es haben sich schon seit einigen Jahren viel zu wenige Leute für ein Studium der Elektro- und Informationstechnik entschieden – und das europaweit. Als Studienabsolvent hast du also beste Aussichten, auch sehr gut dotierte Posten zu erlangen. Bei den anderen MINT-Fächern verhält es sich übrigens ganz genauso: Die Aussichten sind sehr gut – ein Studienerfolg natürlich vorausgesetzt.

Ohne Mathe geht nichts

Zwingende Voraussetzung sind Mathe- und Physik- Leistungskurse, um MINT zu studieren, nicht. Natürlich sind sie hilfreich, daran ändert das ›Turbo- Abitur‹ nichts. In MINT-Fächern werden die notwendigen mathematischen und naturwissenschaftlichen Grundlagen vermittelt. Der Ablauf ist logisch, dennoch wundern sich viele Studierende, dass sie etwa Maschinenbau oder Chemie studieren und sich zunächst mit Mathematik befassen. In diesen Fächern gilt Mathe als ›Tool‹. Als Studiengegenstand findet Mathe im Mathestudium statt. Ob Tool oder Fachwissenschaft – die Inhalte werden gebraucht, also werden sie vermittelt. Schön, wenn du dich für ein MINT-Fach entscheidest, vorzugsweise – so viel Reklame sei erlaubt – für eines der Ingenieurwissenschaften. Wir freuen uns auf dich!

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