High-Tech-Produkte und Wachstum im Maschinenbau

Besser als erwartet

»20.000 Zigaretten in der Minute herzustellen und gleichzeitig einer Qualitätsprüfung zu unterziehen – das sind extreme Hochgeschwindigkeitsprozesse und absolute High Tech«, schwärmt der Maschinenbauingenieur Alexander Gansewig. Die Rede ist von den Zigarettenproduktionsmaschinen der Hauni Maschinenbau AG, die als weltweit führender Anbieter von Maschinen, Anlagen und Services für die internationale Tabakindustrie gilt. Für Hauni entwickelt Alexander Gansewig zum Beispiel Messer, mit denen die Zigaretten in den Maschinen geschnitten werden, Trommeln, auf denen sie vom einen Produktionsschritt zum nächsten befördert werden, oder andere Maschinenkomponenten zum Ansetzen des Filters an die Zigarette.

»Mir macht die Grundlagenforschung im Präzisionsmaschinenbau unheimlich viel Spaß«, berichtet Alexander Gansewig, der bis 2009 Maschinenbau an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg (HAW) studiert hat, bereits seine Diplomarbeit bei Hauni schrieb und dort im vergangenen Jahr als Entwicklungsingenieur eingestiegen ist. »Man bekommt eine Aufgabe gestellt und muss dieses Problem dann kreativ – allein oder im Team – mit Hilfe seines Wissens und seiner Fähigkeiten lösen. Das gefällt mir!« Da Hauni rund um den Globus Kunden mit seinen hochspezialisierten Maschinen beliefert, ist Alexander Gansewig auch schon in Singapur oder in der Türkei unterwegs gewesen, um in Feldtests eine von ihm mitentwickelte Maschinenkomponente live im Einsatz zu testen. »Der Maschinenbau ist eine hoch spannende, internationale Branche. Viele der internationalen Technologieführer sitzen dabei in Deutschland, so dass es für Absolventen tolle Möglichkeiten gibt«, weiß Gansewig.

Wie das Beispiel Hauni zeigt, ist der deutsche Maschinen- und Anlagenbau nach einem beispiellosen Einbruch im Jahre 2008 wieder auf seinen Wachstumskurs eingeschwenkt. Allein im laufenden Jahr wird die Maschinenproduktion um geschätzt 14 Prozent zunehmen, prognostiziert der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). »Gerade in der Krise hat sich gezeigt, dass die Branche im internationalen Wettbewerb sehr gut aufgestellt ist«, sagt Susanne Krebs, Referentin Volkswirtschaft und Statistik des VDMA. »Qualität, Zuverlässigkeit und Termintreue sind Tugenden, die nicht nur in guten Zeiten bei den Kunden gut ankommen.« Außerdem hätten sich grundlegende Trends nicht verändert, von denen die Branche profitiert. »Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau gehört zu den innovativsten Branchen der Welt«, weiß Susanne Krebs. »Ein wachsender Bedarf nach industriellen Erzeugnissen bei gleichzeitig immer höheren Anforderungen an den Umweltschutz und knapper werdenden Ressourcen sorgen dafür, dass die Menschen vor neuen, wachsenden Herausforderungen stehen, für deren lösung der Maschinenbau ganz entscheidende Impulse setzen kann und wird.«

Bei Hauni bestätigt man diesen Trend: »Neue Arbeitsfelder für Ingenieure werden sich immer wieder insbesondere in der Entwicklung ergeben, da wir die Technologieführerschaft halten und ausbauen wollen«, sagt Olaf Depka, Human Resources Manager der Hauni Maschinenbau AG. Vom Nachwuchs erwarte man Team- und Kommunikationsfähigkeit, die Fähigkeit, über das eigene Fachgebiet hinaus generalistisch zu denken sowie Fremdsprachen- und interkulturelle Kompetenz. »Auch Praxiserfahrung, zum Beispiel durch eine abgeschlossene Berufsausbildung, Praktika oder Projektarbeiten ist uns wichtig«, sagt Hauni-Personaler Depka.

Ingenieure im Maschinenbau sind seltener als früher einer Unternehmensabteilung zugeordnet und immer häufiger in wechselnde Projektarbeit einbezogen. Beim Engineering- Dienstleister Ferchau in Bremen ist zum Beispiel Moritz Meiser als Projektingenieur im Bereich Konstruktionstechnik tätig. Ferchau Engineering beschäftigte 2010 mehr als 4.100 Ingenieure, IT-Consultants, Techniker und Technische Zeichner. Bis zum Ende dieses Jahres sollen es 4.700, also rund 600 Mitarbeiter mehr werden. Nach seinem Maschinenbau- Studium an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven hat sich der 26-jährige Meiser bei seinem Arbeitgeber auf die luftfahrt spezialisiert. »Ich betreue Großkomponenten für Werkzeugmaschinen im Flugzeugbau oder entwickle spezielle Aufsätze für lkw-Anhänger, mit denen überdimensionale Flugzeugbauteile über den Straßenweg zur Fertigung transportiert werden müssen«, berichtet Meiser. »In der Regel heißt es: Hier ist das Problem, du hast freie Bahn, mach was draus. Das ist unglaublich motivierend!«

Susanne Krebs bestätigt den Trend zur Projektarbeit: »Dadurch spielen Soft Skills im Maschinenbau heute eine sehr große Rolle«, sagt die VDMA-Referentin. »Die starke Kundenorientierung der Branche und die Verbreitung von Projektarbeit erfordern Team- und Kommunikationsfähigkeit sowie Flexibilität.« Wegen der hohen Bedeutung des Auslandsgeschäfts seien außerdem Fremdsprachenkenntnisse vonnöten. Studierenden rät Ferchau-Projektingenieur Moritz Meiser, sich nicht durch ›Praxisdürreperioden‹ an den Hochschulen einschüchtern zu lassen. »Macht viele Praktika bei Engineering-Unternehmen und holt euch dort die Motivation für den späteren Beruf«, sagt Meiser und erhält dafür Unterstützung von VDMA-Expertin Susanne Krebs: »Um eine gewisse Berufsfähigkeit zu erlangen, sollte man jede Gelegenheit nutzen, mit der Praxis in Berührung zu kommen sowie auch entsprechende anwendungsorientierte Angebote der Hochschulen wahrnehmen.«

Eine ganz andere Fachrichtung hat Ulrich Schweitzer gewählt. Für den 35-jährigen Entwicklungsingenieur stand schon zu Beginn seines Studiums der Elektro- und Informationstechnik in Stuttgart fest, dass er in die Solarenergiebranche einsteigen will. »Ich halte die Solartechnik für eine sinnvolle Form der Energiegewinnung und hatte schon immer den Wunsch, hautnah bei der Entwicklung der Solarzelle mit dabei zu sein«, berichtet Schweitzer, der heute als Senior Entwickler Messtechnik bei der Manz AG in Reutlingen beschäftigt ist. Der Mittelständler hat sich als Anbieter integrierter Produktionslinien für kristalline Solarzellen und Dünnschicht-Solarmodule sowie für die Herstellung von Flachbildschirmen einen weltweiten Namen gemacht. Ein neues Geschäftsfeld ist die Entwicklung und Fertigung von Produktionssystemen für lithium-Ionen-Batterien.

Ulrich Schweitzer ist bei Manz für die Entwicklung unterschiedlicher Messsysteme verantwortlich. »Dabei geht es um die Inspektion der Solarzellen während des Produktionsprozesses«, erklärt Schweitzer. »Unsere Messgeräte testen beispielsweise, ob unsere Maschinen die Metallkontakte zur Stromableitung korrekt auf die Solarzellen drucken.« Andernfalls könne es zu sogenannten ›Hot Spots‹ kommen – punktuelle Temperaturerhöhungen, die die Solarzellen aus Silizium beschädigen. An seiner Arbeit fasziniert Ulrich Schweitzer der hohe Grad der Automatisierungstechnik und die Schnelligkeit der Robotersysteme. »Aus meiner Erfahrung kann ich bestätigen: Als Entwicklungsingenieur im Maschinenbau lernt man jeden Tag etwas Neues hinzu!«

RedakteurIn
Florian Vollmers
Tel.: 0911-23779-0

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