In der Nanotechnologie wachsen Kleine über sich hinaus

Völliges Ungleichgewicht

Klitzeklein ist alles in der Nanotechnologie. Fast alles: Denn deine Karrierechancen sind riesengroß

 

Die Nanotechnologie ist ein relativ junges Technologiefeld. Sie gilt als eines der chancenreichsten Forschungsund Anwendungsgebiete der Welt und wird gebraucht für so unterschiedliche Branchen wie Medizin, Umwelttechnik, Auto und Energie. Laut nano.DE-Report 2009 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gibt es momentan etwa 60.000 Beschäftigte in der Nanotechnologie – Tendenz steigend. In den nächsten fünf Jahren wird mit circa 15.000 neuen Arbeitsplätzen gerechnet. »Bereits heute sind rund 900 Unternehmen in Deutschland mit der Entwicklung, Anwendung und Vermarktung nanotechnologischer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen befasst«, weiß Dr. Wolfgang Luther vom VDI Technologiezentrum. »Dazu gehören weltweit ausgerichtete Unternehmen mit guten Aufstiegsmöglichkeiten.« Und sein Kollege Dr. Waldemar Baron fügt hinzu: »Absehbar ist, dass in Zukunft deutlich mehr Beschäftigte mit nanotechnologischen Methoden arbeiten werden. Erste Erfahrungen zeigen, dass ein Studium mit Schwerpunkt Nanotechnologie zu einem schnellen Übergang in eine berufliche Tätigkeit führt. Nanotechnologie lässt gute Berufsaussichten für diejenigen erwarten, die sich schon heute den Herausforderungen von morgen stellen.«

»2011 haben wir 30 bis 40 Naturwissenschaftler, vorrangig aus den Bereichen Physik, Chemie, Elektrotechnik und Materialwissenschaften, gesucht«, sagt Julia Bangert, Personalberaterin Aus- und Weiterbildung bei der Osram Opto Semiconductors GmbH. Diese ist eine Tochtergesellschaft von Osram und bietet »Lösungen in den Bereichen Beleuchtung, Sensorik und Visualisierung, die auf Halbleitertechnologie basieren«. Der Firmensitz ist in Regensburg. Weltweit arbeiten rund 6.000 Mitarbeiter im Unternehmen, in Regensburg etwa 1.800. »Da unser Unternehmen international aufgestellt ist und standortübergreifend in Teams gearbeitet wird, sind uns Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit und sehr gute Englischkenntnisse wichtig – ergänzend zu überdurchschnittlichen Studienleistungen«, so Julia Bangert. Dafür erwarte die Einsteiger ein interessanter Tätigkeitsbereich. »Wir sind der größte Opto-Halbleiterhersteller in Europa und die Nummer drei in der Welt. Mit unseren Technologien und Produkten setzen wir Standards für die Industrie und auch für den Endkunden.«

Désirée Queren arbeitet seit 2006 bei Osram Opto Semiconductors. Ende 2010 hat sie für ihre Arbeit zu grünen Laserdioden zusammen mit ihren Kollegen den Beckurts- Preis der Karl Heinz Beckurts-Stiftung erhalten. Die 29-Jährige ist Prozessingenieurin in der Opto-Chipfertigung, im Bereich Epitaxie. »Wir stellen die LED-Struktur durch Abscheideverfahren direkt auf dem Substrat her«, erklärt die Werkstoffwissenschaftlerin. Sie ist dafür verantwortlich, dass die Prozesse auch stabil laufen und die Qualität stimmt. Dafür sitzt sie natürlich am Rechner, um die Daten zu kontrollieren, ist aber auch im Reinraum für die Kontrolle der Scheiben zuständig. »Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich «, findet Désirée Queren. »Es ist wichtig, dass man strukturiert und analytisch arbeitet. Man sollte zudem Organisationstalent besitzen und flexibel sein. Und natürlich Begeisterung für Physik haben.« Die Prozessingenieurin wusste bereits am Ende ihrer Schulzeit, »dass ich Werkstoffwissenschaften studieren wollte«. Während des Studiums faszinierten sie dann immer mehr die kristallinen Materialien: »Ich finde es wirklich immer noch unglaublich, dass wir mit wenigen Nanometern Licht erzeugen können. Es ist winzig klein, was wir herstellen – aber es macht verdammt viel Licht!«

Der promovierte Physiker Dr. Till Hagedorn arbeitet bei der Omicron NanoTechnology GmbH im Bereich Sales. Das hat einen guten Grund: »Omicron stellt Rastertunnelmikroskope, Rastersondenmikroskope und Systeme für Elektronenspektroskopie im Ultrahochvakuum her. All diese Systeme sind extrem komplex, sie werden fast ausschließlich in Universitäten eingesetzt, um Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Materialforschung zu betreiben. Unsere Kunden sind Physiker, Materialforscher und Chemiker. Aus diesem Grund sind bei Omicron auch im Bereich Sales nur Physiker und Chemiker beschäftigt.« Omicron, ein mittelständisches Unternehmen mit etwa 200 Mitarbeitern, hat seinen Hauptsitz in Taunusstein bei Wiesbaden. Till Hagedorn ist dort seit Anfang des Jahres beschäftigt. Vorher hat der 33-Jährige seine Promotion in Physik in Montreal, Kanada, abgeschlossen. In seiner jetzigen Position steht er, wie Salesmitarbeiter in anderen Branchen auch, im Kundenkontakt. »Außerdem erarbeite ich Anlagenkonzepte, die auf die Anforderungen der Kunden zugeschnitten sind.« Wichtig für seine Arbeit seien »Spaß an komplexer Messtechnik und deren physikalischen Grundlagen, Lust auf Menschen, Offenheit, Selbstständigkeit und Interesse an gutem Teamwork«.

»Omicron NanoTechnology sucht typischerweise Physiker und Chemiker«, erläutert Dr. Markus Maier, Vice President Sales/Marketing/Product Management. Dabei ließe sich jedoch nicht sagen, wie viele Neueinsteiger insgesamt dieses Jahr noch gebraucht und eingestellt würden. »Bei uns werden individuelle Aufgaben individuell besetzt. Deswegen lohnt sich immer wieder der Blick auf die Jobbörse auf unserer Website. Ein Bewerber sollte Neugier, Interesse und natürlich einen gewissen Background in einem unserer Produktbereiche oder in der Oberflächenanalyse mitbringen «, so der Personalverantwortliche. Was die Zukunft der Nanotechnologie angeht, ist Markus Maier sehr zuversichtlich und sich sicher: »Mikro- und Nanotechnik werden weiter sehr gut prosperieren. Das hängt zum Beispiel damit zusammen, dass man in den nächsten Jahren verstärkt in den Bereichen Materialeigenschaften forschen wird, um Ersatzlösungen für die sich verknappenden Rohstoffkapazitäten und den steigenden Energiebedarf zu finden. Das wird ein Markt, den noch niemand in seiner Dimension abschätzen kann.«

Diese positive Meinung zum weiteren Bedarf an Nanotechnologie teilt auch Julia Bangert von Osram Opto Semiconductors: »Marktforschungsunternehmen weltweit sagen den Märkten in den photonikorientierten Bereichen weiterhin ein zweistelliges Wachstum voraus. Deutschland ist mit seiner Forschungs- und Unternehmenslandschaft international gut aufgestellt und bietet auch weiterhin attraktive Jobmöglichkeiten.«


Klicktipps

www.nano-bildungslandschaften.de 

www.nano-map.de 

bildung-beruf.nanonet.de 

www.nanotruck.de 

www.omicron.de 

www.osram-os.com 

www.bmbf.de/de/nanotechnologie

RedakteurIn
Katina Treese
Tel.: 0911-23779-0


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