Interview mit Regine Siemann von der Tognum AG
Vorzüge der Bodenseeregion und große Augen beim Anblick großer Motoren: Regine Siemann, Head of Global Employer Branding bei der Tognum AG, im Interview
Frau Siemann, Sie kommen gerade von der Formula Student Germany (FSG). Sind Sie noch heiser?
Oh ja, das bin ich! Wie jedes Jahr nach einigen Tagen, in denen man sich rund um die Uhr zwischen 2.000 Studenten und lauten Motoren bewegt, ist das auch kein Wunder.
Wie unterstützt Tognum die FSG?
Wir sponsern den Event als eines von 16 Unternehmen. Tognum unterstützt zudem mehrere Racing Teams als Premiumsponsor und wir haben in diesem Jahr erstmalig den Sonderpreis ›Most Innovative Powertrain‹ ausgelobt.
Ingenieure welcher Fachrichtungen suchen Sie fernab der FSG im Alltag? Vorrangig Maschinenbauer, Elektro- und Wirtschaftsingenieure.
Auf welche Qualifikationen achten Sie dabei?
Neben einem guten Studienabschluss und qualifizierten Praktika sollten Bewerber Aufgaben am liebsten im Team lösen wollen, breit gefächerte Aufgaben mit viel Verantwortungsspielraum bevorzugen und die Leidenschaft für Technik mitbringen. Ich sage dann immer, sie sollten Sternchen in den Augen haben, wenn sie vor einem unserer Großmotoren stehen.
Welche Einstiegsmöglichkeiten haben Studenten und Absolventen?
Wir bieten rund 150 Absolventen jedes Jahr den Direkteinstieg in verschiedene Bereiche an und einmal im Jahr beginnt unser internationales Traineeprogramm. Hier startet dieses Jahr übrigens unter anderen ein Teilnehmer der letztjährigen FSG im Bereich Gasmotorenentwicklung, mit dem sich unser Chief Technology Officer Dr. Dohle damals für ein Video über die FSG, das auch auf unserer Homepage zu sehen ist, im fachlichen Austausch befand.
Studierende haben ansonsten die Möglichkeit, Praktika im In- und Ausland, Werkstudium und Abschlussarbeiten zu absolvieren. Wir bieten etwa 60 Auslandspraktika an, es locken so schöne Standorte wie Singapur, Kapstadt, Detroit oder Sydney. Der einstieg ist die eine Sache, die Karriereleiter dann eine andere. Da unterscheiden wir drei laufbahnmodelle: die klassische Führungslaufbahn, eine Karriere als Spezialist und als Projektmanager. Die beiden letzteren sind der Führungslaufbahn völlig gleichgestellt. Das ist eine individuellere Geschichte, denn nicht jeder versteht unter ›Karriere machen‹ ein Team oder eine Abteilung zu führen, denn es gibt ja auch hochgradige Spezialisten im technischen Bereich und die haben auf diese Weise alle Chancen, finanziell gleich gestellt zu sein zu jemandem, der Personalverantwortung hat.
Kommen wir mal zu ein paar Themen, die Studenten bei der Suche nach einem Arbeitgeber sehr wichtig sind, und beginnen mit Work-life-Balance.
Ich mache mein ganzes Leben lang Recruiting und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass Work-life-Balance immer wichtiger wird für Bewerber. Im ersten ›War of Talents‹ Ende der 1990er wurden ganz andere Fragen ans Unternehmen gestellt. Damals waren Bewerber ganz heiß auf 70-Stunden-Woche und meinten, wer braucht schon eine eigene Wohnung, wenn es doch Hotels gibt. Wir haben die 35-Stunden-Woche, sind tarifgebunden und haben flexible Arbeitszeitmodelle.
Nächstes Thema: Nachhaltigkeit.
Danach fragen Bewerber seit einigen Jahren vermehrt. Umweltschutz gehört zu den wesentlichen Unternehmenszielen der Tognum-Gruppe. Wir sind überzeugt, dass soziale Verantwortung ein wichtiger Faktor für den langfristigen Erfolg des Unternehmens ist. Für uns bedeutet wirtschaftliches, ökologisches und sozial verantwortliches Handeln die Sicherung der Zukunftskompetenz und Innovationsfähigkeit auf Basis ökonomischen Erfolgs. Auch über die gesetzlichen Pflichten hinaus unterstützt Tognum eine nachhaltige Entwicklung im sozialen und ökologischen Bereich.
Sie sind seit vielen Jahren im Personalmarketing und haben veränderte Themen bei den Bewerbern angesprochen. Welche Themen sind das?
Zwei Kardinalthemen haben wir schon angesprochen: Nachhaltigkeit und Work-life- Balance. Soziale Verantwortung und soziale Leistungen spielen ebenso eine viel größere Rolle als vor zehn Jahren.
Eben Kardinalthemen, zum Abschluss jetzt die Frage nach Kardinalfehlern im Vorstellungsgespräch.
Nicht authentisch zu sein – das gilt für beide Seiten. Für Unternehmen ist es ein Sakrileg, einen Bewerber nicht ehrlich zu informieren, denn auch für den Bewerber geht es darum, das für ihn richtige Unternehmen mit den richtigen Aufgaben und Entwicklungsmöglichkeiten zu finden.
Ehrlich zu informieren heißt, dem Bewerber zu sagen, was ihm im Unternehmen und im Umfeld erwartet. Und dann sage ich ganz klar, wer viele Freizeitmöglichkeiten wie vorhin aufgezählt haben möchte, wird sich in der Bodenseeregion wohlfühlen. Wer lieber Kultur im ursprünglichen Sinne sucht, hat hier nicht das große Angebot. Ehrlichkeit – das ist das Geheimnis.





