Leitartikel: Forschung & Entwicklung
Die Forschung wurde Markus Fischer gleichsam in die Wiege gelegt: Sein Vater war Chemielehrer und hat seinem Sohn schon im frühen Kindesalter im Keller des Familienhauses ein kleines Chemielabor eingerichtet. »Dort habe ich spielerisch die Freude am Forschen gelernt«, erzählt der heute 32-Jährige. »Und ich kann mich immer noch dafür begeistern, etwas Neues zu entdecken.« Dass Markus Fischer heute als Laborleiter bei dem Hochtechnologieunternehmen Merck arbeitet, scheint bei dieser Biografie fast schon eine logische Konsequenz zu sein. »Ich arbeite an der Schnittstelle zwischen Labor und Produktion und sorge dafür, eine chemische Reaktion in den großtechnischen Maßstab zu überführen«, erklärt Markus Fischer. Am Ende dieses als ›Upscaling‹ bezeichneten Prozesses stehen Flüssigkristalle, die in den Displays von Notebooks, Mobiltelefonen oder Flachbildfernsehern zum Einsatz kommen.
Forscher wie Merck-Laborleiter Markus Fischer gelten als die Edelsteine in den Bergwerken des Personalstandortes Deutschland: Es gibt sie extrem selten und sie sind enorm viel wert. Denn um international wettbewerbsfähig zu bleiben, will Deutschland in Zukunft vor allem auf sein Potenzial als Standort für hochwertige Forschung und Entwicklung setzen. Und kompetentes Personal wie Markus Fischer spielt bei dieser Strategie eine Schlüsselrolle.
Die Strategie ›Europa 2020‹ Doch dieses Ziel ist nicht neu: Bereits im März des Jahres 2000 war Deutschland maßgeblich an der Verabschiedung der Lissabon-Agenda beteiligt, die für EU-Staaten die Latte sehr hoch legte. Bis zum Jahr 2010 sollten alle Mitgliedsländer ihre Aufwendungen für Forschung und Entwicklung (F&E) auf drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) steigern. Das Ziel wurde mehr oder weniger krachend verfehlt – zumindest für Deutschland, das als eines der technologieführenden Länder seinen Anteil der Ausgaben von Staat und Wirtschaft für Forschung und Entwicklung gerade einmal auf circa 2,78 Prozent des BIP steigern konnte. Ein neu gestecktes Ziel musste her: Im Juni 2010 wurde also die Strategie ›Europa 2020‹ vom Europäischen Rat verabschiedet, die als Nachfolger des Lissabon-Vertrages erneut eine Steigerung der F&E-Ausgaben auf drei Prozent des BIP festlegte – diesmal jedoch bis zum Jahr 2020. Ob das Erreichen dieses Ziels realistisch ist, wollte das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) auf audimax-Anfrage nicht kommentieren.
Obwohl sich Deutschland gern die Pole Position als führender F&E-Standort auf die Fahnen schreibt, spricht die Statistik andere Worte: Japan, Finnland, Schweden, die Schweiz, Dänemark und die USA – all diese Länder liegen in den internationalen F&E-Rankings meist vor Deutschland. Während nach Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Unternehmen in Japan noch im Jahr 2009 zum Beispiel rund 2,7 Prozent des BIP in die Forschung und Entwicklung steckten, waren es in Deutschland nur 1,8 Prozent. Auch wenn man die weltweiten Forschungsaktivitäten der Großunternehmen betrachtet, so lagen die deutschen Unternehmen mit 3,5 Prozent F&E-Ausgaben in Relation zum Umsatz weit hinter Konkurrenten aus Dänemark, Finnland, den Niederlanden und Schweden mit jeweils fünf Prozent, den US-Unternehmen mit 4,8 Prozent sowie den japanischen Konzernen mit 3,9 Prozent.
Der deutsche F&E-Standort im Jahr 2011 Mittlerweile scheint zumindest der Wille da zu sein: »Die deutschen Unternehmen werden in diesem Jahr deutlich mehr für Forschung und Entwicklung ausgeben als im Jahr 2010«, lautet das Ergebnis einer Befragung des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Drei Viertel wollen danach bis Ende 2011 ihre F&E-Aufwendungen steigern, ein Drittel der befragten Unternehmen sogar ›deutlich‹, heißt es in der Studie. Im Jahr 2010 stiegen die F&E-Aufwendungen der Wirtschaft laut Stifterverband um 4,4 Prozent auf 58,4 Milliarden Euro. Einen vergleichbaren Zuwachs erwartet der Stifterverband nun auch für 2011. »Die Unternehmen blicken optimistisch in die Zukunft«, sagt Andreas Kladroba, Geschäftsführer der Stifterverband-Wissenschaftsstatistik. »Die deutsche Wirtschaft hat die Krise gut überstanden und befindet sich wieder auf einem stabilen Aufwärtspfad«, schätzt Kladroba.








