Master + Berufspraxis = Karriere

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Die Einführung von Bachelor und Master als Standardabschlüsse an deutschen Hochschulen hatte etwas von einem Kochexperiment, wie es täglich in Studenten- WGs stattfindet: Wir schmeißen einfach alles, was wir an Zutaten herumliegen haben, in den großen Topf, rühren kräftig um und schauen mal, was dabei rauskommt. Das Problem: Im Gegensatz zu Studenten-WGs konnte im Zuge der Bolognareform bei Misslingen des Experiments nicht einfach der Pizzamann angerufen werden, um die Situation zu retten.

So richtig misslungen ist das Experiment ›einheitlicher europäischer Hochschulraum‹ zwar nicht, aber – und das ist in Studentenküchen nicht anders – so richtig gar ist das Produkt auch noch nicht. Was im Kochtopf nicht geklappt hat, muss nun auf dem Teller geschehen: Nachwürzen. Viele Unternehmen haben bereits frühzeitig auf den Umstand reagiert, dass Hochschulabsolventen mit erstem akademischen Abschluss zunehmend jünger sind und sich dadurch Teile der Ausbildung von den Hochschulen in die Unternehmen verlagern.

Ganz praktisch sieht das dann so aus: Die Grundsituation ist für beide Seiten unbefriedigend. Bachelorabsolventen würden sich gern vertieft in Masterstudiengängen weiterbilden – nach neuesten Umfragen streben immerhin 55 Prozent der Bachelorstudenten einen Masterabschluss an. Um diesen beginnen zu können, ist oftmals aber Berufspraxis vonnöten. Die Unternehmen wiederum sehen die Notwendigkeit, ihre Bacheloreinsteiger weiterzubilden und wollen diese natürlich langfristig ans Unternehmen binden. Würden diese aber nach zwei, drei Jahren Berufserfahrung zurück zur Hochschule wechseln, um dort zu ›mastern‹, könnten High Potentials verloren gehen.

Immer mehr Unternehmen reagieren mit berufsbegleitenden Masterprogrammen auf diese Situation, die meist blockweise absolviert werden. Auf Phasen an der Hochschule folgen Arbeitsabschnitte im Unternehmen. Im Zeitraum des gesamten Studiums, dessen komplette Gebühren in aller Regel vom Arbeitgeber getragen werden, bleibt der Masterstudent auch angestellt und somit finanziell abgesichert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Studenten können sich finanziell unbeschwert weiterbilden und dabei das in der Theorie erlernte in der nächsten Blockphase beim Arbeitgeber gleich praktisch anwenden, die Unternehmen wiederum sind in der Lage, High Potentials nicht nur zu binden, sondern gezielt weiterzuentwickeln.

Zu den ersten Unternehmen, die Notwendigkeit und Potenzial von Masterprogrammen erkannt haben, gehören die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wie Ernst & Young. »Wir bieten im Bereich Wirtschaftsprüfung das Masterprogramm ›AuditXcellence‹, das mit dem ›Master of Accounting‹ abschließt sowie im Bereich Steuerberatung den ›Master of Taxation‹ an«, erklärt Marcus K. Reif, Head of Recruitment & Employer Branding GSA. Ernst & Young pflegt vielfältige Kontakte zu Partneruniversitäten, an denen die Teilnehmer ihre Studienphasen absolvieren, wie etwa der Mannheim Business School, der Leuphana Universität Lüneburg, der Hochschule Mainz und der Frankfurt School of Finance and Management. »Neben der Erstattung von anfallenden Reisekosten erhalten die Teilnehmer eine zeitliche Unterstützung durch einen befristeten Teilzeitvertrag für die Dauer des Studiums. Zudem werden sie für die Studienphasen und Klausuren freigestellt und können an zahlreichen internen Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen«, führt Reif aus. Ausgelegt sind die Masterprogramme bei Ernst & Young für Beschäftigte, aber auch »externe Einsteiger können eine Zusage auf eine Nominierung für das Masterstudium bereits bei der Bewerbung anstreben«.

Zu den Vorreitern zählt ebenso IBM. Mit ›Master@IBM‹ bietet das IT- und Beratungsunternehmen Bachelorabsolventen nach ihrem Abschluss die Möglichkeit, einen Masterabschluss zu erwerben und parallel erste Berufserfahrungen zu sammeln. »Der Schwerpunkt liegt bei den Geschäftsbereichen im Vertrieb und in der Dienstleistungs- und Beratungssparte sowie im IT-Management, aber es werden in der Regel auch Masterstellen im Marketing und Finance ausgeschrieben«, berichtet Katerina Harley von IBM. Zusätzlich wird seit diesem Wintersemester in Kooperation mit der Hochschule Reutlingen der neu konzipierte Studiengang ›Master in Strategic Sales Management‹ angeboten. Auch IBM übernimmt die kompletten Studiengebühren und Reisekosten, zusätzlich steht jedem Studenten ein Studienreferent des Bereichs HR Hochschulprogramme als Coach zu Verfügung. »Es können sich alle Bachelorabsolventen mit überdurchschnittlich guten Noten bewerben, deren Bachelorabschluss nicht länger als sechs bis acht Monate zurückliegt. Die Bewerbungsphase beinhaltet eine schriftliche Bewerbung, ein Interview mit der Fachabteilung und ein Assessment«, erklärt Harley.

Ein Zwang, nach dem Master beim betreuenden Unternehmen zu bleiben, besteht für die Absolventen freilich nicht, doch die weiteren Karriere- (und natürlich auch Gehalts-) perspektiven sind mit dem Master in der Tasche sowohl auf dem unternehmensinternen als auch auf dem externen Arbeitsmarkt bedeutend besser als ohne Master – er ist sozusagen das Salz in der Suppe.

RedakteurIn
Thomas Günther
Tel.: 0911-23779-44

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