Ökologisches Bauen
Wind-, Wasserkraft- & Solaranlagen braucht das Land – Öko-Bau boomt.
Zum Beispiel Bremerhaven. Ein Ort also, der gemeinhin immer noch häufig mit wirtschaftlichem Niedergang, mit Arbeitslosigkeit auf Rekordniveau, einer gewissen Tristesse assoziiert wird. Doch in den letzten Jahren sind hier über 1.000 neue Jobs allein in der Windenergie-Branche entstanden. Und auch ein Konzern wie Areva, einst in Frankreich mit der Atomenergie groß geworden, hat hier investiert. Die Branche boomt, weniger an Land, dafür aber umso mehr auf dem Wasser. In der deutschen Offshore-Windwirtschaft arbeiten schon heute über 4.000 Beschäftigte, gemeinsam erwirtschaften sie einen Umsatz von über einer Milliarde Euro. Tendenz steigend: Areva Wind hat vor kurzem einen 400 Millionen schweren Auftrag für das derzeit größte Windpark-Projekt in der Deutschen Nordsee erhalten.
Deutschland ist nach Großbritannien der größte Markt für Offshore- Windenergie in Europa. Ende 2009 ging der erste
deutsche Offshorepark ans Netz. In der Branche ist die Rede von Wachstumsraten von 25 Prozent im Jahr, von jährlich 500 bis 800 Offshore-Windenergieanlagen in ganz Europa. Die Windenergie-Agentur in Bremerhaven geht davon aus, dass bis 2030 rund 25 Gigawatt Windenergie auf See installiert sind. All diese 150 Meter hohen Windräder müssen irgendwo zusammengebaut werden, bevor sie dann auf See installiert werden. In Bremerhaven planen sie dafür gerade ein neues Hafen-Terminal. Pro Jahr sollen dort 240 Anlagen verladen werden können.
Nicht zu Wasser, aber am Land ist Thies Müller im Bereich Windanlagenbau tätig. Als Site Manager bei Vestas Central Europe leitet er die Errichtung des weltweit ersten V112-Windparks im nordfriesischen Niebüll. Zu seinen Aufgaben gehören die Koordination des Transportes der Komponenten, die Errichtung der Service Monteure und die Inbetriebnahme der ingesamt fünf Windenergieanlagen. »Jeden Tag eine neue Herausforderung, die Zusammenarbeit mit den Kollegen weltweit und die technischen hochwertigen Windanlagen machen meinen Job einzigartig«, beschreibt der 32-Jährige.
Ähnlich wie Thies Müller arbeiten laut Bundesverband Windenergie (BWE) rund 100.000 Menschen in der Windenergiebranche. »Gefragt sind neben einer technischen Ausbildung zunehmend Sprachkenntnisse, da der Exportanteil in Zukunft eine wachsende Rolle einnehmen wird«, so der BWE. Auch bei Areva legt man Wert auf »sehr gute« Englischkenntnisse, gesucht werden derzeit vor allem Absolventen aus dem Bereich Maschinenbau und Bauingenieurwesen, die praktische Erfahrung und einschlägige Fachkenntnisse vorzuweisen haben.
Das Bundesumweltministerium geht davon aus, dass die Windenergie bis 2030 einen Anteil von 25 Prozent an der Stromversorgung haben kann, 15 Prozent auschließlich durch Windenergieanlagen auf dem Meer. Allein zwischen 2000 und 2005 hat die Jahreserzeugung aus erneuerbaren Energien das Pendant zu drei Atommeilern geschaffen. Nimmt man alle erneuerbaren Energien zusammen, so der BWE, so könnten Wasser-, Solar-, Wind- und Bioenergieanlagen im Verbund »problemlos« den deutschen Strombedarf sicherstellen.
Noch ist es aber nicht soweit. Solarstrom etwa hatte 2009 erstmals einen Anteil von mehr als einem Prozent am deutschen Stromverbrauch erzielt, nur 6,6 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien wurde 2009 von Photovoltaik-Anlagen eingespeist. Gleichwohl wurden 2009 fast 10 Milliarden Euro in neue Solaranlagen investiert, 80.000 Menschen arbeiten heute in dieser Branche, die 2009 fast 15.000 Unternehmen zählte, die zusammen 19 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten.





