Reise ins Morgen-Land

Die wichtigsten Forschungsthemen der Zukunft

Wie wird die Welt in zehn, 50 oder gar 100 Jahren aussehen? Diese Frage hat die Menschheit immer schon gefesselt und wird es auch in Zukunft tun. Beim Visionieren entstehen dabei gerne mal die wildestens Spekulationen: In den 1960er Jahren prophezeiten Forscher etwa für das Jahr 2000 fliegende Autos und schicke Wohnungen auf dem Mond. Und was ist davon eingetreten? Nichts. Doch das sollte Forscher nicht davon abhalten, ihren Job zu machen, denn Visionen sind wichtig. Welche Zukunftstechnologien großes Potenzial haben, hat die Fraunhofer-Gesellschaft untersucht. Diese betreffen folgende sechs Lebensbereiche:

GESUNDHEIT:
Durch den demografischen Wandel wird die Gesellschaft immer älter, mit der Konsequenz, dass wir auch länger arbeiten müssen. Die Leistungsfähigkeit der Menschen sowie eine finanzierbare Gesundheitsversorgung stehen so im Mittelpunkt. Das Stichwort ist ›Assisted Personal Health‹, also intelligente, assistierende Systeme, die bei der Gesundheitsvorsorge, Diagnostik und Pflege unterstützen. Ein Beispiel aus der Fraunhofer-Forschung ist der mobile Gesundheitsassistent ›senSAVE‹. Er überwacht die Herz-Kreislauf-Funktionen und ermöglicht bei Notfällen die Kommunikation mit medizinischem Fachpersonal.

UMWELT:
Experten sind sich einig: Der Kampf um sauberes Wasser wird sich global zu einer prägenden Herausforderung im 21. Jahrhundert entwickeln. Doch wie lässt sich der Wasserverbrauch nachhaltig senken, ohne dass man auf die Waschmaschine oder die tägliche Dusche verzichten muss? Verschiedene Möglichkeiten dazu demonstrieren Fraunhofer-Forscher am Beispiel des Neubaugebiets in Knittlingen bei Karlsruhe: ›DEUS 21‹ nennt sich das Projekt, das Ver- und Entsorgung sowie Aufbereitung, Reinigung und Verteilung des Wassers an einem Ort vereint.

ENERGIE:

Im Energiemix der Zukunft sind erneuerbare Energien aufgrund der Knappheit fossiler Kraftstoffe unverzichtbar. Jedoch sind diese nur schwer kalkulierbar. Fraunhofer-Wissenschaftler wollen die Lieferung von Windund Sonnenenergie planbar machen. Sie arbeiten an dezentralen Teilnetzen, welche die Stabilität des Gesamtnetzes steigern, sie nutzen neue Systeme für Schaltungen und stellen maßgeschneiderte Energiespeicher auf Basis der Lithium- Technologie her.

SICHERHEIT:
Sensoren sind der Schlüssel für die Zukunft. Sie sind winzig, robust, preiswert, überall einsetzbar und beziehen ihre Energie etwa aus Bewegung oder Licht. Weil Sensoren im Netzwerk autonom miteinander kommunizieren, gewinnen sie nicht nur wichtige Daten, sondern verbessern auch Reaktionsfähigkeit und Ausfallsicherheit. Sensoren werden zunehmend etwa in der Logistik und in der Produktionstechnik relevant. Das Marktpotenzial für Sensornetze in der Automatisierung schätzen Experten auf 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2010.

KOMMUNIKATION:

Wie ist es möglich, im Datendschungel den Durchblick über wichtige Informationen herauszufiltern? Abhilfe soll ›Visual Analytics‹ bieten. Die neue Disziplin verbindet die automatische Datenanalyse mit neuartigen Techniken zur Visualisierung. Der Rechner ist dabei zuständig für die sequenzielle Abarbeitung großer Datenmengen und deren Verwandlung in eine für den Menschen erfassbare optische Darstellung. Der Nutzer kann sich so auf das Erkennen von Mustern sowie auf die Bewertung der betrachteten Daten konzentrieren. Das erleichtert es ihm, schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen.

MOBILITÄT:

Bei den verheerenden Waldbränden 2007 in Griechenland schickten die EUNachbarstaaten Hilfe. Doch Feuerwehr und Krankenwagen kamen aufgrund von Kommunikationsmängeln oft nicht bis in die Einsatzgebiete. Damit sich solch ein Szenario nicht wiederholt, setzen Experten auf die gebietsübergreifende Verortung aller Einsatzkräfte mithilfe globaler Satellitennavigationssysteme (GNSS). Fraunhofer-Forscher bauen dazu im Galileo-Lab eine Entwicklungsplattform zur Herstellung durchgängiger Lokalisierungssysteme auf. Als Basis nutzen sie das Satellitennavigationssystem Galileo, das im Gegensatz zu GPS nicht militärischer Kontrolle unterliegt.

RedakteurIn
Julia Eggs
Tel.: 0911-23779-47

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