Status quo: Games-Industrie

Von einem Negativtrend weit entfernt


Nein, findet Olaf Wolters,Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware. Im Interview blickt er auf das erste Halbjahr 2010 zurück, prognostiziert die Zukunft und redet über Trends und Berufschancen in der Games-Branche.

Herr Wolters, wie hat sich die Gamesbranche im ersten Halbjahr 2010 entwickelt?

Die deutsche Gamesbranche hat sich im ersten Halbjahr leicht rückläufig entwickelt. Sowohl der Umsatz als auch die Zahl der verkauften Spiele gingen um vier Prozent zurück. Dennoch schreiben wir das drittbeste Halbjahr in der Geschichte der Games-Industrie in Deutschland. Nach zum Teil zweistelligen Wachstumsraten und einem Allzeithoch in 2008 hat der Markt in den ersten sechs Monaten einen Gang runter geschaltet – aufgrund des allgemeinen Wirtschaftsund Konsumklimas nicht weiter verwunderlich. Insgesamt kann man sagen, dass die Games-Industrie im Vergleich zu anderen Zweigen der Unterhaltungsindustrie gut durch die Krise gekommen ist.

Was sind die Ursachen für die leicht rückläufige Tendenz?
Wir sind zunächst einmal sehr gut in das Jahr gestartet, der Rückgang schlug erst im zweiten Quartal zu Buche, als uns die Fußball-Weltmeisterschaft und die Hitzewelle zu schaffen machten. Zwischen Public Viewing und Badesee haben selbst eingeschworene Gamer eine Spielpause eingelegt.

Darüber hinaus waren im ersten Halbjahr mit ›Call of Duty: Modern Warefare 2‹ oder ›Red Dead Redemption‹ zwar eine Reihe starker Titel am Start, viele Megaseller – und natürlich die neuen Steuerkonzepte für die Xbox sowie für die PlayStation – sind aber erst in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt gekommen.

Sehen Ihre Prognosen für das zweiten Halbjahr 2010 und das Jahr 2011 somit optimistischer aus?
Selten fanden sich so viele erfolgreiche Blockbuster in den Spiele-Charts wie in der zweiten Jahreshälfte 2010. Mit Erfolgstiteln wie ›Starcraft II: Wings of Liberty‹, dem neuen FIFA-Spiel, das schon in den ersten Verkaufstagen alle Rekorde gebrochen hat, oder ›Assassins Creed 2: Brotherhood‹ werden wir den Rückgang zu Beginn des Jahres gewiss wieder gut machen und insgesamt eine schwarze Null für das Jahr schreiben. Dazu beitragen werden auch die neuen Steuerungen von Sony und Microsoft, die vor allem den Absatz von Sport- und Bewegungsspielen ankurbeln werden. In 2011 werden wir dann wieder deutlich an Fahrt aufnehmen.

Auf welche Schritte muss sich die Branche besinnen, um in keinen dauerhaften Negativtrend zu geraten?
Von einem Negativtrend sind wir weit entfernt. In den letzten fünf Jahren hat die Gamesbranche weltweit eine Erfolgsgeschichte hingelegt und dabei die Kinokassen spielend überholt. Wir haben nicht alles, aber sicher vieles sehr richtig gemacht. Dennoch arbeiten wir in einer sehr schnelllebigen Branche, die vor allem von technischen Innovationen getrieben ist. Da zählt Kreativität, sowohl bei den technischen Neuerungen als auch bei den Spielideen sicherlich zu den wichtigsten Qualitäten. Und die Ideen gehen uns noch lange nicht aus.

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RedakteurIn
Thomas Günther
Tel.: 0911-23779-44

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