Studienhilfe: Richtig mit Leistungsdruck umgehen

Mach mal Ommmmmmmmm ...


Alle wollen was von dir: dein Studium, dein Schweinehund, Schreibtisch, Eltern und Freunde sowieso. Und du? Willst allem gerecht werden. Weg damit!

Permanenter Leistungsdruck, Zeitmangel und Stofffülle. Wer mit dem Studium beginnt, lernt gleich im ersten Semester das Fürchten. Von allen Seiten wird einem klar gemacht: »Wenn du es nicht in der vorgegebenen Zeit schaffst, fliegst du raus! Gerade in den ersten Semestern musst du alles geben! Wenn du nicht sehr gut bist, kommst du nicht weiter!«

Es sind diese Grundannahmen, die das Hamsterrad des atemlosen Turbostudiums antreiben. Wir haben mit älteren Studierenden, Mentoren und Studienberatern gesprochen und sie gefragt: »Muss das wirklich so sein?« und: »Welchen Rat geben Sie Erstsemestern mit auf den Weg?« Wir haben interessante Antworten erhalten:

So schnell fliegt niemand raus!
Der Zeitdruck ist da, das kann niemand bestreiten, aber er wird athmosphärisch verstärkt, wenn nicht sogar geschaffen. »Es wird viel Stress durch die Botschaft erzeugt: ›Wenn ihr das und das nicht macht, dann fliegt ihr raus!‹ Was nicht stimmt! Es ist hier bisher noch nie jemand rausgeflogen«, erläutert Holger Walther von der psychologischen Beratungsstelle der Berliner Humboldt-Universität. »Mit den schulischen Elementen der Bachelor-Studiengänge scheinen viele mental auch die repressiven Elemente der Schule mit ins Studium zu übernehmen, nicht nur die Studenten, auch Lehrende und Verwaltungsmitarbeiter.« Hinzu kommt ein gesellschaftliches Klima, das – vor dem Hintergrund von Wirtschaftskrise und Hartz IV – geprägt ist durch Ängste vor sozialem Abstieg auf der einen Seite und leistungs- und eliteorientierten Diskursen auf der anderen Seite. »Viele bringen die gesellschaftlich erzeugte Selbsterwartung mit: Nur wenn ich das oder das in der und der Zeit schaffe, bin ich was wert«, meint Florian Kaiser, Vorstandsmitglied des ›freiwilligen zusammenschlusses der studentInnenschaften‹. Conny Bredereck, studentische Mentorin an der Alice- Salomon-Hochschule in Berlin, rät: »Lasst euch nicht hetzen und unter Druck setzen! Wenn ihr arbeiten gehen müsst, um euer Studium zu finanzieren, dann braucht ihr eben drei Semester mehr. Was ist schlimm daran?«

Die Ansicht, die Vorgaben der Institute seien zwingend und unumgänglich, ist bei genauerem Hinsehen meistens falsch. Oft steht in der Studienordnung, dass das Studium in sechs Semestern abgeschlossen werden kann, das heißt aber nicht, dass es dann auch abgeschlossen sein muss. Selbst das BAföG wird unter bestimmten Bedingungen über die Regelförderzeit hinaus gezahlt, zum Beispiel bei Studienfachwechsel, Schwangerschaft oder Mitarbeit in einer Fachschaftsvertretung.

Tipp: Wie zwingend sind die Zeitvorgaben deiner Studienordnung? Was passiert, wenn du sie nicht einhalten kannst? Hol dir Rat bei Studienfachberatern, Tutoren und Mentoren. Außerdem kannst du konkrete Zeitprobleme mit deinen Dozenten besprechen. Eventuell ist es möglich, in besonderen Stressphasen längere Fristen für Hausarbeiten zu verhandeln.

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