"Top-Absolventen für uns gewinnen"

Interview mit einem Bayer-Vorstand



Herr Dr. Pott, wie haben sich in den letzten zwei, drei Jahren der Arbeitsmarkt und damit die Chancen für Hochschulabsolventen krisenbedingt verändert? 

Wir haben bei Bayer in den vergangenen Jahren auf konstant hohem Niveau eingestellt. Den rund 275 Hochschulabsolventen, die wir 2009 neu zu uns geholt haben, folgten im vergangenen Jahr erneut 320 junge Akademiker. Über 70 Prozent der Neueinstellungen haben übrigens einen technisch-naturwissenschaftlichem Hintergrund. Nachhaltige Personalpolitik ist also auch in Krisenzeiten wichtig – insofern gibt es bei uns keine nennenswerten Änderungen. Für uns als forschendes, innovatives Pharma- und Chemieunternehmen bedeutet das vor allem, unseren Führungskräftenachwuchs auch durch externe Einstellungen von hochqualifizierten und motivierten Absolventen zu vergrößern. Absolventen von natur-, ingenieur- und wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen sind bei Bayer besonders gefragt. 

Und wie hat sich die Bayer AG auf die Folgen der Krise hinsichtlich der Personalstrategie aufgestellt? 

Das Ziel unserer Personalstrategie ist unverändert, Top-Absolventen für das Unternehmen zu gewinnen, sie zu entwickeln und langfristig an Bayer zu binden. Nur so sichern wir unser innovatives Know-how und bleiben weltweit nachhaltig erfolgreich. Mit unseren Recruitingmaßnahmen und -programmen sind wir breit aufgestellt und sehr aktiv: So bieten wir jährlich rund 600 bis 700 Praktika an, davon etwa 100 Bachelor-, Master- oder Diplomandenstellen. Darüber hinaus unterhalten wir zahlreiche Kooperationen mit renommierten Hochschulen und internationalen Studentenorganisationen. Diese werden ab dem Sommersemester 2011 durch das neue Förderprogramm der Bayer Science & Education Foundation für spezielle Deutschlandstipendien weiter gestärkt. In diesem Rahmen wird die Bayer Stiftung in den kommenden fünf Jahren bundesweit an 23 Hochschulen 100 Deutschlandstipendien finanzieren.

Wie versuchen Sie, trotz des Fachkräftemangels talentierten Nachwuchs zu gewinnen und auszubilden? Bayer steht schon seit sehr vielen Jahren – und damit lange vor der aktuellen Diskussion – mit Schulen und Universitäten in Kontakt, um junge Menschen für die Naturwissenschaften zu begeistern. Beispielsweise unterstützt unser Unternehmen den naturwissenschaftlichen Unterricht im Umfeld der Bayer-Standorte mit jährlich rund 500.000 Euro. Um dem sich mittelfristig abzeichnenden Fachkräftemangel zu begegnen, bildet unser Unternehmen zudem im Rahmen der beruflichen Ausbildung über den eigenen Bedarf hinaus aus. Insgesamt qualifiziert Bayer in Deutschland rund 2.600 Jugendliche in insgesamt 20 überwiegend naturwissenschaftlich-technischen, aber auch kaufmännischen Berufen. Mit den Förderprogrammen unserer Bayer Science und Education Foundation unterstützen wir überdies junge Nachwuchswissenschaftler in den Disziplinen Naturwissenschaften und Medizin. 

Wo sehen Sie mögliche Ansatzpunkte, um den Fachkräftemangel langfristig zu beheben? 

Ich denke, hier bestehen verschiedene Möglichkeiten. Einerseits müssen wir die verborgenen Potenziale des hiesigen Arbeitsmarkts noch besser nutzen, etwa indem benachteiligte Gruppen wie Migranten konsequent gefördert werden. Andererseits brauchen wir bei Spitzenqualifikationen eine erleichterte Zuwanderung von ausländischen Fachleuten nach Deutschland.

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RedakteurIn
Thomas Günther
Tel.: 0911-23779-44

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