Eine 180-Grad-Wende vollzog Kirsten Brenner, als sich die studierte Betriebswirtin mit Bankenschwerpunkt nach ihrem Abschluss für den Masterstudiengang ‚Kulturwissenschaft und Kulturmanagement’ am Institut für Kulturmanagement der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg entschloss. Als Praktikantin in der Kulturstiftung der Deutschen Bank kam sie zum ersten Mal in Kontakt mit Kulturarbeit – und hat sofort Feuer gefangen.
Für Professor Armin Klein, Leiter des Instituts, ist das kein ungewöhnlicher Werdegang: »Bei uns bewerben sich gleichsam Wirtschafts- wie Kulturwissenschaftler. Hinzukommen noch die Verwaltungswissenschaftler und einige Juristen. Von jährlich etwa 100 Bewerbern können wir jedoch nur zwanzig Kandidaten aufnehmen.« Ein erlauchter Kreis von unterschiedlicher fachlicher Herkunft, der jedoch eines gemeinsam hat: die Liebe zur Kultur. »Ein Kulturmanager muss für irgendetwas brennen, sei es für Rockmusik oder Klassik, Bildende Kunst oder Tanz«, betont der Professor für Kulturwissenschaft und Kulturmanagement. Kirsten Brenner hat es die Oper angetan. Sie arbeitet im Büro der Intendanz der Staatsoper Stuttgart. Ihre Arbeit bringt sie treffend auf den Punkt: »Es ist die Stelle im Haus, an der alle Fäden zusammenlaufen, die der Dramaturgie und der Disposition, aber auch der Technik und der Verwaltung.«
Das ist es auch, was für Armin Klein einen guten Kulturmanager auszeichnet: »Er muss eine hohe soziale und ästhetische Kompetenz besitzen, d.h. er muss mit Künstlern umgehen können, aber gleichermaßen auch einen Blick aufs Publikum haben.« Und natürlich darf er die finanzielle Situation des Kulturbetriebs nicht außer Acht lassen. Als Bindeglied zwischen Kunst- und Kulturschaffenden, Geldgebern und dem Publikum versucht der Kulturmanager das Optimale für alle Seiten herauszuholen. Im ökonomischen Jargon heißt das: mit möglichst geringem Mitteleinsatz einen möglichst hohen Output erzielen. Dennoch steht im Kulturmanagement nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund, Controlling und Marketing im Unternehmen sind eben nicht dasselbe wie im Theater oder Museum. Hier geht es in erster Linie um inhaltliche Ziele. Wie diese aussehen können, lernen die angehenden Kulturmanager während ihres Masterstudiums. »Das können tolle Kritiken oder Einladungen zu großen Theatertreffen sein, aber auch, wie ich mein Publikum verändern kann«, erläutert der Professor für Kulturmanagement und unterstreicht: »Wir wollen unseren Studenten klar machen, dass es auch noch etwas anderes als Geld gibt.«
Seit 18 Jahren ist das Institut für Kulturmanagement in der Stadt des blühenden Barock darin sehr erfolgreich. Die noch junge wissenschaftliche Disziplin etablierte sich Ende der achtziger Jahre zunächst an vier deutschen Hochschulen in Hamburg, Ludwigsburg, Berlin und an der Fernuni Hagen. Mittlerweile hat sich das einstige Orchideenfach zum Renner unter den Studierenden entwickelt, über 60 Aus- und Weiterbildungsangebote gibt es derzeit. Deshalb rät der Experte: »Jeder sollte bei der Wahl des Aufbaustudiums darauf achten, dass es ein klares Konzept, kleine Klassen und erfahrene Dozenten gibt. Denn nicht überall wo Kulturmanagement drauf steht, ist auch Kulturmanagement drin.« Hat man sein Studium erfolgreich hinter sich gebracht, sehen die Berufsaussichten recht gut aus, so Professor Klein. Zwar stünden am Anfang der Karriereleiter meist zwei bis drei befristete Arbeitsverträge, bevor der Kulturmanager seinen Platz gefunden habe. »Bei uns sind aber in der Regel alle Studenten einen Monat nach ihrem Abschluss irgendwo untergekommen.« Dieses ‚Irgendwo’ kann die Oper oder das Kabarett, die Kulturverwaltung einer Stadt oder aber ein Festival sein – so vielseitig, wie sich Kultur präsentiert, sind die Einsatzmöglichkeiten für Kulturmanager.
Für welchen Bereich das Herz auch schlägt, für den ehemaligen Theaterdramaturgen und Kulturreferenten Klein »sollte ein guter Kulturmanager immer eine Vision haben. Er sollte nicht vom Bestehenden ausgehen, sondern ein Gefühl dafür haben, wo die Reise hingeht und seinen Kulturbetrieb mitnehmen.« Das begeistert auch Kirsten Brenner an ihrem Arbeitsplatz: »Unser Haus versucht nicht, das Produkt zugunsten des Publikums zu verändern, sondern umgekehrt das Publikum an unser Verständnis von Musiktheater heranzuführen.« Und nach kurzer Überlegung meint sie dann: »Das ist gar nicht so weit weg von der Arbeit eines Bankers. Dieser versucht auch, seine Kunden von ihrem (vermeintlichen) Glück zu überzeugen.« Wirtschaft und Kultur liegen also gar nicht so weit auseinander…
Keine Kommentare
Du hast einen Artikel gelesen und möchtest dazu unbedingt etwas loswerden – vielleicht Lob, Kritik oder Anregungen? Kein Problem! In unserem Blog kannst du selbst aktiv werden, Diskussionen anregen und uns an deinem Wissen teilhaben lassen. Sobald du dich eingeloggt hast, kann's losgehen!
LogIn I Neu anmelden >