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6 Berufe für echte Helfer

Wer anderen auch hauptberuflich helfen möchte, für den ist der medizinische bzw. pflegerische Bereich meist der wichtigste, zumindest aber erste Weg, der einfällt, dicht gefolgt vom Sozialarbeiter. Doch Menschen brauchen auch noch in anderen Bereichen tagtäglich Hilfe. Sechs Jobs, die nicht minder wichtig und helfend sind, stellen wir deshalb nun vor.  

1. Gelber Engel

Jeder, der schon mal unterwegs Probleme mit seinem Fahrzeug hatte, weiß, wie hilflos man sich dabei fühlt. Okay, einen platten Reifen kann man selbst als Laie noch wechseln. Aber wenn an unseren hochkomplexen Autos heute etwas anderes den Geist aufgibt, kann man oft nur fragend in den Motorraum schauen.


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Das ist vollkommen unabhängig vom Zweck der Fahrt eine unglaublich stressige und je nach Ort (Stichwort Autobahn) auch lebensgefährliche Situation. Zudem passieren solche Situationen auffallend häufig:

  • Im dicksten Feierabendverkehr
  • In der Fremde
  • Zu Unzeiten
  • Bei schlechtem Wetter

Und wirklich jeder ist dann heilfroh, wenn er einen gelben Kombi oder Minivan mit oranger Rundumleuchte und ADAC-Folierung anrücken sieht.

Denn am Steuer sitzen die Damen und Herren der Straßenwacht, besser bekannt als Gelbe Engel. Rund 10.000 Mal täglich halfen sie allein in 2018. Doch das können sie nur mit stetigem Nachwuchs aufrechterhalten.

Für einen Abiturienten scheint dieser Berufsweg zunächst tiefgestapelt, benötigt man für eine Initiativbewerbung doch „nur“ eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker. Tatsache ist jedoch, dass es ein sehr fordernder Job ist – denn man muss sich marken- und situationsunabhängig mit den tausenden Dingen befassen können, die an einem modernen Auto den Dienst versagen können. Und man muss sie im Zweifelsfall auch „morgens um zwei bei Graupelschauer auf dem Standstreifen“ reparieren oder improvisieren können. Zudem muss man in solchen Situationen absolut cool bleiben und in der Lage sein, die manchmal völlig aufgelösten Autobesitzer zu beruhigen.

Das geht in Sachen Anforderungen weit über das Profil eines normalen Werkstatt-Mechatronikers hinaus. Und jedes einzelne Mal, wenn man seinen Job macht, hilft man Menschen aus einer misslichen Patsche oder rettet ihnen sogar Urlaub oder Karriere.

2. Hörakustiker

Wer sich gerade am Beginn seiner beruflichen Karriere befindet, für den scheint gedanklich nur wenig ferner zu liegen, als sich mit nachlassendem Gehör zu beschäftigen – schließlich ist das in den Köpfen vieler ein typisches Altersleiden und davon ist man jetzt noch viele Jahrzehnte entfernt.

Stimmt allerdings nicht. Ja, Hörprobleme können im Alter auftreten. Ebenso können sie jedoch auch in jedem Lebensalter bis zum Säugling vorkommen. Denn was das Gehör schädigt, ist eine sehr lange Liste, bei der das Alter sowie Lärmbelastung nur eine Rolle spielen – ebenso können es Krankheitserreger sein, Nervenschäden und Unfälle, denn das Ohr ist ein unglaublich komplexes Organ.

Dies kombiniert mit der Tatsache, dass heutige Hörhilfen echte Hightech-Stücke sind, macht den Hörgeräteakustiker zu einem sehr anspruchsvollen Helferberuf. Menschliches Einfühlungsvermögen ist hier absolut notwendig, denn man hat tagtäglichen Kundenkontakt.

Aber dazu gehört auch die Fähigkeit, digitales Equipment einzusetzen, es anzupassen und gegebenenfalls zu reparieren. Tatsächlich ist man deshalb mit Abitur besser auf die dreijährige Ausbildung vorbereitet als mit einem niedrigeren Schulabschluss.

Übrigens: Wenn man bereits eine Ausbildung vorweisen kann, kann man sich auch zum Hörgeräteakustiker umschulen lassen.

3. Paartherapeut/Eheberater

Wer das hier liest, hat wahrscheinlich schon die Erfahrung gemacht, dass Zweisamkeit aus vielfältigsten Gründen in Indifferenz, ja sogar Antipathie umschlagen kann. Und so viele gute Gründe es gibt, dann eine Beziehung zu beenden, so viele gibt es auch, die Reparatur zu versuchen. Etwa:

  • Nachwuchs, der nicht zum Trennungs- oder Scheidungskind werden soll.
  • Eine gemeinsame (finanzielle) Verpflichtung, die bei einer Trennung beide in den Ruin treiben würde.
  • Der beidseitige Unwille, die einstmals liebevolle Beziehung kampflos verloren zu geben.

Jeder Grund ist gut genug, solange beide Partner noch eine Hoffnung sehen. Aber das Problem daran ist, dass man als Duo diese Probleme oftmals nicht allein in den Griff bekommt – und sei es nur deshalb, weil man das Grundübel mangels Distanz nicht erkennt.

Hier kommen Paartherapeuten ins Spiel. Eines vorweg: Es ist kein geschützter Beruf. Jeder darf sich so nennen und eine „Praxis“ eröffnen. Allerdings empfiehlt es sich dringend, sich schulen zu lassen. Ein Studium, das Psychologie beinhaltet, ist eine sehr gute Basis. Ferner gibt es auch Privatinstitute, die (kostenpflichtige) Ausbildungen anbieten.


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Dafür bekommt man die Gelegenheit, jeden Tag buchstäblich die Liebe zu retten – und dadurch viele Familien zu erhalten, die anderweitig zerbrechen würden.

4. Augenoptiker

Man kann nicht den Hörakustiker erwähnen, ohne auch auf den Augenoptiker einzugehen. In vielen Punkten haben beide Berufe signifikante Überschneidungen, die bis in die Ausbildungsdauer hineinreichen und zudem eine ähnlich breitgefächerte Zielgruppe.

Auch der Optiker muss ebenso einfühlen sein wie er mit Hightech umgehen können muss. In einem unterscheidet sich dieser Job aber signifikant: Sehhilfen sind viel mehr auch eine Style-Frage als Hörhilfen. Guter Geschmack und der Wille, sich hier auch am Puls der Trends zu halten, sind deshalb wichtig.

5. Polizist

Bei den meisten von uns hat der Beruf des Gesetzeshüters, so wie wir ihn im Kopf haben, ziemlich klischeehafte Züge: Der „Cop“, der Verbrecher fängt oder die „Rennleitung“, die Verkehrsteilnehmer rauswinkt und kontrolliert.

Daran trägt sicherlich das Fernsehen eine gewaltige Mitschuld, weil sie den Polizeiberuf so überspitzt zeichnet. Dabei ist der Job des ganz normalen Streifenpolizisten (wir meinen hier also nicht die Kripo, MEK oder andere Seitenarme der Polizeien) ein sehr großer Helferberuf.

Dabei hilft es vielleicht, wenn man sich mal die originäre Berufsbezeichnung durch den Kopf gehen lässt: Schutzpolizist (SchuPo). Denn man schützt im besten Sinne die Gemeinschaft, die öffentliche Ordnung.

Und das ist unheimlich vielfältig. In einem Dienst befördert man vielleicht eine Hochschwangere aus dem Stau ins Krankenhaus. Im nächsten sucht man eine vermisste Person – nur um tags darauf Einbrecher dingfest zu machen und anschließend einen Ehestreit zu schlichten.

Der Schutzpolizist ist ein Multitalent, ein „Diplomat in Uniform“. Es ist kein leichter Job, schon weil er grundsätzlich im Dreischichtsystem funktioniert. Wer es werden will, muss heute den gehobenen Dienst anstreben, das ist in allen Bundesländern gleich. Dann beginnt man ein duales Studium, bei dem man unzählige Polizei-Dienststellen kennenlernt, nicht nur die normalen Wachen, und zudem universitäre Theorieblöcke absolviert.

Am Ende ist man nicht nur Schutzpolizist, sondern auch Beamter – und hat zudem die Option, sich für andere Polizeibereiche zu bewerben.

6. Ergotherapeut

Wenn man an Helferberufe denkt, kommt man nie ganz an dem ganz großen medizinischen Bereich vorbei. Das gilt für Hörgeräteakustiker und Augenoptiker ebenso wie für den Ergotherapeut.  

Gerade über diesen Beruf haben wie wenigsten eine genaue Ahnung. Das liegt aber auch daran, dass das Berufsbild so vielschichtig ist. Fassen wir es deshalb zusammen:

Ergotherapeuten helfen Menschen dabei, ihre geistigen und körperlichen Fähigkeiten zu erhalten oder sie wiederherzustellen.

Dahinter verbirgt sich eine enorme Bandbreite an Szenarien:

  • Verbessern von physischen und psychischen Zuständen, die durch Krankheit oder Unfall beeinträchtigt sind. Klassisches Beispiel: Hilfe für Schlaganfallpatienten.
  • Linderung von Schmerzen, unabhängig davon, wodurch sie entstanden sind. Klassisches Beispiel: Bewegungstherapie zur Vermeidung einer Gelenk-OP.
  • Reduktion eines bestehenden Pflegebedarfs. Häufig mit dem Alter verbunden. Klassisches Beispiel: Hilfe zur Alltags-Selbsthilfe für Senioren.

Diese Vielfalt sorgt dafür, dass Ergotherapeuten „überall“ zu finden sind, längst nicht nur in Praxen, sondern beispielsweise auch in großen Industriebetrieben.

Dabei ist die Ausbildung zweigeteilt:

  1. Klassische Berufsausbildung. Sie findet an einer staatlichen bzw. privaten Berufsfachschule für Ergotherapie statt, dauert drei Jahre und endet mit einem Examen.
  2. Studium. Einige Schulträger bieten ein duales Studium an, dazu haben auch mehrere Hochschulen Bachelor- und Masterstudienprogramme auf der Agenda.

In beiden Fällen ist man danach Ergotherapeut und damit in einem sehr sicheren Berufsfeld angekommen – denn leidende Menschen wird es (leider) immer geben.

Ein Beitrag der externen Autorin Anja Klein.