Zentralabitur „Ja“, Vergleichbarkeit „Nein“? Wie Deutschland seine Abiturnoten macht

Die Bildungspolitik in Deutschland ist föderal strukturiert und obliegt den Interessen der Bundesländer. Sie sind es, die das letzte Wort bei der Gestaltung der Lehrcurricula haben. In letzter Zeit ist nun wieder einmal die Diskussion um das Zentralabitur entfacht, das derzeit in 15 von 16 Bundesländern durchgeführt wird. Die Rede ist etwa von einer „Einser-Schwemme“ oder der „Entwertung des Abiturs“ (F.A.Z. vom 10. Juni 2015). Moniert wird vor allem, dass die Leistungen der Oberstufenschüler bundesweit nicht vergleichbar seien. Am Ende sind sie, wie so oft, die Leidtragenden. Ein wenig Abhilfe lässt sich allerdings durch den frühzeitigen Einsatz eines Abirechners schaffen. Wie und warum, das erklärt der vorliegende Artikel.

 

Ungleichheit bei Zugangschancen der Abiturienten zum Studium

Gegenüber der dpa bezweifelt der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, ob eine Studienberechtigung mit einer Studienbefähigung noch deckungsgleich ist. Nicht jeder, der ein Abitur in der Tasche hat, ist auch in der Lage ein Studium aufzunehmen, geschweige denn erfolgreich abzuschließen, heißt das im Klartext. Doch ist dieser Skeptizismus in der Tat nicht haltlos aus der Luft gegriffen. Anstoß für die Diskussion lieferten die Ergebnisse des Nachrichtenmagazins Der Spiegel, der auf der Grundlage von Daten der Kultusministerien sowie des statistischen Bundesamtes die Abiturnoten im Zeitraum von 2003 bis 2006 auswertete. Im Jahre 2013 haben in Thüringen etwa rund 38% der Abiturienten einen Einserschnitt geschafft. In Niedersachsen waren es dagegen nur knapp 16%. Indessen hat sich dort zwischen 2007 und 2014 die Zahl der Schüler, die ihr Abitur mit 1,0 ablegten, nahezu verdoppelt! Dass dies hochgradig verdächtig ist, muss man eigentlich nicht explizit betonen. Der Vergleichbarkeit der Abiturabschlüsse in Deutschland sind somit Schranken gesetzt, hinter denen sich im Endeffekt auch massive Ungleichheiten hinsichtlich der Zugangschancen der Abiturienten zu Universitäten und Hochschulen verbergen.

 

Vergleichbarkeit der Abituraufgaben

Es ist nun keineswegs so, dass gänzlich keine Bemühungen unternommen werden, um dieser misslichen Lage Herr zu werden. So richtig effektiv scheinen die Maßnahmen der Kultusminister aber in Letzter Instanz nicht zu sein. So sollen zum Beispiel die Bundesländer im Schuljahr 2016/2017 ihre Abituraufgaben erstmals aus einem gemeinsamen Aufgabenpool für die Fächer Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch schöpfen. Es bleib jedoch das Problem, dass jedes Land grundsätzlich dazu berechtigt ist, jene Aufgaben nach eigenem Ermessen zu modifizieren, sodass hierdurch der angestrebten Vergleichbarkeit von vornherein erneut Stolpersteine in den Weg gelegt sind. Ob man hierdurch tatsächlich dem ersehnten nationalen Zentralabitur näher kommt, darf somit mit guten Gründen bezweifelt werden.

Unterscheidungen bei Benotungen

Doch die Probleme beruhen nicht nur auf den divergierenden Prüfungsaufgaben und Lehrplänen. Auch die Notenvergabe unterscheidet sich je nach Bundesland eklatant. Seit 2006 nämlich, bestimmt jedes Bundesland die Kriterien für die Berechnung der Abiturnote selbst. So kann es durchaus sein, dass bei exakt gleichen Prüfungsleistungen, je nach Bundesland ein anderer Notendurchschnitt zustande kommt. Die Berechnung der Abiturnote gestaltet sich in Abhängigkeit der Gewichtung von verschiedenen Kern- und Nebenfächern. Bis 2006 mussten die Schüler in jedem Bundesland zwei Leistungskurse und mehrere Grundkurse wählen. Dabei wurden die Punkte aus den Leistungsfächern mal zwei genommen. Die Berechnung war Bundesweit gleich. Nach 2006 wurde diese Struktur dezentralisiert; seitdem führten einige Bundesländer eigene Modelle ein, die etwa zwischen Haupt-, Neben, Vertiefungs- und Intensivfächern, Kursen auf erweitertem Niveau oder Ergänzungsfächern unterscheiden. Manche nehmen die in den Leistungskursen erzielten Punkte doppelt, manche nur einfach. Von Vergleichbarkeit und gemeinsamen Standards keine Spur. Auch die Fächerkombinationen unterliegen länderspezifischen Restriktionen. Ferner dürfen in manchen Ländern mehr, in anderen weniger und in einigen gar keine schwachen Leistungen gestrichen werden, was sich am Ende natürlich enorm auf die Durchschnittsnote auswirkt. So kann es sein, dass ein Schüler in Sachsen-Anhalt zum Abitur nicht zugelassen wird, während ein anderer Schüler mit den gleichen Leistungen in Hamburg problemlos durchkommt.

Abirechner soll Abiturienten helfen!

Angesichts dieser Problematik ist es schließlich sinnvoll einen sogenannten Abirechner zu verwenden, mit dem sich die potenzielle Abiturnote leicht ermitteln lässt. Dadurch erhält der Schüler Klarheit, welchen Abischnitt er in seinem Bundesland zu erwarten hat. Der Abirechner berücksichtigt hierfür die Einzelheiten der jeweils geltenden Prüfungsordnungen und Berechnungsmodelle. Dies kann dem Schüler dabei helfen, vorauszuplanen, welche Leistungen er in bestimmten Fächern eventuell noch benötigt, um auf den gewünschten Durchschnitt zu kommen. Wie ein solcher Abirechner funktioniert und aussieht, können Sie beispielsweise hier sehen. Des Weiteren lassen sich mit dem Abirechner im Hinblick auf ein nach dem Abitur angestrebtes Studium verschiedene Punktekonstellationen variieren. So können Sie genau erkennen, mit welcher Konstellation Sie den optimalen Numerus clausus für den Studiengang Ihrer Wahl erreichen können.


Ein Gastbeitrag von Michael Müller

Artikelsuche