Kuscheln mit Känguruh
Privat

Work and Travel in Australien

Mit Erdbeeren die Reise finanzieren und im Kofferraum schlafen – Franziska hat’s getan: Work & Travel in Australien

Nach dem Abi: Weit, weit weg

Ein Känguru hat sie mitgenommen. Ein Souvenir, das ihr unter die Haut ging – das Tattoo wird sie immer an ihre Zeit in Australien erinnern. Ein halbes Jahr down under. Franziska Saffrich wollte was von der Welt sehen, arbeiten – einfach nur auf und davon! Weg vom Abistress, weg von zu Hause. Ihre Bedingungen an das Auswanderland auf Zeit waren eindeutig: Die Entfernung zu Deutschland sollte groß und die Temperatuen hoch sein. Eine andere Kultur wollte sie kennenlernen, ihr Englisch verbessern und einmal in ihrem Leben Kängurus und Koalas in natura sehen. Bevor ihr aber das erste Beuteltier vor die Kameralinse springen konnte, musste Franziska einiges organisieren. Unterstützung bekam sie dabei von ›TravelWorks‹, einer Agentur, die neben Work & Travel-Aufenthalten auch Freiwilligenarbeit und Au-pair-Stellen ins Ausland vermittelt. Franziska erhielt viele Informationen – unter anderem auch, was vor der Abreise zu erledigen ist.

Wo und wie komme ich an das Visum, welche Impfungen sind nötig – ist mein Reisepass überhaupt noch gültig? Diese Formalitäten dauern am längsten und die 22-Jährige rät, diese Dinge als erstes anzupacken. Rucksack, Schlafsack und Klamotten sind, – wenn es schnell gehen muss – auch einen Tag vor Abflug noch zu kaufen. Das alles kostet Geld. Franziska hat sich ihren Traum von Australien mit Ersparnissen und einem Nebenjob finanziert. Wieviel musste sie für die Reisekosten insgesamt berappen? »Mit Visum, Pass, Flug und 3.000 Euro Reserve kam ich auf etwa 5.500 Euro«, sagt die angehende Physiotherapeutin.

3.000 Euro müssen Work & Travel-Willige vorweisen, um ein Visum beantragen zu können. Außerdem ist es nicht nur ungemein beruhigend, ein Finanzpolster zu haben – es hilft auch über manche monetären Durststrecken hinweg. »Rücklagen zu haben bedeutete für mich weniger Stress bei der Jobsuche oder dass ich im Notfall auch zum Arzt hätte gehen können«, erklärt Franziska.

Vor dem Start: Angst und Aufregung

Aber wer denkt schon an große Notfälle, wenn die beste Zeit des Lebens bevorsteht? Ängste zu haben ist normal – die Erwartungen sollten aber überwiegen. Mit welchen Gefühlen ist Franziska in das Flugzeug gestiegen? »Ich wollte neue Menschen kennenlernen, selbstständig werden und Abenteuer bestehen. Gleichzeitig machte ich mir aber auch Sorgen, keinen Job zu finden und dass mein Heimweh zu groß wird«, beschreibt sie ihre Emotionen. Dazu kam, dass sie zusammen mit zwei Freundinnen nach Australien ging – ob sie sich oft ›anzicken‹ würden?

Ihre Sorgen waren unbegründet: »Nichts ist passiert. Auch wenn wir uns manchmal ein wenig gestritten haben, die Versöhnung ließ nie lange auf sich warten. Das Heimweh hielt sich in Grenzen, ebenso wie die Angst, keinen Job zu finden, denn letztendlich haben wir immer einen gefunden«, sagt Franziska. Die Jobsuche haben sie vor Ort in die Hand genommen – nachdem sie sich eine Woche zur Eingewöhnung gegönnt hatten.

Work and Travel: 10 - 17 Dollar Stundenlohn

Erdbeeren, Trauben, Äpfel – Franziska verbrachte viel Zeit in Bäumen, auf Feldern und zwischen Sträuchern, um Geld zu verdienen. Jobs, die viel Kraft, Geduld und Leidensfähigkeit forderten:

»Eine Bezahlung nach Pflückmenge war oft sehr stressig, denn um auf einen guten Stundenlohn zu kommen, mussten wir sehr viel ernten. Bei der Apfelernte gab es zwar einen Fixlohn, aber dafür waren zehn Stunden am Tag nichts Ungewöhnliches. Der durchschnittliche Stundenlohn betrug zwischen zehn und 17 Dollar«, erklärt Franziska.

Trotz der vielen Arbeit war ein Leben in Saus und Braus nicht möglich.

Was aber keinen Nachteil bedeuten muss – Franziska hat gelernt, mit Geld umzugehen: »Erst als ich für mich selbst verantwortlich war, habe ich gemerkt, wie teuer das Leben ist. Ich habe meine Ansprüche nach unten geschraubt, schließlich musste ich mich mit dem zufriedengeben, was ich mir leisten konnte.« Luxus bekam für sie eine völlig neue Bedeutung, zum Beispiel wenn sie sich nach einer Nacht im Auto unter eine Stranddusche stellen konnte: Einschränkungen und auch Entbehrungen, die bei einem solchen Trip einfach dazugehören. Franziska nahm sie gerne in Kauf, schließlich werden daraus Erinnerungen, die ihr keiner mehr nehmen kann: die Kängurus und Koalas, die sie gestreichelt hat, Weihnachten bei 25 Grad, die Silvesterparty mit Blick auf die Oper und die Harbour Bridge und auch die vielen offenen und freundlichen Menschen, die sie kennengelernt hat. An diese Zeit wird sie immer zurückdenken – so wie sie stets das Känguru mit sich herumtragen wird.


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