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Digitalisierung für Macher

Bei diesen vielversprechenden Projekten sind Liebhaber der Digitalisierung mit Hands-on-Mentalität gefragt

Bahn frei für den Rettungswagen

Der Verkehr ist dicht, die Autofahrer hören den näherkommenden Rettungswagen nicht, weil die Musik aus dem Radio die Sirenen übertönt – und die Sanitäter können den Patienten nur verzögert verarzten. Damit die Helfer zukünftig schneller an Ort und Stelle ankommen, hat das Start-up H&E Solutions EVAM entwickelt. Die Technik nutzt das Radio Data System und veranlasst, dass die Entertainment-Systeme der betreffenden Autos  durch UKW unterbrochen und die Fahrer per gesprochenem Warnhinweis über den herannahenden Krankenwagen informiert werden. Zusätzlich erscheint eine Warnung auf dem Radiodisplay. Die Vorwarnzeit soll dabei der Verkehrssituation und den Geschwindigkeiten entsprechen. So können die Autofahrer rechtzeitig eine Rettungsgasse bilden.

Werkzeugmaschinen go digital

Werksübergreifende Transparenz im gesamten Produktionsprozess zu schaffen, ist das Ziel einer Digitalisierungstechnologie des Familienunternehmens Grob, tätig im Bereich Werkzeugmaschinen. Die von Grob eigens entwickelten Module innerhalb des Produkts digitalisieren und vernetzen Fertigungsprozesse und machen dadurch eine papierlose Kommunikation möglich. Diese führt zu einer höheren Produktivität. »Die modularen Applikationen ermöglichen eine Organisation der direkten und indirekten Bereiche rund um die Zerspanung mit dem Ziel, die sehr präzisen und qualitativ hochwertigen Werkzeugmaschinen bestmöglich auszulasten«, erklärt Michael Keidler. Dem Leiter der Softwareentwicklung für Industriesoftware bei Grob hat es viel Spaß gemacht, das Produkt von Grund auf mit zu entwickeln und zu gestalten.

Schön warm dank Digitalisierung

Mit der Digitalisierung kamen Großcomputer – und die produzieren jede Menge Hitze. Bisher mussten sie für viel Geld gekühlt werden. Doch die Abwärme von Servern muss nicht ungenutzt verpuffen: Das Unternehmen Cloud & Heat nutzt eine Heißwasserdirektkühlung, die die Abwärme nahezu verlustarm direkt von den Wärmequellen aufnimmt. So können etwa 90 Prozent der Wärme an den Heizkreislauf abgeführt werden.

»Die größte Herausforderung liegt in der Abnahme der Rechenpower. Denn die Rechnung ist simpel: Nur wo IT-Power nachgefragt wird, entsteht Wärme«, erklärt Franziska Büttner von Cloud & Heat. Deswegen bietet das Unternehmen seine Systeme nur als Komplettlösungen an – bestehend aus Hardware, (Cloud-)Software und dem Abwärmenutzungskonzept. »Aktuell arbeiten wir an einer Wasserkühlung für Grafikprozessoren, sodass in Zukunft auch deren Abwärme, die fast dreimal so hoch ist wie die von Hauptprozessoren, sinnvoll nutzbar gemacht werden kann«, sagt Franziska Büttner. Ingenieure, die bei Cloud & Heat arbeiten wollen, sollten Spaß an interdisziplinärem Arbeiten im Team haben und offen für den Blick über den Tellerrand sein.

Die Landwirtschaft vernetzt sich

Das Ziel des Landmaschinenherstellers Claas ist es, die Verfügbarkeit und Effizienz der Produkte und Ernteprozesse zu verbessern und entsprechend zu dokumentieren. Dies erfolgt durch die intelligente Verknüpfung der Maschinen untereinander sowie mit den internen und externen Kunden. Philipp Habig, dualer Student bei Claas, findet vor allem das zukunftsorientierte Arbeiten spannend: »Digitalisierung proaktiv mitzugestalten und auch deren Grenzen zu erfahren, finde ich sehr interessant.« Eine der größten Herausforderungen im Zuge der Digitalisierung sei dabei, das Umdenken im eigenen Unternehmen anzuregen. »Wir sind Maschinenbauer und unser Hauptgeschäft war bisher von Blech und Stahl geprägt«, betont Habig. Zukünftig wird Claas aber vermehrt auch digitale Lösungen anbieten. Die agile Arbeitsweise bringt eine große Freiheit mit sich, denn es gibt oft noch keine festen Prozesse. Das macht die Arbeit aus Sicht des Dualstudenten sehr abwechslungsreich. Wer die Digitalisierung der Agrartechnik mitgestalten will, sollte offen, kommunikativ und flexibel genug sein, um sich auf neue Situationen einstellen zu können.

Volle Fahrt voraus: Bauen mit Daten

Auch die Bauwirtschaft wird immer digitaler: Die Planung eines Bauwerks erfolgt dabei mithilfe von Building Information Modeling (BIM), zu deutsch: Bauwerksdatenmodellierung. »Eines unserer aktuellen Projekte ist der Bau der Sydney Metro Northwest, einer vollautomatisierten S-Bahn, Australiens derzeit größtes öffentliches Verkehrsinfrastrukturprojekt. Acht neue Bahnhöfe sowie zwei 15 Kilometer lange Zwillingstunnel bilden den Kern der Aufgabe«, erläutert René Schumann, Geschäftsführer bei Hochtief Vicon.

Vicon implementiert dort ein eigenentwickeltes ›Online Rail Information System‹ (ORIS) zum integrierten Management von Modellen und Daten. ORIS ist ein Produktionssystem für Großbaustellen, das etwa für die Informationserfassung genutzt wird. Mitarbeiter an verschiedenen Stellen der Baustelle geben Daten in Tablets oder Smartphones ein, die über ORIS zusammengeführt werden. »Immer mehr Daten werden in den virtuellen Systemen verknüpft. Dafür müssen Schnittstellen funktionieren. ›Common Data Environment‹ ist das Schlagwort dazu, das zum Beispiel in britischen BIM-Standards bereits festgeschrieben ist. Auch Echtzeitdaten, von Sensoren am Gebäude erfasst, werden schon bald vorhanden sein«, so Schumann.


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