Foto: Ashton Bingham/Unsplash

Heimliche Helden

So spannend sind die Aufgaben und Produkte von Deutschlands Hidden Champions

Das eigene Produkt im Einsatz erleben
»Es macht enorm viel Spaß, Systeme von Beginn an auf dem weißen Blatt Papier und mit Platz für Innovation und Querdenken zu planen, zu entwickeln und schließlich bis in die Produktion zu begleiten«, erzählt Tobias Corbach, Digital Signalprocessing Engineer Professional Systems. Bei Sennheiser entwickelt er Produkte entlang der gesamten digitalen Signalkette für Mikrofone – zusammen mit Kollegen verschiedener Disziplinen wie der Elektronik, Embedded Software, Mechanik und Forschung. »Da wir alle Gewerke inklusive der Produktion am Sennheiser-Hauptsitz vor Ort haben, kann ich dabei den gesamten Prozess verfolgen. Und wenn ich dann unsere Produkte auf Konzerten im Einsatz sehe, bekomme ich schon mal Gänsehaut.«

Ein klares Ziel
Duravit befasst sich als Interior Designer für das Badezimmer von morgen mit Wellness- und Komfortaspekten. Gleichzeitig hat das Unternehmen sich auf die Fahnen geschrieben, dass es eine hohe Qualität gewährleisten und nationale sowie internationale Standards erfüllen oder sogar übertreffen möchte. Diese Vision tragen auch Entwicklungsingenieure wie Franziska Wülker mit, die vor allem folgende Herausforderung sieht: »Der Lösungsraum für die Technik wird durch Designvorgaben und Normen vorgegeben. Hier gilt es, geschickt zu manövrieren und ideale Lösungen für jedes Produkt zu finden, die sich möglichst unauffällig in die Keramik integrieren lassen.« Für die studierte Maschinenbauerin war das Gebiet der Sanitärkeramik zu Beginn gänzlich unbekannt. Gelernt hat sie jedoch schnell: »Zu beachten ist beispielsweise, dass lange gerade Flächen und enge Radien sowie eckige und dünne Konturen in der Fertigung sehr anspruchsvoll sind.«

Mittelstandspower über Ländergrenzen hinweg
»Die Internationalität gehört heute fest zu Duravit. Obwohl das Unternehmen im Schwarzwald gegründet wurde, gibt es heute zwölf Produktionsstandorte weltweit – unter anderem in Frankreich, China und Ägypten. Auch unsere Kunden und Lieferanten kommen aus 130 verschiedenen Ländern. Das bedeutet im Entwicklungsalltag, dass wir jeweils die lokalen Normen, Anforderungen und Gegebenheiten berücksichtigen müssen.«  
Franziska Wülker, Entwicklungsingenieurin beim Badkeramikproduzenten Duravit

Neue Inspiration in Chicago und Shanghai
Ferdinand Baaij arbeitet als Projektmanager bei Trumpf im Bereich R&D Production Platforms: »Wir nutzen neue Technologien aus den Bereichen Digitalisierung und Automatisierung, um Maschinen miteinander zu koppeln.« Was daran am meisten Spaß macht? »Der enge Kontakt zu den Kunden und Entwicklungspartnern innerhalb und außerhalb des Unternehmens ist zwar manchmal nicht einfach, bereitet mir aber viel Freude. Am spannendsten sind die Reisen zu unseren eigenen Smart Factories in Chicago und Shanghai. Dort kann ich unsere neu entwickelten Lösungen begutachten und finde die perfekte Umgebung, um neue Ideen und Konzepte zu entwickeln«, erzählt Baaij. 

Der innere Nerd
»Einsteiger sollten die Motivation mitbringen, ›cooles Zeug‹ für unsere Kunden zu entwickeln. Neben fachlicher Expertise punkten sie auch mit einer eigenverantwortlichen Arbeitsweise und Teamgeist. Herausfordernd kann dabei sein, den besten Mittelweg zwischen dem Drang nach der perfekten Lösung und dem wirklichen Kundenwunsch zu finden. Der innere Nerd möchte manchmal etwas mehr als die Welt da draußen – ein Grund mehr, die enge Abstimmung mit den Kollegen aus anderen Bereichen wie dem Vertrieb oder Marketing zu suchen.«
Tobias Corbach, Digital Signalprocessing Engineer bei Sennheiser

Smarte Maschinen von morgen 
Als Markt- und Technologieführer bei Werkzeugmaschinen und Lasern für die industrielle Fertigung ist Trumpf ein wahrer Hidden Champion. Das Unternehmen produziert unter anderem Biege-, Stanz- und 3D-Laserschneidmaschinen sowie Markiersysteme und Technologien zur Automatisierung. Ferdinand Baaij, Project Manager im Bereich R&D Production Platforms, gibt einen Einblick: »In meinem Bereich entwickeln wir komplett vernetzte Produktionssysteme. Es geht darum, den Maschinenpark unserer Kunden in eine ›Smart Factory‹ zu verwandeln.« Anhand von neuen Technologien aus den Bereichen Digitalisierung und Automatisierung werden dafür Maschinen miteinander verknüpft. Einerseits begünstige das den Austausch von Informationen, andererseits sei das Ziel, den Materialfluss zwischen den Maschinen zu verbessern, so Baaij. 

Teamgeist und Engagement sind gefragt 
»Industrie 4.0-Lösungen zu erarbeiten, erfordert viel Abstimmung mit Experten aus verschiedenen Bereichen. Unsere Anforderungen ändern sich kontinuierlich, Konzepte und Pläne müssen wir häufig anpassen«, erklärt Ferdinand Baaij, Projektmanager im Bereich R&D Production Platforms bei Trumpf. Diesen Herausforderungen begegnet sein Team mit Flexibilität und guter Teamarbeit, um trotzdem effizient zu guten Lösungen zu kommen. »Für diesen Zweck suchen wir Kollegen, die eigene Ideen einbringen, Altbewährtes auch mal in Frage stellen und für ihre Themen engagiert einstehen«, informiert Baaij. Übrigens machen sich auch Auslandsaufenthalte und diverse Sprachkenntnisse bezahlt: »Erste interkulturelle Erfahrungen sind ideal, da es viele Projekte gibt, bei denen Mitarbeiter aus verschiedenen Ländern zusammenarbeiten.«

Außereuropäische Nachfrage steigt
Der deutsche Mittelstand befindet sich nachhaltig auf einem Wachstumshoch – Ende 2018 wurde ein allgemeiner Beschäftigungsrekord erreicht, der in naher Zukunft sogar noch übertroffen werden könnte. Die KfW-Bankengruppe analysierte letztes Jahr: Eine stabile Inlandsnachfrage trifft auf steigenden Auslandsabsatz. Vor allem der Umsatz außerhalb Europas legt immer weiter zu und trägt bedeutend zum Wachstum der Mittelständler und Hidden Champions bei. Auch Sennheiser ist internationaler aufgestellt: »Zwar haben wir an unserem Hauptsitz in der Region Hannover alle Disziplinen vor Ort – trotzdem wird unsere Entwicklung immer internationaler«, bemerkt Tobias Corbach, Digital Signalprocessing Engineer Professional Systems bei Sennheiser. Er freut sich über die Entwicklung: »Das ist ein riesiger Gewinn, da es hilft, aus Gedankenmustern auszubrechen und unterschiedliche Sicht- und Herangehensweisen kennenzulernen. Wir machen Produkte für Kunden auf der ganzen Welt und müssen deshalb viele Wünsche und Anforderungen berücksichtigen.«

Mehr als ›Stilles Örtchen‹
»Neben der statischen, dynamischen und thermischen Absicherung der mechanischen Eigenschaften unserer Toiletten, Duschen, Wannen und Waschbecken bin ich überwiegend für die Entwicklung und Optimierung von Toilettenspülungen zuständig. Nach speziell entwickelten Tests wird mit Hilfe von Strömungssimulation der Spülvorgang so gestaltet, dass die Geometrie des Innenraums ein optimales Strömungsverhalten erzielt. Dadurch erfolgt die Spülung mit einer guten Reinigung bei geringem Wasserverbrauch. Was mich von Anfang an begeistert hat, ist zu sehen, wie viel Technik und Entwicklungsarbeit in einer Toilette steckt. Im Alltag wird dieses Produkt als selbstverständlich wahrgenommen und schon gar nicht als technisches Meisterwerk. Dabei investieren wir viel Zeit, um für den Endkunden ein perfektes und komfortables Produkt herzustellen.« 
Franziska Wülker, Entwicklungsingenieurin bei Duravit


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