Richterhammer Tisch
Bildquelle: Pexels / Ekaterina Bolovtsova

Im Dienste des Mandanten

Zwei Anwälte berichten von den Vorzügen und Herausforderungen ihres Fachgebiets

 

Strafrecht

Jonas Haardt, Rechtsanwalt

Herr Haardt, worauf kommt es im Strafrecht vor allem an?

Ich habe mit vielen verschiedenen Straftaten zu tun: vom Schwarzfahren bis zum Raub. Dafür muss ich mich den Mandanten gegenüber durchsetzen können. Zudem wird Menschenkenntnis und Empathie benötigt. Ich sollte dem Mandanten schon ansehen können, wenn er vielleicht nicht ganz die Wahrheit sagt, um dann nachzuhaken. Außerdem muss ich mir die Frage stellen, wie es meinem Mandanten überhaupt geht. Viele von ihnen sitzen in Haft und reagieren sehr emotional. Das muss ich berücksichtigen.

Warum haben Sie sich gerade auf dieses Fachgebiet spezialisiert?

In erster Linie aus Interesse. Ich weiß nie, welcher Fall auf mich zukommen wird. Selbst auf den ersten Blick ›kleine‹ Dinge wie ein Diebstahl können noch zu etwas ganz Großem werden – auch wenn ich vorher nie damit gerechnet hätte.

Was stellt an Ihrer Arbeit eine besondere Herausforderung dar?

Ich muss mich blitzschnell auf Änderungen des Sachverhalts einlassen können sowie spontan und flexibel sein, da Zeugen in einer Hauptverhandlung auch mal unerwartete Dinge sagen können. Darauf muss ich reagieren – notfalls, indem ich meinen kompletten Plan über Bord werfe und in eine neue Strategie umwandle.

Was empfinden Sie an Ihrer Arbeit als besonders positiv?

Das Strafrecht ist ein sehr brisantes Themengebiet. Durch meine Arbeit weiß ich immer, was im Stadtgebiet los ist und welche Viertel gerade ›Hotspots‹ sind. Zudem sind die Mandanten teilweise sehr offen und reden wirklich Klartext – das geht unter die Haut. Der größte Erfolg ist aber natürlich, wenn der Mandant wirklich unschuldig ist: Also wenn ich bei der Aufklärung des Sachverhalts beweisen kann, dass kein strafbares Verhalten vorliegt und der Mandant deswegen keine Strafe bekommt.

 

Familienrecht

Jan-Thede Peters, Rechtsanwalt

Herr Peters, was spielt in Ihrem Fachbereich eine besondere Rolle?

Meines Erachtens kommt es vor allem darauf an, im Blick zu behalten, welche Auswirkungen einzelne rechtliche Schritte auf menschliche Beziehungen haben. Zum Vergleich: Die Beteiligten eines Verkehrsunfalls werden womöglich nie im Leben wieder etwas miteinander zu tun haben. Das soziale Geflecht der Familie bleibt dagegen auch während und nach Streitigkeiten bestehen. Das gilt vor allem für die Elternrolle nach einer Scheidung.

Was ist in Ihren Augen das Spannende am Familienrecht?

Mich reizt vor allem die emotionale Beziehung der Menschen zueinander an der Schnittstelle zum Recht. Das Familienverständnis unterliegt einem schnellen Wandel. Dieser wirkt sich auch auf das Recht aus. Gerade das Rollenbild von Mann und Frau, das sich momentan stark verändert, stellt einige gesetzliche Regelungen infrage. Diese Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Vorstellungen und Recht finde ich spannend.

Warum haben Sie sich schließlich auf dieses Fachgebiet festgelegt?

Besonders wichtig war mir, Menschen in schwierigen Lebensphasen zu unterstützen und das Beste aus ihrer Situation zu machen. Dafür ist es auch notwendig, sich in die emotionale Lage des eigenen Mandanten und der Gegenseite hineinzuversetzen. Das liegt mir glücklicherweise.

Was ist an Ihrer Arbeit besonders herausfordernd?

Aufgrund der familiären Beziehungen sind Streitigkeiten in diesem Bereich meist sehr emotional. Es ist eine fordernde Aufgabe, den Betroffenen trotz verletzter Gefühle eine sachliche Vorgehensweise aufzuzeigen. Besonders schön ist es daher, wenn sich Streitigkeiten schon im Vorfeld durch gemeinsame Gespräche und Vereinbarungen verhindern lassen.


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