Frau im Wald springt in die Luft
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Einstiegsprogramme von Grund auf erklärt: unser Viele-Frage-Viele-Antworten-Reigen

 

TRAINEE WIE WO WAS

Starten wir bei den Basics. Was ist das eigentlich, dieses Traineeprogramm? Die Antwort: Ein Einstiegsprogramm in den Beruf für Uni-Absolvent*innen. Es läuft firmenspezifisch ab und du bekommst Einblicke in die verschiedenen Abteilungen, in denen du jeweils mehrere Monate arbeitest. Gleichzeitig bildest du dich in Coachings und Seminaren weiter. Diese gezielten Schulungen bereiten dich auf Führungsaufgaben vor.

++Die meisten Traineeships werden in den Branchen IT, Wirtschaft und Finanzen angeboten.++

ALLES DASSELBE?

›Graduate Program‹ ist übrigens nur der internationale Name und meint dasselbe. Dafür sind das Klassische Trainee, Fachtrainee, Management-Trainee und Trainee-Studium verschiedene Kategorien, die alle unter dem Begriff Trainee-Programm laufen. Die Unterschiede? Das klassische Modell ist perfekt für noch Unentschiedene, ein Fachtrainee zielt mehr auf die Ausbildung in einem Bereich, der von Anfang an feststeht. Management-Traineeships sind einen Ticken anspruchsvoller, da du anschließend direkt eine Führungsposition übernimmst. Ein Trainee-Studium ähnelt dem dualen Studium, aber nur wenige Unternehmen bieten es an. Auch ein Volontariat ist ein Einstiegsprogramm, das vor allem in der Marketing- und Medienbranche angeboten wird.

EINMAL QUALITÄTSCHECK, BITTE

Whats best for you? Das kommt wohl ganz auf deine Bedürfnisse und Ziele an. Leider sind die Programme nicht zertifiziert. Grundsätzlich dauert ein Traineeship zwischen sechs und 24 Monate. Vorab musst du die Rahmenbedingungen gut checken, damit du dich nicht unter Wert verkaufst! Ein gutes Traineeprogramm erkennst du aber generell an einer Job-Rotation, festen Ansprechpartner*innen, eigenen Aufgaben und Projekten, Weiterbildungen und zu guter Letzt hohen Übernahmechancen.

ARBEIT ODER AUSBILDUNG?

Im Gegensatz zum Direkteinstieg, der mehr den Sprung ins kalte Wasser bedeutet, kannst du erst am Ende des Programms entscheiden, in welcher Abteilung du zu Hause bist. Durch den Ausbildungscharakter gehören verschiedene Coachings zu deinem Arbeitsalltag. Die theoretischen Seminare bilden dich fachlich, aber genauso persönlich und methodisch weiter. Gleichzeitig betreust du im Betrieb eigene Projekte und übernimmst dort Verantwortung – mit dieser Doppelbelastung und den ständigen Abteilungswechseln musst du klarkommen können. Dafür lernst du die firmeninternen Zusammenhänge bestens kennen und wirst intensiv auf eine leitende Position vorbereitet. Unterstützung erhältst du dabei übrigens auch. Üblicherweise betreuen dich mindestens ein*e Mentor*in, die Abteilungsleitung und die Personalabteilung. Oft stehen dir als Ansprechpartner*innen auch Trainee-Buddys aus früheren Ausbildungsjahrgängen mit Rat und Tat zur Seite.

EIERLEGENDE WOLLMILCHSÄUE

Weil viele Traineeprogramme Auslandsstationen enthalten, sind Englischkenntnisse Pflicht. Ansonsten sind natürlich auch alle anderen Fremdsprachen ein Pluspunkt. Ganz schön viele Ansprüche? Ja, die Anforderungen sind nicht unbedingt niedrig: Guter Hochschulabschluss, Auslandsaufenthalt, Praxiserfahrung und natürlich Softskills, die vor allem auf Flexibilität und Teamfähigkeit abzielen. Aber wie so oft im Leben ist es auch hier ein Geben und Nehmen, denn ein Betrieb investiert circa 100.000 Euro pro Jahr, um seine Trainees so top auszubilden. 

++CHECKLISTE DIESE SKILLS BENÖTIGST DU: Kommunikationsstärke, Eigeninitiative, Motivation, Stressresistenz, Teamgeist++

Ansonsten ist das immer noch ein Einstiegsprogramm: Du kannst und musst nicht alles können, dafür leitest du später schließlich ein Team, in dem alle guten Fähigkeiten vereint werden. Wenn du das Programm abgeschlossen hast, warten auf dich die baldige Übernahme von Führungsaufgaben und Verantwortung. Genau darauf zielt deine Trainee-Ausbildung schließlich ab. Wo genau du landest, wird am Ende des Programms besprochen, ob es immer für die Traumposition reicht, ist aber nicht gesichert. Dasselbe gilt für deine Übernahme: Die ist nämlich nicht grundsätzlich garantiert. Trotzdem brauchst du dir in der Regel keine Sorgen zu machen, schließlich investiert das Unternehmen viel Geld und Zeit in deine Ausbildung – wäre doch doof, dich nicht zu übernehmen. Hier nochmal der Hinweis: Vorher Übernahmequote checken!

++In 80% der Fälle wirst du nach Abschluss deines Traineeships übernommen.++

WAS SPRICHT DER GELDBEUTEL?

Was du noch wissen solltest: Währenddessen verdienst du circa 10 Prozent weniger als Direkteinsteiger*innen. Das genaue Gehalt hängt natürlich stark von der Branche und anderen Faktoren ab: Ingenieur*innen und Na-Wis erwarten circa 37 bis 44 Tausend Euro, Geisteswissenschaftler*innen circa 24 bis 32 Tausend Euro Brutto im Jahr. IT, Consulting, Finance und Ingenieurwesen sind im übrigen die typischen Branchen, in denen eine Traineeausbildung angeboten wird – aber auch andere Bereiche ziehen inzwischen nach.

++10% weniger Gehalt als Direkteinsteiger*innen verdienst du während des Trainees.++

 

DIE VOR- UND NACHTEILE AUF EINEN BLICK

VORTEILE:

+ Orientierungshilfe: Vor allem bei klassischen Traineeprogrammen hilft die häufige Job-Rotation dabei, alle Unternehmensbereiche kennenzulernen und so den eigenen Talenten und Präferenzen auf die Spur zu kommen.

+ Förderung: Der hohe Aufwand soll sich für das Unternehmen lohnen. Deswegen warten auf dich Top-Schulungen und Förderungen.

+ Auslandsstationen: Viele Traineeships beinhalten Auslandsstationen, bei denen du ein halbes oder ganzes Jahr Neuland betreten darfst. Die dort gesammelten Erfahrungen sind für deine weitere Karrierelaufbahn sowohl sprachlich als auch auf persönlicher Ebene unglaublich wertvoll.

+ Netzwerken: In jeder Abteilung lernst du neue Mitarbeiter*innen kennen, mit denen du dich für später vernetzen kannst. Vor allem in größeren Unternehmen ist es nicht unwahrscheinlich, schonmal mit dem Vorstand in Kontakt zu kommen.

+ Geführter Einstieg: Das Traineeship ist sozusagen die Anlaufbahn für den Sprung auf der Karriereleiter. Du startest erst langsam und wirst intensiv eingearbeitet, um am Ende hoch hinaus zu kommen.

NACHTEILE:

+ Startkapital: Erstmal verdienst du weniger als deine Kolleg*innen, die den Direkteinstieg gewählt haben. Später wird sich dieses Verhältnis allerdings höchstwahrscheinlich umdrehen.

+ Harte Auswahlverfahren: Die Hürden sind hoch und die Auswahlverfahren oft langwierig. Natürlich kann die Ernüchterung hoch sein, sollte es doch nicht klappen.

+ Risiko: Ein großes Problem bei Traineeprogrammen ist die fehlende Zertifizierung. Wenn du Pech hast, wird eine eigentliche Praktikantenstelle als Traineeprogramm getarnt, du sammelst wenig Erfahrungen und verdienst noch weniger Geld.

ZU GUTER LETZT

Fazit: Wenn du genau weißt, welche Stelle du möchtest, kein Interesse an zwei weiteren Jahren Ausbildung hast und keine Führungsposition anstrebst, solltest du die Finger vom Programm lassen. Willst du stattdessen die Zusammenhänge hautnah miterleben, dich erst ausprobieren, gleichzeitig auf verschiedenen Ebenen neue Erfahrungen sammeln möchtest und bereit bist, für deine spätere Traumposition nochmal Energie und Zeit zu investieren, bist du der*die perfekte Anwärter*in für ein Traineeprogramm.

 


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