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Wie bewertest du ein qualifiziertes Arbeitszeugnis?

Du möchtest dich weiterentwickeln oder hast den alten Job einfach satt? Arbeitszeugnis ausstellen lassen und auf zu neuen Ufern! Doch was genau hat dein alter Chef eigentlich in das Zeugnis geschrieben? Wie du die Codes knackst und welche Formulierungen was bedeuten erfährst du von uns!

Arbeitszeugnis bewerten: Der Aufbau

Das klassische Arbeitszeugnis beginnt mit der Einleitung, deinem Namen und Geburtsdatum, deiner Stellenbezeichnung und dem Eintrittstermin. Anschließend stellt sich die Firma in knappen Sätzen mit Angaben wie Firmengröße, Fachgebiet und Organisationsform vor. Danach kommt deine Aufgabenbeschreibung, beginnend mit der wichtigsten. Sie wird stichpunktartig in einem  sachlich-neutralem Ton verfasst. Ganz zum Schluss erst folgt der Teil deiner Leistungsbeurteilung, bestehend aus verschiedenen Einzelaussagen, die sich auf Arbeitsweise, Arbeitsbereitschaft, Arbeitsbefähigung, Arbeitserfolg und Führungsverhalten beziehen.

Arbeitszeugnis bewerten: Codes knacken – Beispiele für Zeugnisformulierungen

Im Arbeitszeugnis wird, ähnlich wie im Schulzeugnis, deine Leistung durch Noten ausgedrückt. Kleiner Unterschied: Die Noten werden in Sätzen formuliert, die es zu entschlüsseln gilt.

Note 1: Stets/ immer zu unserer vollsten Zufriedenheit; Übertraf jederzeit unsere Erwartungen; in jeder Hinsicht sehr gut; …

Note 2: Stets zu unserer vollen Zufriedenheit; waren jederzeit gut; …

Note 3: zu unserer vollen Zufriedenheit

Note 4: zu unserer Zufriedenheit; allen Aufgaben hat er/sie sich mit Begeisterung gewidmet (nicht mit Erfolg); er/sie hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen; er/sie hat sich bemüht, seinen/ihren Aufgaben gerecht zu werden. 

Arbeitszeugnis: Lesen und bewerten

Freie Hand hat dein Chef bei der Beurteilung deines Verhaltens, hier lässt sich durch geschicktes Formulieren so gut wie alles beschreiben. Sätze wie »Durch seine Geselligkeit trug er zur Verbesserung des Betriebsklimas bei« sind für Personaler der Hinweis auf Alkohol am Arbeitsplatz. »Für die Belange der männlichen/weiblichen Belegschaft bewies er/sie stets Einfühlungsvermögen«, klingt zunächst nett formuliert, bedeutet aber nicht weniger als sexuellen Kontakt im Betrieb. Ein No Go! Versteckte Hinweise auf eine Tätigkeit im Betriebsrat oder in einer Gewerkschaft werden mit »Er zeigte Einsatz für seine Kollegen« verpackt. Hast du ein »kommunikatives Wesen« oder bist ein »guter Gesprächspartner« möchte dein Chef mitteilen, dass du leider etwas geschwätzig bist.

Hast du das Unternehmen freiwillig verlassen oder gehst aufgrund eines Aufhebungsvertrags, darf dieser Hinweis nicht ohne dein Einverständnis im Arbeitszeugnis erwähnt werden. Überlege dir gerade bei außerordentlichen Kündigungsgründen, ob du dieses Detail in deinem Zeugnis stehen haben möchtest.

Im Schluss deines Arbeitszeugnisses steht in der Regel idealerweise, wie sehr der Arbeitgeber dein Ausscheiden aus dem Unternehmen bedauert, dankt dir für deine Arbeit und wünscht dir beruflich und privat nur das Beste. Entweder bestätigt dein Chef damit seine zuvor getätigten Aussagen oder relativiert sie ein wenig. Steht die Schlussformel im Widerspruch zu deiner Beurteilung, kannst du ein Zeugnis ohne Schlussformel verlangen.

Arbeitszeugnis bewerten: Darauf solltest du achten!

  • Arbeitszeugnis ist nicht gleich Arbeitszeugnis: Dir steht ein qualifiziertes Arbeitszeugnis zu! Anders als bei einem einfachen Arbeitszeugnis steht hier auch etwas über dein Verhalten und deine Leistungen.
  • Achte auf die Qualität, nicht nur inhaltlich, auch äußerlich. Das Zeugnis sollte auf einem hochwertigen Geschäftspapier in A4 Größe geschrieben sein – ungelocht. Kleine Knicke im Papier machen solange nichts, wie man sie beim Kopieren oder Einscannen nicht erkennen kann. Unterschrieben werden MUSS das Zeugnis von deinem Vorgesetzten höchstpersönlich.
  • Was wünscht dir dein Chef zum Abschied? »Alles Gute« …persönlich? Beruflich? Feinheiten entscheiden hier, welchen Eindruck dein neuer Chef oder Personaler von dir gewinnt. Einen bomben Formulierung wäre zum Beispiel: »Wir danken Herrn/Frau XY für die stets hervorragende Zusammenarbeit und bedauern sehr, ihn/sie als Mitarbeiter zu verlieren. Für seinen/ihren weiteren Berufs- und Lebensweg wünschen wir ihm/ihr alles Gute und auch weiterhin viel Erfolg.«
  • Wichtig ist das Datum der Ausstellung: Es sollte immer der letzte Tag des Arbeitsverhältnisses sein, egal ob Sonn- oder Feiertag. Verlangst du dein Zeugnis erst nach Beendigung der Vertragslaufzeit hast du keinen Anspruch mehr auf Rückdatierung.

Arbeitszeugnis richtig bewerten: Was nicht fehlen darf

Gesetzlich gilt das ›Gebot der Zeugnisklarheit‹, was bedeutet, dass dein Arbeitszeugnis klar und verständlich formuliert sein muss. Außerdem sollte es nicht so geschrieben sein, dass es dritte als wortwörtliche Aussage über dich verstehen können. Zudem ist es deinem Chef verboten, Passagen komplett wegzulassen, die für deinen beruflichen Werdegang von Bedeutung sind.

Arbeitszeugnis: Wer bewertet dein Arbeitszeugnis?

Das Arbeitszeugnis ist besonders für deinen neuen Chef wichtig, beziehungsweise die Personalabteilung deines neuen Unternehmens. Da zu den meisten Bewerbungen Arbeitszeugnisse verlangt werden, ist es wichtig, dass du dir von jedem bisherigen Arbeitgeber ein Zeugnis ausstellen lässt. Es ist nicht nur ein Zeugnis über deine Leistung, sondern belegt auch einen lückenlosen Lebenslauf.


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