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Wiwis mit Sahnehäubchen: Zusatzqualifikationen im Check

Warum dich fachliche Zusatzqualifikationen weiterbringen und auf welche du jetzt setzen solltest

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat sich die Zahl der Erwerbstätigen mit wirtschaftswissenschaftlichem Studienabschluss in den letzten Jahren fast verdoppelt. Angesichts der steigenden Absolventenzahlen wird es für Betriebswirtschaftler umso wichtiger, sich durch Zusatzqualifikationen von der Masse 
abzuheben. 

Sprachkenntnisse, Auslandserfahrung und einen sicheren Umgang mit Word, Excel und PowerPoint setzen Unternehmen inzwischen als selbstverständlich voraus. Wer jedoch mit fundiertem fachspezifischem Wissen in Bereichen wie Informatik, Technik oder Jura punkten kann, unterscheidet sich deutlich von seinen Mitbewerbern und ist bei zahlreichen Unternehmen heiß begehrt.

Die Digitalisierung im Blick

Dr. Matthias Meyer-Schwarzenberger, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb), ist sich sicher: »Wer positiv auffallen will, muss deutlich machen, dass er dem Unternehmen einen geldwerten, zur Unternehmenskultur passenden Mehrwert bietet.« Dabei bezieht er sich neben der Persönlichkeit, die in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der Personalverantwortlichen gerückt ist, vor allem auf bestimmte Spezialkenntnisse wie Datamining und Statistik. Diese beiden Bereiche sind fest im alles beherrschenden Trendthema integriert – der Digitalisierung. Sie bringt unter anderem veränderte Geschäftsprozesse, neue Datenerhebungs- und Analysemethoden, Vertriebskanäle und Wettbewerber. Um diesen neuartigen Anforderungen gerecht zu werden, brauchen Unternehmen vor allem Wirtschaftsinformatiker und Berater. Gerade Absolventen fachübergreifender Studiengänge seien gefragter denn je, da sie typische Denkweisen, Begrifflichkeiten und Entscheidungskriterien aus zwei verschiedenen Welten kennen, weiß bdvb-Geschäftsführer Meyer-Schwarzenberger. Daneben setzen Unternehmen vermehrt auf gemischte Teams, die an Projekten und Produkten arbeiten, bei denen technische Aspekte von zentraler Bedeutung sind.     

Konto-Plus im Fokus

»In fast allen Bereichen sind gegenwärtig besonders digitale Skills beziehungsweise die Kombination aus BWL und IT-Technologie gefragt«, sagt Olaf Pätz, Geschäftsführer bei Gehaltsreporter. Welche Zusatzqualifikationen welches Gehaltsplus bringt, ließe sich aber nur schwer sagen, da sehr viele Faktoren beim Einstiegsgehalt eine Rolle spielen – allen voran die Art des Abschlusses und die Note. So steigt ein Kandidat mit Doktortitel mit einem rund 15 Prozent höheren Gehalt ein als ein Masterabsolvent. Bachelorabsolventen liegen bei Berufseinstieg im Schnitt rund zehn Prozent unter dem Gehaltsniveau von Masterabsolventen. BWLer, die eine Promotion anstreben und ein Händchen für IT haben, können also richtig absahnen.

BWLer ist nicht gleich BWLer

»Wir merken im Bewerbungsprozess die Unterschiede, je nachdem ob die Kandidaten sich auf Finanzen, Strategie oder Marketing spezialisiert haben. Sie bringen von vornherein unterschiedliche Fähigkeiten und Kenntnisse mit. Spezielle Zusatzqualifikationen sind für uns nicht entscheidend, können aber helfen, ein Profil zu schärfen: Spezialisierungen in Technik, IT und Digitalisierung sehen wir immer häufiger. Im Moment haben noch nicht viele diese Kenntnisse. Aber es wird nicht mehr lange dauern, bis diese Skills die neue Normalität sind. Generell ist es gut, wenn Bewerber kein zu glattes Profil haben. Wir finden es interessant, wenn wir eine Kante finden, an der wir uns festhalten können. Bei uns gibt es BWLer, die ein Zweitstudium in Chemie oder Slawistik mitbringen oder eine Theaterausbildung abgeschlossen haben. Wir nennen es das ›something else‹, das für die Persönlichkeit wichtig ist und einen Bewerber ausmacht. Mein Rat an alle BWLer: Macht das, wofür ihr wirklich brennt und nehmt nicht zu viele Abkürzungen. Denn auch so könnt ihr Erfahrungen und Qualifikationen sammeln, die euch im Bewerbungsprozess von der Masse abheben.« Philipp Jostarndt, Partner und Recruitingchef bei der Boston Consulting Group

Den Horizont erweitern

»Seit August 2016 arbeite ich als Berater bei Cofinpro. Dort unterstütze ich Banken dabei, ihre Prozesse im Wertpapierbereich zu verbessern. Auf den ersten Blick passt das gar nicht zu meiner Zusatzqualifikation: Ich bin Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph. Doch im Job zahlt sich diese Kombination aus. Ich profitiere von den Denkstrukturen, mit denen ich als Philosoph an Herausforderungen herangehe. So betrachte ich Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven und über ihren fachlichen Gehalt hinaus. Mich interessiert dabei nicht nur die offensichtliche Aufgabe, sondern der Kern dahinter. Das bringt mich im Projekt weiter, da ich neue Lösungswege gehen und aufzeigen kann, was vom Kunden honoriert wird. Ich empfehle jedem Studenten, sich breit aufzustellen und den Horizont zu erweitern. Wichtig ist, sich auf unterschiedlichen Ebenen mit Themen zu beschäftigen.« Simon Mangel, Consultant bei Cofinpro

IT als Zusatzqualifikation

»Für mich lag es nahe, mein betriebswirtschaftliches Interesse mit meiner Leidenschaft für IT zu verbinden, um mein eigenes Profil zu schärfen und mich so von der Masse der BWLer abzuheben. Während des Auswahlprozesses wurde mein Wissen in beiden Bereichen abgefragt, vor allem aber meine Zusatzkenntnisse in IT. Mein SAP-Zertifikat sowie meine bisherigen Projekte haben mir sicherlich dabei geholfen zu belegen, wie umfassend mein IT-Verständnis wirklich ist. Bei Arvato arbeite ich nun mit zwei Zielgruppen zusammen: Auf der einen Seite steht der Kunde, dessen betriebliche Prozesse ich analysieren, verstehen und schließlich in die ›IT-Welt‹ übertragen muss. Auf der anderen Seite stehen die IT-Experten mit der Software, die das Unternehmen bestmöglich und individuell unterstützen sollte. Hier hilft mir meine Zusatzqualifikation, um zwischen beiden Seiten zu vermitteln und den Kunden möglichst kompetent zu beraten.« Jonas Hagemeister, Junior Expert SAP bei der Bertelsmann-Tochter Arvato
 


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