Mädchen vor Wand mit Aufdruck

Wie macht man Karriere in den USA? Interview mit Elsita Meyer-Brandt

Elsita Meyer-Brandt hat das gemacht, wovon viele träumen: Karriere in den USA. Ein Interview über ihren Arbeitgeber Eventbrite und den Schritt über den großen Teich

Frau Meyer-Brandt, 2016 feiert Eventbrite zehnjähriges Jubiläum – welches Fazit werden Sie dann ziehen können?

Wir sind weltweit der größte Marktplatz für Live-Events geworden, also die erste Anlaufstelle für Menschen, die eine Veranstaltung planen, aber auch für alle, die etwas Interessantes oder Aufregendes erleben oder lernen wollen. 

Ganz grob gesagt: Was macht Eventbrite eigentlich?

Eventbrite ist eine Online-Ticketingplattform, mit der wirklich jeder schnell, einfach und professionell Veranstaltungen aufsetzen, bewerben und dafür Online-Tickets verkaufen kann. Teilnehmer kaufen die Tickets online oder direkt über ihr Smartphone und kommen mit ausgedruckten oder mobilen Tickets zur Veranstaltung, die dann mit unserer kostenlosen Eventbrite-App für Smartphones und Tablets vom Veranstalter gescannt werden. Über Eventbrite können Tickets für alle möglichen Veranstaltungen verkauft werden. Das kann ein kleines Seminar sein, eine Party, ein Sommerfest oder ein Festival mit zehntausenden Besuchern. Eventbrite-Veranstalter sparen so unglaublich viel Zeit, können einfach online mit ihren Teilnehmern über unsere Plattform kommunizieren und wissen zu jeder Zeit, wie viele Tickets schon verkauft wurden, wer schon da ist und wie viele Gäste noch kommen. Das ist übrigens auch bei kostenlosen Veranstaltungen wichtig, zum Beispiel wegen der Brandschutzbestimmungen. Ganz nebenbei: Veranstalter von kostenlosen Events können Eventbrite und alle Funktionen komplett kostenlos nutzen.

Bitte nehmen Sie uns kurz mit in die Geschichte des Start-ups: Wie hat alles angefangen und wie sieht die Entwicklung bis heute aus?

Eventbrite wurde 2006 in San Francisco gegründet, von Kevin und Julia Hartz und Renaud Visage. Das war eine ziemlich undankbare Zeit für Start-ups, denn es war gerade erst die dotcom-Blase geplatzt, und dementsprechend war es schwer, Investoren für ein junges Unternehmen zu finden. Die ersten paar Jahre haben die drei Eventbrite dann komplett ›bootstrapped‹, also ohne fremdes Kapital hochgezogen, und in dieser Zeit bewiesen, dass ihr Geschäftsmodell funktioniert und die Ergebnisse entsprechend gut waren. Mittlerweile haben wir renommierte Investoren wie Sequoia oder Tiger Global, die die rasante Expansion von Eventbrite unterstützen. Weltweit haben wir schon über 200 Millionen Tickets im Wert von über zweieinhalb Milliarden Euro bearbeitet, weit über eine Milliarde davon im vergangenen Jahr. Heute haben wir circa 500 Mitarbeiter in Nord- und Südamerika, Europa und Australien. Erst Anfang dieses Jahres haben wir auch ein Büro in Berlin eröffnet.

Wie sind Sie zu Eventbrite gekommen?

Ich bin 2011 für ein MBA-Studium an der Haas School of Business (UC Berkeley) nach Kalifornien gezogen. Als Teil des MBA-Studiums habe ich nach einem Jahr ein Sommerpraktikum absolviert – bei Eventbrite. Das Start-up hatte ich auf einem unserer Haas-Technology Treks kennengelernt und war sofort vom Geschäftsmodell und den internationalen Expansionsplänen begeistert. Nach drei Monaten Praktikum, bei dem ich mich vor allem um die ersten Tests in Europa gekümmert habe, hat mir Eventbrite direkt eine Stelle angeboten. Das zweite MBA-Jahr habe ich dann Teilzeit schon gearbeitet – was neben dem full-time MBA-Studium nicht ohne war,  aber es hat sich gelohnt. Am 31. Mai habe ich mein Studium abgeschlossen und am 1. Juni ging es dann direkt mit der Vollzeit-Stelle bei Eventbrite los.

Welche Aufgaben haben Sie heute dort?

Ich helfe dem Unternehmen, strategische Entscheidungen rund um das Thema globale Expansion zu treffen, zum Beispiel in welchen Markt wir als nächstes expandieren sollten, wann und vor allem wie. Anschließend leite ich für Eventbrite den Eintritt in die jeweiligen neuen Märkte auf der ganzen Welt und habe beispielsweise unsere Teams in Irland, Australien und vor Kurzem in Deutschland aufgebaut. Normalerweise bin ich zwischen einem und zwölf Monaten beim Aufbau eines Marktes dabei. Vor zwei Jahren haben wir ein Unternehmen in Argentinien gekauft, mit einem kleinen Team in Brasilien. Hier helfe ich zum Beispiel die Aktivitäten in Brasilien weiter auszubauen. Dabei fließt dann das geballte Wissen aus den anderen Märkten, alles, was wir ausprobiert und gelernt haben, ein.

Eine Karriere in San Francisco, davon träumen viele. War das auch Ihr Traum und wie haben Sie es geschafft, diesen zu verwirklichen?

Als ich damals mit dem MBA angefangen hatte, war ich mir noch gar nicht sicher, ob ich wirklich in San Francisco bleiben wollte. Da mein vorheriger Arbeitgeber mein MBA-Studium zum Teil mitfinanziert hat, war ich eigentlich dazu verpflichtet ein Jahr lang zurückzukehren. Aber nach dem spannenden Sommer bei Eventbrite und dem Angebot, bei einem so schnell wachsenden Start-up im Bereich internationale Expansion zu arbeiten, konnte ich einfach nicht nein sagen. Zudem bin ich vom Business Modell und der Vision von Eventbrite total überzeugt. Ich liebe es, auf Events zu gehen und bin glücklich, dass ich für ein Unternehmen arbeite, bei dem ich komplett hinter dem Produkt stehe.

Was muss man Ihrer Meinung nach mitbringen, um als Ausländer in den USA Karriere machen zu können?

Flexibilität, Adaptionsfähigkeit und vor allem: Expertise in einem bestimmten Bereich, die das Unternehmen gerade sucht. Es gibt so viele hochbegabte, motivierte Top-Absolventen von renommierten Universitäten in den USA. Warum sollte sich ein Unternehmen dann für jemanden entscheiden, der zwar die gleichen Qualifikationen mitbringt, für den sie aber erst noch ein Visum organisieren müssen? Das ergibt erst dann Sinn, wenn du etwas in das Unternehmen einbringen kannst, das andere nicht haben. Das musst du dem Unternehmen gut verkaufen und dich am besten in einer Probezeit, zum Beispiel einem Praktikum oder einer Studie, beweisen – und dann ist es gar nicht so schwer. Viele meiner internationalen MBA-Freunde aus Brasilien, Portugal, Japan oder England sind auch in San Francisco geblieben und arbeiten jetzt bei Top-Unternehmen. 

Eventbrite ist nach und nach in viele neue Märkte vorgedrungen: Was muss man beachten, wenn man in ein neues Land beziehungsweise einen neuen Markt expandiert?

Noch vor dem Markteintritt sollte man sich überlegen, ob es überhaupt der richtige Markt für eine Expansion ist. Die Nachfrage muss da sein, und das Produkt muss zum Markt passen. In Deutschland zum Beispiel ist es wichtig, die richtigen Zahlungsmethoden anzubieten. In einem Lastschrift dominierten Markt kommt man mit reiner Kreditkartenzahlung nicht weit. Das Produkt muss außerdem gut lokalisiert und an die Bedürfnisse vor Ort angepasst sein. Das fängt bei der Sprache an: Die Übersetzungen und der Ton müssen stimmen, um Vertrauen aufzubauen. Eine andere wichtige Grundlage für den Erfolg vor Ort ist ein Team, das den Markt versteht. Ich baue zwar auch auf meine eigenen Kenntnisse, aber lokales Know-how und ein tiefes kulturelles Verständnis sind sehr wichtig, um potenzielle Kunden im jeweiligen Markt erfolgreich anzusprechen. Diese intensive Lokalisierung findet natürlich immer im Rahmen unserer globalen Unternehmenskultur statt, die ursprünglich in unserem Hauptsitz in San Francisco geprägt wurde. Diese frohe, freundliche und motivierende Kultur beizubehalten und mit der teils unterschiedlichen Arbeitskultur vor Ort zu vereinbaren, verlangt manchmal viel Fingerspitzengefühl.

Welche Schlüsselerlebnisse hatten Sie dabei?

Wie wichtig eine ernsthafte Lokalisierung ist, haben wir in Deutschland gelernt. Unser Produkt war weltweit erfolgreich und auch in Deutschland verfügbar, über eine deutschsprachige Seite und App. Allerdings sind wir hier nicht so schnell gewachsen wie in anderen Ländern. Wir sind daraufhin richtig tief in den Markt eingestiegen, haben mit vielen Veranstaltern in ganz Deutschland persönlich gesprochen. Dabei haben wir unter anderem gelernt, dass die Zahlung auf Rechnung oder das Lastschriftverfahren für bestimmte Veranstalter unverzichtbar ist. Oder dass eine rein grammatikalisch korrekte Übersetzung unserer App und der Seite nicht ausreicht: Um Vertrauen zu erwecken, müssen wir auch deutsch klingen. Ganz wichtig, speziell für bestimmte Veranstaltungstypen, schien auch der kontinuierliche, persönliche Kontakt vor Ort zu sein. Wir haben da im engen Dialog mit unseren (potenziellen) Nutzern sehr viel gelernt, das dann zügig im Produkt umgesetzt und Anfang Januar ein Büro in Berlin eröffnet. Der Aufwand hat sich gelohnt: Wir sind hier jetzt ›richtig deutsch‹ und mit unserem Team in Berlin wachsen wir seit der Büroeröffnung im dreistelligen Bereich. Unsere deutschen Veranstalter haben alleine im ersten Halbjahr 2015 schon Tickets im Wert von mehreren Millionen Euro über Eventbrite verkauft.

Was haben Sie aus Ihrer bisherigen Tätigkeit gelernt, das Sie unseren Lesern auf den Weg geben können?

Man braucht viel Mut. Ich hatte vorher noch nie bei einem Start-up gearbeitet. Da ist man von vielen hoch talentierten Menschen umgeben. Das ist unglaublich toll, und man sollte sich davon auch nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil: Das ist eine echte Wachstumschance.

Elsita Meyer-Brandt ist gebürtige Berlinerin und seit drei Jahren bei Eventbrite. Sie bereitet den Eintritt in neue Märkte auf der ganzen Welt vor, so in Irland, Australienund Deutschland. Zuvor hat sie als Beraterin bei Solon Management Consulting Projekte für einige der größten Medienkonzerne Europas abgewickelt.


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