Finger deutet auf Intersex-Symbol
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Drittes Geschlecht – (m/w/d), inter, divers oder ganz anders?

Ein Blick über den Tellerrand: Wusstest du, dass es in Deutschland zwischen 80 und 120 Tausend ›intersexuelle‹ Menschen gibt? Durch Stellenanzeigen, die sich nur an Männer und Frauen richten, werden diese nicht angesprochen. Für diese Problematik gibt es noch keine gesetzlich vorgegebene Lösung, aber seit Oktober 2017 spaltet das Thema die Gemüter. Warum? Alle Infos hier bei uns.

Drittes Geschlecht – Was ist Intersexualität?

Eine kurze Suche im allseits bekannten Online-Lexikon ›Wikipedia‹ bringt Klarheit:

»Mit Intersexualität bezeichnet die Medizin Menschen, die genetisch (aufgrund der Geschlechtschromosomen) oder auch anatomisch (aufgrund der Geschlechtsorgane) und hormonell (aufgrund des Mengenverhältnisses der Geschlechtshormone) nicht eindeutig dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden können.«

Ein wichtiger Zusatz: Transsexuelle zählen nicht zur Intersexualität. Bei der Transsexualität besteht eine biologische Eindeutigkeit. Sie fühlen sich diesem biologischen Geschlecht jedoch nicht zugehörig.

Noch ein wichtiger Zusatz: Hier geht es nur um das Geschlecht – nicht um die sexuelle Orientierung.

Drittes Geschlecht – rechtliche Aspekte

Am 10. Oktober 2017 hat das Bundesverfassungsgericht im Zusammenhang mit den Artikeln §§ 21, 22 des Personenstandsgesetzes (PStG) einen Entschluss zum dritten Geschlecht gefasst. Dieser hat sehr weitreichende Auswirkungen, die wiederum gesetzlich geregelt werden müssen. Mit dem Entschluss ist der Gesetzgeber dazu aufgerufen das Personenstandsrecht bis zum 31. Dezember 2018 zu ändern – also bis Ende dieses Jahres. Personen, die sich dauerhaft weder dem männlichen, noch dem weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, soll eine passende Eintragungsmöglichkeit des Geschlechts in das Geburtenregister ermöglicht werden.

Die Möglichkeit, keinen Geschlechtseintrag vorzunehmen, gibt es bereits. Statt eine Auswahl zu treffen auf die Wahl verzichten zu können stellt jedoch keine wirklich zufriedenstellende Möglichkeit dar. Der Gesetzgeber könnte sich jetzt dazu entscheiden, generell auf den Geschlechtereintrag zu verzichten. Wahrscheinlicher ist jedoch eine weitere Eintragsmöglichkeit. ›Divers‹, ›inter‹ oder ›anders‹ wurden bereits als Optionen genannt.

Drittes Geschlecht – die Problematik

Das klingt alles sehr kompliziert? Keine Sorge. Der Artikel ist noch nicht zu Ende. Hier einige Aspekte zu nennen, mit denen du vielleicht nicht gleich gerechnet hast:

  • Du hast sicher bereits von der „Frauenquote“ gehört. Diese soll die Besetzung von Aufsichtsrats, Vorstands- und Führungspositionen durch Frauen fördern. Muss diese jetzt um eine Quote für das dritte Geschlecht ergänzt werden?
  • In vielen Unternehmen gibt es Kleiderordnungen, die das Erscheinungsbild der Beschäftigten und damit die Präsentation des Unternehmens nach Außen regeln – getrennt für Frauen und Männer. Muss eine dritte Möglichkeit festgelegt werden? Müssen Personen, die sich einem dritten Geschlecht zugehörig fühlen, kenntlich gemacht werden?
  • Wie sieht es bei den sanitären Einrichtungen aus? Bisher mussten Örtlichkeiten sowohl für Männer als auch Frauen bereitgestellt werden. Muss es in Zukunft eine dritte Option geben, oder wird auf ein unisexSystem umgestellt?

Ganz grundsätzlich frägst du dich sicher auch: »Warum eigentlich ›Drittes‹ Geschlecht?« Fängt hier nicht bereits die Diskriminierung an? Wenn es ein ›drittes‹ Geschlecht gibt, dann muss es folglich ein ›erstes‹ und ›zweites‹ Geschlecht geben.  Die Problematik, die der Erlass im letzten Oktober aufgezeigt hat, sollte klar geworden sein.

Drittes Geschlecht bei Stellenausschreibungen

Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) konntest du in Stellenbezeichnungen bisher üblicherweise den Zusatz ›(m/w)‹ lesen. Dieser soll jetzt um das Kürzel für ›divers‹ oder ›inter‹ ergänzt werden. Also so: ›(m/w/d)‹ oder ›(m/w/i)‹.

Das allseits bekannte ›StudentInnen‹ musst du in Zukunft vielleicht durch ein ›*‹ oder der Gender-Gap ergänzen. Das große I fällt dabei übrigens weg. Also so: ›Student*innen‹ oder ›Student_innen‹

Personaler versuchen sich bereits an komplett geschlechtsneutralen Stellenausschreibungen. Ein ›Leiter‹ oder eine ›Leiterin‹ wir hier zur neutralen ›Leitung‹.

Drittes Geschlecht – Wie soll formuliert werden?

Wichtig ist das nicht nur für den Titel oder die Betreffzeile der Stellenausschreibung. Auch die generische Anrede ›Sehr geehrte Damen und Herren‹ ist mit einem dritten Geschlecht nicht mehr zu gebrauchen. Wie wäre es mit ›Sehr geehrte Mitarbeiter*innen‹ oder ›Sehr geehrte Auszubildende‹?

Im Sprachgebrauch sind Sonderzeichen jedoch eher unpraktikabel. Was machen, wenn weder ›Guten Tag Herr Mustermann‹, noch ›Guten Tag Frau Musterfrau‹ passt? Auch wenn es sperrig scheint: Nutze Vor- und Nachname. ›Guten Tag Max Mustermann‹ oder ›Guten Tag Manuela Musterfrau‹ funktionieren auf jeden Fall. Zur Demonstration fehlt jetzt nur noch ein passender Beispielname für das dritte Geschlecht – den müssen wir auch noch festlegen.

Drittes Geschlecht – Fazit

Ganz egal was der Gesetzgeber Ende des Jahres für einen Lösungsweg vorschreibt, wichtig bleibt: Mensch bleibt Mensch. Da kommt es auf das Geschlecht nicht an. Wenn du dir nicht sicher bist, wie du deinen Gegenüber ansprechen sollst, oder wie die Anrede am besten formuliert werden sollte: frag einfach nach!
Die Sternchen-Variante finden wir übrigens sehr sympathisch – und zwar so: (m/w/d)*

*Geschlecht, Rasse, Religion, sexuelle Orientierung – völlig egal! Hauptsache du passt zu uns.


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