Junger Mann in schwarzer Jacke sitzt mit dem Rücken zur Kamera - um ihn herum Nebel.
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Fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber oder den Arbeitnehmer: Gründe & Arbeitsrecht

Mit der fristlosen Kündigung kommt der Schock für die Betroffenen – doch auch Arbeitnehmer können fristlos kündigen. Mögliche Gründe und arbeitsrechtliche Grundlagen erfährst du hier

Eine fristlose Kündigung – auch außerordentliche Kündigung genannt – ist immer die letzte Möglichkeit, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Betracht ziehen sollten und können. So muss der Arbeitgeber etwa in den meisten Fällen zuvor mindestens eine Abmahnung aussprechen.

Fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber

Eine außerordentliche Kündigung ist für den Mitarbeiter mit schwerwiegenden Konsequenzen verbunden: Das Gehalt fehlt vom einen auf den anderen Tag, die Miete und andere Kosten können eventuell nicht mehr bezahlt werden und es muss möglichst schnell ein neuer Job gefunden werden, was aus dieser Situation heraus nicht immer einfach ist. Doch zu den finanziellen und existenziellen Sorgen kommen auch noch soziale – die Angst, von Kollegen, Freunden oder der Familie ausgeschlossen zu werden, belastet zusätzlich.

Schon allein aufgrund dieser Konsequenzen ist eine fristlose Kündigung das letzte Mittel. Ihr zuvor muss in den meisten Fällen eine Abmahnung gehen, in der der Mitarbeiter aufgefordert wird, sein Fehlverhalten zu ändern. Zudem muss der Arbeitgeber auch andere Möglichkeiten in Betracht ziehen, entweder eine fristgerechte Kündigung oder aber die Versetzung in eine andere Abteilung.

Mögliche Gründe für die fristlose Kündigung

Doch es gibt Situationen, in denen all diese Optionen keine Lösung sind, weil das Fehlverhalten des Mitarbeiters zu schlimm war. In solchen Fällen kann es zu einer außerordentlichen Kündigung kommen.

1) Diebstahl

Beklaut ein Mitarbeiter seinen Arbeitgeber, muss er mit einer fristlosen Kündigung rechnen – unabhängig vom Wert der gestohlenen Sache. Hintergrund ist das Vertrauen, das durch den Diebstahl beschädigt wurde. Dem Arbeitgeber ist es so nicht zuzumuten, das Arbeitsverhältnis noch bis zum Ende der Kündigungsfrist fortzusetzen. Aber auch hier wird immer abgewogen: Besteht das Arbeitsverhältnis etwa seit sehr langer Zeit, also über mehrere Jahrzehnte, und handelt es sich um den ersten Vorfall, ist eine fristlose Kündigung aus Sicht von Richtern nicht immer gerechtfertigt.

2) Beleidigung

Auch die Beleidigung von Kollegen, Kunden oder gar dem Vorgesetzten kann zu einer fristlosen Kündigung führen – allerdings nur, wenn sie grob genug war, um den Betriebsfrieden zu stören und somit einen wichtigen Grund darstellt. In den meisten Fällen folgt hier zunächst eine Abmahnung. Dennoch: Am besten einfach ruhig bleiben und nichts sagen, was du später vielleicht bereust.

3) Sexuelle Belästigung

Wer Kollegen sexuell belästigt, muss ebenfalls mit einer fristlosen Kündigung rechnen. Grund ist die Störung des Betriebsfriedens. Da es sich bei sexueller Belästigung zusätzlich um eine Straftat handelt, werden auch juristische Konsequenzen folgen.

4) Rufschädigung

Mit der Treuepflicht gegenüber dem Arbeitgeber ist geregelt, dass Arbeitnehmer keine ruf- und kreditschädigenden Aussagen tätigen darf. Dazu zählt auch, wenn sich ein Arbeitnehmer etwa auf Facebook menschenverachtend und abstoßend über Ausländer äußert.

5) Tätlichkeiten

Ganz klar: Wer gegenüber Kollegen in irgendeiner Form handgreiflich wird, riskiert die fristlose Kündigung. Der Betriebsfrieden wird gestört und es zeugt nicht von gutem Charakter, bei Streitigkeiten derart auszurasten. Konflikte können immer auch mit Worten gelöst werden.

6) Betriebsspionage

Mit dem Arbeitsvertrag und teilweise in extra Verschwiegenheitserklärungen werden Arbeitnehmer verpflichtet, Betriebsgeheimnisse zu wahren – und diese insbesondere nicht an die Konkurrenz weiterzugeben. Tut ein Mitarbeiter dies dennoch, drohen die fristlose Kündigung aufgrund des gestörten Vertrauensverhältnisses und möglicherweise sogar strafrechtliche Konsequenzen, bei schweren Vergehen bis hin zur Freiheitsstrafe.

So schlimm die fristlose Kündigung im ersten Moment scheinen mag, es gibt immer wieder einen Neuanfang. Wie du dich nach einer Kündigung wieder bewirbst, haben wir in unserem Artikel ›Bewerbung nach Kündigung – Formulierungen und Tipps‹ für dich recherchiert.

Fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer

Doch nicht nur der Arbeitgeber kann seinen Mitarbeitern fristlos kündigen: Auch Arbeitnehmer können in bestimmten Fällen die außerordentliche und fristlose Kündigung einreichen. Auch hier müssen aber schwerwiegende Gründe vorliegen und zunächst andere Maßnahmen getroffen, beziehungsweise in Betracht gezogen werden. Zahlt der Arbeitgeber das Gehalt etwa wiederholt zu spät oder gar nicht, muss der Mitarbeiter vor der fristlosen Kündigung den Arbeitgeber zunächst abmahnen und eine Frist für die Gehaltszahlung setzen. Erst wenn diese verstrichen ist, spätestens jedoch nach zweieinhalb Monaten können Arbeitnehmer die fristlose Kündigung einreichen.

Außerdem zu beachten ist, dass der Grund für die außerordentliche Kündigung nicht mehr als zwei Wochen zurückliegen oder toleriert werden darf. Wer beispielsweise seine körperliche Gesundheit gefährdet sieht, kann dies nicht erst drei Monate lang tolerieren und dann plötzlich die fristlose Kündigung einreichen.

Mögliche Gründe für die fristlose Kündigung

Folgende Gründe können eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer rechtfertigen:

  • Wiederholte ausbleibende oder unpünktliche Zahlung des Gehalts
  • Unwiederbringlicher Vertrauensverlust zum Arbeitgeber
  • Gefährdung der Gesundheit
  • Andauernde Arbeitsunfähigkeit
  • Wenn der Arbeitgeber eine Straftat von seinem Mitarbeiter verlangt
  • Sexuelle Belästigung
  • Mobbing
  • Diskriminierung
  • Aggressives Verhalten
  • Einbehalten der Sozialabgaben
  • Grobe Verletzung der Arbeitgeberpflichten

Diese Gründe können eine fristlose Kündigung rechtfertigen, sind jedoch nicht immer ausreichend dafür. Oft kommt es deshalb zu einem Streit vor Gericht – schon im Voraus mit einem Anwalt zu sprechen, macht also Sinn, um nicht zu riskieren, dass die fristlose Kündigung nicht anerkannt wird.

Aus diesen Gründen sollte die außerordentliche Kündigung immer die letzte Wahl sein und wirklich nur dann fristlos gekündigt werden, wenn die Situation für die Dauer der Kündigungsfrist unzumutbar ist. Oft hilft zunächst ein Gespräch mit dem Chef, damit sich etwas an der Arbeitssituation verbessert. Auch kann etwa über eine Verkürzung der Kündigungsfrist anhand eines Auflösungsvertrags gesprochen werden – mit Resturlaub und Überstunden kann so gegebenenfalls auch ein sofortiges Fernbleiben von der Arbeit erreicht werden.


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