Foto: John Schnobrich/Unsplash

Frauenförderung in Unternehmen

Bei manchen Unternehmen ist Frauenförderung schon aus den Kinderschuhen gewachsen. Ein paar davon stellen wir vor.

Frauenförderung: Ganz selbstverständlich?

Fresenius ist ab diesem Jahr Kooperationspartner des ›Mentorinnen-Netzwerks für Frauen in Naturwissenschaft und Technik‹ der hessischen Hochschulen. Ziel dieses Netzwerks ist es, angehende Akademikerinnen der sogenannten MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, wie auch aus ingenieurswissenschaftlichen Studiengängen bei ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung zu fördern und ihnen einen praxisnahen Einblick ins Berufsleben zu ermöglichen.

Studentinnen und Doktorandinnen – die sogenannten Mentees – werden von berufserfahrenen Managerinnen, den Mentorinnen, aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Einrichtungen der öffentlichen Hand persönlich begleitet und bei ihrer Karriereplanung unterstützt. Fresenius unterstützt das ›Mentorinnen- Netzwerk‹ mit einem Geldbetrag von jährlich 10.000 Euro und hat zudem eigene Mitarbeiterinnen angesprochen, ob sie sich als Mentorinnen einbringen möchten. Außerdem lädt Fresenius im Juni alle teilnehmenden Mentees zu einer Auftaktveranstaltung ein, für den Oktober ist eine Werksführung vorgesehen. In den nächsten Jahren ist darüber hinaus geplant, Trainingsmaßnahmen für Mentees wie Mentorinnen anzubieten.

»Wir unterstützen das Mentorinnen- Netzwerk einerseits, um dem drohenden Fachkräftemangel in den MINT-Fächern entgegenzuwirken, und andererseits, um unseren eigenen Managerinnen über die klassische Führungskräfteentwicklung hinaus interessante Perspektiven zur persönlichen Weiterentwicklung zu bieten«, so Markus Olbert, Bereichsleiter Personal von Fresenius.
 

Sabrina Östreich, Konstruktionsingenieurin Solar bei der Vaillant Groupin Remscheid

»Als ich 2004 mein Abitur machte, wusste ich schon, dass ich im kreativen Bereich arbeiten will. Ich entschied mich für eine Ausbildung zur Technischen Zeichnerin beim internationalen Heiz- und Klimatechnikspezialisten Vaillant Group, die ich von 2004 bis 2007 absolviert habe. In dieser Zeit habe ich ein immer stärkeres Interesse an Technik entwickelt: Mein Aufgabengebiet im Bereich Regenerative Energien entspricht nicht nur meinen persönlichen Interessen, sondern ist auch entscheidend für die künftige Entwicklung der Heiztechnikbranche. Die Arbeit macht mir so viel Spaß, dass ich zur Weiterbildung ein berufsbegleitendes Maschinenbaustudium an der Rheinischen Fachhochschule in Köln aufgenommen habe. Wenn ich Ende des nächsten Semesters mein Diplom in der Tasche habe, möchte ich auf jeden Fall weiter im Bereich Solarthermie arbeiten.«

Dr. Wolfgang Malchow, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor, Robert Bosch GmbH

»Bei Bosch wollen wir bis Ende 2012 den Anteil von Frauen in Führungspositionen von knapp zehn auf 15 Prozent steigern. Wir haben verschiedene Maßnahmen gestartet, um dieses selbst gesteckte Ziel zu erreichen, etwa Seminare zu Karrierethemen für Frauen. Wir unterstützen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und setzen klare Ziele für alle Bereiche. Für uns ist wichtig, dass Teams vielfältig aufgestellt sind. Vielfalt ist ein wichtiger Treiber für Innovation, viele Köpfe mit unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Geschlechtern tragen zur Ideenfindung bei.«

Julia Raab, Senior Project Manager, Corporate Development, Uhde GmbH

»Nach meinem Examen startete ich meine berufliche Laufbahn bei Uhde, einem Tochterunternehmen von ThyssenKrupp, als Verfahrenstechnikerin. Erste Kontakte hatte ich bereits während eines Praktikums beziehungsweise meiner Diplomarbeit geknüpft. Das Tolle am Ingenieurberuf ist die breite und interessante Arbeitswelt, die sich einem eröffnet. Möglichkeiten liegen in den großen Arbeitsfeldern Forschung, Engineering, Verkauf und Abwicklung, aber auch im Marketing oder Personalwesen. Wer gute Kommunikationsfähigkeiten mitbringt, Spaß an interkulturellen Tätigkeiten und Reisen hat, gerne in Teams arbeitet und fähig ist, sich selbst zu strukturieren, wird erfolgreich sein.«

Dipl.-Ing. Claudia Negele, Projektmanagerin bei der ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH

»Nach meinem Studium der Elektrotechnik und einem Auslandssemester in Australien gelangte ich über ein Mentorenprogramm zur ESG. Das Frauenbüro der TU München bietet ein sogenanntes MentorING-Programm an, bei dem Partnerunternehmen wie die ESG Mentoren stellen, die Studentinnen im letzten Studienjahr beratend begleiten, um ihnen den Weg in die Ingenieurs-Arbeitswelt zu erleichtern. Das Programm bot mir die einmalige Chance, den Arbeitsalltag eines Ingenieurs noch vor Abschluss des Studiums kennenzulernen, Fragen zu Einstieg und Karriere stellen und an einem Bewerbertraining teilnehmen zu können, bei dem Personaler der Partnerfirmen den Mentees Tipps und Ratschläge zum Berufsstart vermitteln. Das MentorING ermöglichte mir einen reibungslosen Übergang in das Berufsleben und die Möglichkeit, direkt in ein Unternehmen einzusteigen, das ich bereits von verschiedenen Seiten her kennengelernt hatte. Als Absolventin war ich zunächst mit den Themen Anforderungs-, Konfigurations- und Änderungsmanagement für den Bereich Elektrik/ Elektronik-Entwicklung im Bereich Automotive betraut. Ähnliche Themen hatte ich bereits in meiner Diplomarbeit bearbeitet und konnte somit meine Erfahrung gut einbringen und weiter ausbauen.

Es schloss sich ein Auslandsprojekt an, bei dem ich Anforderungsprozesse und -strukturen optimierte und implementierte. Interesse an der Weiterentwicklung meiner Karriere in der ESG gekoppelt mit der Empfehlung durch meine Vorgesetzten brachten mich in das ESG-interne Nachwuchskräfte-Entwicklungsprogramm. Vier Jahre nach meinem Berufseinstieg wurde ich zur Projektleiterin benannt und war in dieser Funktion für mehrere Projekte verantwortlich. Parallel wurde ich für das ESG-interne Projektmanager-Entwicklungsprogramm nominiert und damit sehr gut darin unterstützt, meine Projektmanagement-Skills weiter zu vertiefen. 2010 übertrug man mir die Disziplinarverantwortung für 18 Mitarbeiter (darunter ein Drittel Frauen) im Bereich Prozessmanagement. Seit dieser Zeit verantworte ich unter anderem ein Großprojekt rund um CMMI-Prozessoptimierung, Rollout und Coaching, für dessen Erfolg das Team dieses Jahr den ESG-Unternehmenspreis als ›Projekt des Jahres‹ überreicht bekommen hat.«


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