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Kündigungsfristen: Das musst du beachten

Die Kündigungsfrist, die ab Ausspruch der Kündigung läuft, versichert dem Arbeitnehmer die Arbeitszeit inklusive Gehalt und dem Arbeitgeber die Leistung des Mitarbeiters – bis zum Ende der Frist. Alle relevanten Informationen kriegst du hier.

Warum gibt es Kündigungsfristen?

Kündigungsfristen sind durch gesetzliche Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt und in Arbeits- und Tarifverträgen festgehalten. Sie müssen im Falle einer Kündigung immer eingehalten werden. Deshalb ist es wichtig, dass Arbeitnehmer sich im Vorfeld informieren, um bei folgenden Bewerbungen ihren frühesten Eintritttermin korrekt angeben zu können. Wird eine Kündigung vom Arbeitgeber ausgesprochen, gelten die Kündigungsfristen in erster Linie dem Arbeitnehmerschutz. So können sie ihren Arbeitsplatz nicht direkt von heute auf morgen verlieren, sondern haben genug Zeit, sich auf die Veränderung einzustellen und sich nach neuen Jobs umzusehen. Der Arbeitgeber selbst kann in dieser Zeit nach neuen Bewerbern für die Stelle suchen.

Wie lang ist die gesetzliche Kündigungsfrist?

Die Grundkündigungsfrist dauert vier Wochen zum 15. des Monats oder zum Monatsende – unabhängig von Kündigungsgrund und Beschäftigungsdauer. Arbeitnehmer müssen diese Frist also bei einer Kündigung bedenken. Geht die Kündigung vom Arbeitgeber aus,  verlängert sich die Frist je nachdem, wie lange der Mitarbeiter in dem Unternehmen beschäftigt war. Und zwar folgendermaßen:

  • Zwei Jahre beschäftigt: Ein Monat Kündigungsfrist
  • Fünf Jahre beschäftigt: Zwei Monate Kündigungsfrist
  • Acht Jahre beschäftigt: Drei Monate Kündigungsfrist
  • Zehn Jahre beschäftigt: Vier Monate Kündigungsfrist
  • Zwölf Jahre beschäftigt: Fünf Monate Kündigungsfrist
  • 15 Jahre beschäftigt: Sechs Monate Kündigungsfrist
  • 20 Jahre beschäftigt: Sieben Monate Kündigungsfrist

Diese allgemeinen Kündigungsfristen gelten erstmal für alle, es gibt aber Ausnahmen: In Kleinbetrieben mit unter 20 Mitarbeitern kann festgelegt werden, dass die Kündigngsfrist nicht nur zum 15. oder zum Monatsende beginnen kann, sondern jederzeit. Eine weitere Ausnahme bilden Aushilfstätigkeiten, die maximal drei Monate andauern. Hier kann auch eine kürzere Kündigungsfrist vereinbart werden.

Wann beginnt die Kündigungsfrist?

Für den Beginn der Kündigungsfrist sind zwei Kriterien ausschlaggebend:

  • Schriftform: Die Kündigung muss in jedem Fall schriftlich erfolgen. Ausrufe im Streit wie "Sie sind gefeuert!" bringen erstmal gar nichts. Die Kündigung ist erst in schriftlicher Form wirksam und auch dann erst beginnt die Kündigungsfrist.
  • Zugang: Die Kündigung gilt erst, wenn der Arbeitnehmer davon Kenntnis genommen hat, also wenn er Zugang dazu bekommen hat. Dann beginnt auch die Kündigungsfrist.

Was Thema Zugang ist noch etwas komplizierter. Der Fall ist klar, wenn das Kündigungsschreiben persönliche vom Chef an den Mitarbeiter überreicht wird. Schwieriger wird es, wenn es per Post verschickt wird. Denn dann ist nicht immer ganz klar, wann der Arbeitnehmer tatsächlich die Kündigung gelesen hat. Hier ist festgelegt, dass die Kündigung ab dem Moment als zugestellt gilt, wenn sie in den Machtbereich des Empfängers, also seinen Briefkasten, gelangt. Entscheidend ist, wann das passiert. Wird die Kündigung am Abend zugestellt und wahrscheinlich nicht am selben Tag noch gelesen, gilt sie und damit auch die Kündigungsfrist erst am nächsten Morgen. Kommt sie Samstagabend oder Sonntag beim Empfänger an, wird ebenfalls davon ausgegangen, dass sie nicht gelesen wird. Sie ist dann erst ab Montag Morgen wirksam und die Kündigungsfrist beginnt.

Kündigungsfrist in Arbeitsvertrag und Tarifvertrag

In Arbeitsverträgen wird meist auf die gesetzliche Regelung bezüglich Kündigungsfristen hingewiesen. Wichtig: Diese gilt als Mindestsatz! Kürzere Kündigungsfristen sind unzulässig und würden den Absatz des Arbeitsvertrags als ungültig erklären. Verlängerungen der Kündigungsfrist sind möglich, gelten dann aber für beide Seiten. Das heißt, der Arbeitgeber darf nicht für sich eine kürzere Kündigungsfrist als für den Arbeitnehmer veranschlagen. Anders ist es bei Tarifverrägen. Hier wird zwischen befristeten und unbefristeten Arbeitsverhältnissen unterschieden. Die Vorgaben für befristete Verträge sind:

  • unter sechs Monate: Zwei Wochen Kündigungsfrist zum Monatsende
  • bis zu einem Jahr: Ein Monat Kündigungsfrist zum Monatsende
  • zwischen einem und fünf Jahren: Sechs Wochen Kündigungsfrist zum Quartalsende
  • zwischen fünf und acht Jahren: Drei Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende
  • zwischen acht und zehn Jahren: Vier Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende
  • zwischen zehn und 12 Jahren: Fünf Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende
  • über 12 Jahre: Sechs Monate Kündigungsfrist zum Quartalsende

Gibt es eine Kündigungsfrist bei einer außerordentlichen Kündigung?

Eine außerordentliche Kündigung ist laut Gesetz nur mit einem wichtigen Grund zulässig, egal von welcher Seite sie ausgesprochen wird. Dieser Grund muss dafür sprechen, dass eine weitere Zusammenarbeit unzumutbar wäre und deshalb die Kündigungsfrist wegfallen muss. Du kennst vielleicht eher den Begriff der fristlosen Kündigung. Vor ihr braucht es meistens eine Abmahnung durch den Arbeitgeber und die Fehler müssen graviernd sein – ein kleiner Fehler innerhalb eines Projekts reicht also nicht aus. Ausschlaggebende Gründe können Mobbing, Diebstahl, sexuelle Belästigung oder unberechtigte Arbeitsverweigerung sein.

Kündigung: So nutzt du die letzten Tage

Die letzten Tage solltest du nutzen, um Projekte zu beenden und deinen Arbeitsplatz sauber zu verlassen. Wichtig: Dokumentiere dein Vorgehen. So sicherst du dich gegen spätere Vorwürfe ab. Die folgende Checkliste hilft dir dabei:

  • Liste erstellen: Notiere alle Projekte und Aufgaben, an denen du beteiligt bist. Trage dann in die Liste ein, was du in deiner Restzeit noch erledigen willst. Diese Liste arbeitest du dann ab.
  • Übergaben vorbereiten: Falls du manche Projekte nicht abschließen kannst, solltest du die Übergabe sauber vorbereiten, damit dein Nachfolger oder Kollege direkt übernehmen und weitermachen kann.
  • Archiv ausmisten: Gehe deine Ablagen durch und miste alles aus, was du nicht brauchst. Wichtige Dokumente sauber ablegen und an die Kollegen geben.
  • Fragen klären: Es gibt noch Gesprächsbedarf mit den Kollegen oder dem Chef? Jetzt ist die Gelegenheit zur Klärung. So lässt du keine offenen Konflikte zurück.
  • Nachfolger einarbeiten: … wenn er bereits feststeht. So gehst du sicher, dass er deine Aufgaben sofort korrekt übernimmt.
  • Netzwerk pflegen: Überlege dir, mit wem du weiterhin in Kontakt bleiben willst. Dabei zählt Sympathie, aber auch Nutzen.
  • Kontaktdaten austauschen: … und die Kontakte danach auch pflegen!
  • Abschied vorbereiten: Ein Ausstand schadet nicht, um ein gutes Bild zu hinterlassen und sich von guten Kollegen zu verabschieden.
  • Vorbereitungen treffen: Bereite dich auf deinen neuen Job vor.

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