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Warum gibt es so wenige weibliche Professoren?

Nur 19 Prozent aller Professoren in Deutschland sind Frauen. Geht uns die weibliche Intelligenz verloren?

Dass Frauen in den Führungspositionen der Wirtschaft unterrepräsentiert sind, hat schon lange Eingang in die gesellschaftliche Diskussion gefunden. Kaum bekannt ist allerdings, dass nach wie vor nur ein Fünftel der Professorenstühle mit Damen besetzt ist. Besonders auffällig wird dies, wenn man die Bildungslaufbahn in Betracht zieht: Zu Schulzeiten sind Mädchen ihren männlichen Mitschülern meist voraus: engagierter und mit besseren Noten im Zeugnis. Zwar ist das Verhältnis der Geschlechter während des Studienbeginns ausgeglichen und unter den Absolventen sind sogar etwas mehr Frauen als Männer, da Frauen ihr Studium seltener abbrechen. Doch gerade beim Übergang zu höheren Qualifikationen, also auf dem Weg zur Promotion und dann wieder an der Schwelle zur Habilitation, verlassen immer mehr Wissenschaftlerinnen das System. Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung liegt der Frauenanteil unter den Doktoranden bei 44 Prozent, während weibliche Habilitanden nur noch gut ein Viertel der Quote ausmachen und lediglich 19 Prozent der Frauen eine Professorenstelle besetzen.

Männerdominierte Hochschullandschaft

Bei einem Blick auf die Fächer sind die weiblichen Studierenden zwar in den medizinischen, lehrerbildenden und Sprach- sowie Kulturwissenschaften deutlich in der Mehrzahl. »Überall aber sinkt der Frauenanteil beim Einstieg in die wissenschaftliche Karriere gewaltig«, sagt Prof. Dr. Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes. Das Hauptproblem für die geringe Anzahl an weiblichen Professoren läge dabei vor allem an der traditionell männerdominierten Hochschullandschaft, in der Frauen selten zu einer weiteren Qualifikation ermutigt und oft weniger gefördert werden, meint die Professorin:

»Frauen werden alleine schon aufgrund der Vorstellung, sie könnten wegen Familiengründung ihre wissenschaftliche Karriere aufgeben, oft nicht für bestimmte Stellen oder Projekte in Betracht gezogen.«

Darüber hinaus ist der hohe Konkurrenz- und Zeitdruck in der Phase der wissenschaftlichen Qualifikation oft Grund dafür, dass Frauen ihre Ambitionen für eine wissenschaftliche Karriere aufgeben. Dem pflichtet auch Prof. Dr. Susan Gasser, Direktorin des Friedrich Miescher Institute for Biomedical Research in Basel und Gewinnerin des ›Women in Science Awards‹ 2011, bei: »Heute ist die Forschung wettbewerbsorientierter geworden. Manche befürchten, dass sie einfach zu kompetitiv für Frauen geworden ist.«

Mentoring-Programme zur Frauenförderung

Um Frauen trotzdem einen Weg in die wissenschaftliche Karriere aufzuzeigen, sind vor allem Mentoring-Programme ein wichtiger Bestandteil der Förderung. Ihren eigenen Beitrag leistete Gasser bereits als ›Mentorin für Frauenkarrieren‹ und berät weiterhin Nachwuchswissenschaftlerinnen. Man müsse vor allem entschlossen und ehrgeizig sein sowie ein gesundes Selbstbewusstsein haben, um seinen Platz zu finden. Weibliche Netzwerke könnten da sehr helfen, sagt Wintermantel und fügt hinzu: »Wir müssen lernen, uns genauso gut zu vernetzen wie es die Männer seit Langem ganz selbstverständlich tun.« Mentoring-Programme seien unablässig für Frauen, die Familie und wissenschaftliche Karriere unter einen Hut bringen möchten. Hochschulen und unterstützende Ämter müssten auch weniger ›traditionelle‹ Karrieren zulassen und unterstützen, so zum Beispiel mit Teilzeitstellen für Postdoktorandinnen, betont Gasser.
 

Doppelbelastung: Kind und Karriere?

Besonders die Doppelbelastung von Kind und Karriere schreckt viele weibliche Nachwuchswissenschaftler ab. »Es kostet einfach viel Kraft, Familie und die Tätigkeit als Wissenschaftlerin zu koordinieren«, sagt Prof. Dr. Wintermantel. Gerade in der Phase der Familiengründung sei hierbei ein Partner wichtig, der die beruflichen Ambitionen der Frau unterstütze und als gleichberechtigt verstehe. Außerdem müssten gute Möglichkeiten der Kinderbetreuung gegeben sein – und viel Organisationstalent.

Trotz großer Anstrengungen der vergangenen Jahre seien zudem die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Karriere immer noch ungünstig, unterstreicht die Präsidentin der HRK. Für die Professorin Susanne Gasser war die Zeit, in der ihr eigener Sohn zur Welt kam, zwar schwierig, aber sicher nicht unmöglich: »äußerst wichtig sind gute Strukturen für die Betreuung der Kinder, vom Baby bis zum Teenager.«
 

Gleichstellungspolitik an Universitäten

Zwar hat sich hinsichtlich der Fördermaßnahmen viel getan, aber leider ist der Erfolg der universitären Gleichstellungspolitik schwer zu fassen. Der Frauenanteil unter Professoren hat sich erfreulicherweise seit 2000 knapp verdoppelt, doch nach Rechnungen des Kompetenzzentrums ›Frauen in der Wissenschaft und Forschung‹, dauere es noch bis 2040, bis er 40 Prozent betrage. Deshalb plädiert der ein oder andere für eine Quote in der Wissenschaft. Wintermantel sieht dagegen starre Quoten mit Skepsis:

»Wir dürfen Wissenschaftlerinnen nicht dem pauschalen Verdacht aussetzen, ›Quotenfrauen‹ zu sein.«

Damit mehr Frauen ihren Weg in die Forschung finden, sei eine konsequente geschlechtsunabhängige Förderung der besten Absolventinnen und Absolventen nötig. Der Grundstein für eine Gleichberechtigung ist gelegt: Frauen von heute wachsen in dem selbstverständlichen Bewusstsein von Gleichberechtigung auf, partizipieren bis zum ersten Studienabschluss auf völlig gleichem Niveau und werden auf dem Weg in die wissenschaftliche Karriere unterstützt. Aber bis wir tatsächlich ein ausgewogenes Verhältnis in der Wissenschaft vorweisen können, bleibt wohl noch viel zu tun.


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