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Den eigenen Marktwert kennen: Dieses Wissen ist für ein Chefgespräch wichtig

Die meisten Mitarbeiter haben diesen wichtigen Termin mindestens einmal im Jahr: Der Vorgesetzte schickt die Terminnachricht und an Tag X ist das große Treffen mit dem Boss. Das kann freilich auch vom Mitarbeiter angefragt worden sein, oder aber, es findet im Rahmen des jährlichen Zielerreichungsgesprächs statt. Doch welchen Grund es auch immer hat, der Mitarbeiter sollte sich gut vorbereiten. Nur so kann er das Beste für sich herausholen und die richtigen Argumente für das eigene Vorhaben finden. Dieser Artikel gibt Hinweise, welches Wissen vorab unbedingt geprüft werden sollte.

Gehälter in der eigenen Branche kennen

Es ist immer sinnvoll zu wissen, welche Gehälter in der eigenen Branche, der Region und in derselben Position gezahlt werden. In einem Online Gehaltsvergleich lassen sich entsprechende Informationen finden. Beim reinen Gehaltsgespräch bietet dieses Wissen die Grundlage für die eigentliche Verhandlung, denn nur auf dieser Basis kann eine echte Forderung gestellt werden. Wichtig ist, die Region sowie die Berufserfahrung mit zu beurteilen. Wichtig sind das mögliche Gehalt und berufsspezifische Grundlagen jedoch auch in anderen Punkten:

  • Arbeitszeiten – online lässt sich auf Branchenvergleichszeiten häufig auch die durchschnittliche Arbeitszeit einsehen. Mitunter ist es hier möglich, seinen eigenen Arbeitsalltag zu verbessern, indem die Arbeitszeit bei gleichem Gehalt gekürzt oder aber auf Gleitzeit umgestellt wird.
  • Besonderheiten – nicht jede Firma ist finanziell in der Lage, sich an der Konkurrenz zu orientieren. Nun haben Mitarbeiter, die sich im Unternehmen wohlfühlen, aufgrund des Vergleichs jedoch die Möglichkeiten, andere Vorteile herauszuschlagen. Die Gehaltserhöhung könnte nun beispielsweise mit dem Home-Office, einem Firmenwagen oder auch mit der Kostenübernahme der Fahrtkosten vergolten werden. Zudem sind freilich neue Regelungen bezüglich Überstunden oder auch der Urlaubstage denkbar.

Natürlich stellen die Vergleichsgehälter die beste Grundlage für ein Gehaltsgespräch. Doch wer sich wirklich in einem Unternehmen wohlfühlt und weiß, dass er in diesem bleiben will und dort aufsteigen kann, der sollte überlegen, ob nicht auf eine direkte Gehaltserhöhung verzichtet werden sollte, wenn das Unternehmen aktuell noch nicht die Größe der Konkurrenz erreicht hat. Finanzielle oder berufliche Verbesserungen lassen sich auch mit Verzicht erreichen – zumal bei einer Erhöhung immer zu prüfen ist, ob am Ende tatsächlich mehr auf dem Konto ist. Gerade kleinere Gehaltserhöhungen führen gerne dazu, dass durch den Anstieg der Abgaben weniger Nettolohn übrigbleibt.

Eigene Fähigkeiten richtig einschätzen

Chefgespräche sind heikel und kompliziert. Natürlich möchten Mitarbeiter ihre Vorzüge hervorheben und genau das ist auch wichtig. Auf der anderen Seite muss jeder für sich überlegen, ob er nicht im Vorfeld seine Schwächen benennt und diese offenlegt. Nicht selten verlaufen Gespräche besser, wenn ein Mitarbeiter die eigenen Fähigkeiten und Qualifikationen nennt, dann aber mit Schwächen, an denen er arbeiten will, abschließt. Einige Tipps für diesen Bereich:

  • Qualifikationen – zuerst sind dies die echten Qualifikationen, also die, die mit schriftlichen Nachweisen erworben wurden. Diese Qualifikationen erhöhen den allgemeinen Marktwert eines Mitarbeiters.
  • Versteckte Qualifikationen – jeder Angestellte erwirbt im Berufsleben Qualifikationen, über die es keinen direkten Nachweis gibt. Hat ein Mitarbeiter immer wieder andere Aufgabenbereiche mit übernommen, konnte er sich dadurch in neue Programme, Konzepte oder auch Sparten einarbeiten, so sollten diese im Gespräch so behandelt werden, wie das letzte Fortbildungsseminar. Gerade Berufsanfänger machen den Fehler, sich nur auf schriftliche Nachweise zu verlassen, anstatt klipp und klar zu sagen, welche weiteren Aufgaben im Betrieb längst übernommen werden. Es ist niemals davon auszugehen, dass der Chef weiß, dass Mitarbeiter X sich in ruhigen Zeiten für die Aufgaben von Mitarbeiter Z interessiert und auf diesem Gebiet angelernt wurde. Tipp: Diese Punkte sollten unbedingt in einem Zwischenzeugnis stehen, sodass es einen direkten und zeitnahen Nachweis gibt.
  • Schwächen – in Deutschland herrscht eine andere Kultur bezüglich der eigenen Schwächen als in anderen Ländern. Dennoch können Mitarbeiter in einem Chefgespräch punkten, wenn sie ganz klar sagen, wo sie noch Schwächen haben und die wie diese beheben wollen. Mitunter kann dieser Gesprächsteil als Aufhänger für ein weiteres Seminar genutzt werden.

Der letzte Punkt ist durchaus strittig. Trotzdem gilt hier dasselbe, was insgeheim auch für Fehler gilt: Wer diese offen anspricht und sofort mit einer Lösung oder einem Plan fortführt, der wird von vielen Vorgesetzten positiv bewertet und behandelt. Einfacher wird dieser Abschnitt übrigens, wenn vorab eine Selbstbeurteilung verfasst wird.

Die richtigen Argumente

Es gibt Mitarbeiter, die im Rahmen eines Chefgesprächs auf alle Argumente verzichten wollen, da sie schon eine gewisse Zeit im Betrieb sind. Doch warum soll ein Unternehmen ein höheres Gehalt zahlen, eine Beförderung bewilligen oder Zugeständnisse machen, wenn der Mitarbeiter sich nicht einmal die Mühe macht, sein Anliegen zu begründen? Im Vorfeld des Gesprächs sollten also die passenden Argumente überlegt werden. Einige Tipps:

  • Nicht fordern – eine Forderung ist kein Argument, auch nicht, wenn als Referenz Vergleichsgehälter genannt werden.
  • Kein Vergleich – mit Kollegen. Es ist in jedem Gespräch negativ zu sagen, dass man selbst mehr Gehalt oder eine Beförderung wünscht, da Kollege X mehr erhält. Wenngleich es nicht verboten ist, über das Gehalt zu reden, wird dies in Unternehmen oft nicht gewünscht. Zudem wirken diese Vergleiche gerade bei jüngeren Menschen ein wenig, als würde über das Taschengeld auf der Basis diskutiert werden, dass die Freunde ebenfalls mehr bekommen.

Es macht Sinn, die Argumente ausreichend zu belegen und stets in einer Ich-Botschaft ohne Vorwurf zu kommunizieren. Oftmals funktionieren sie sogar besser, wenn vorher Schwächen zugegeben wurden. Dies zeigt die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten, wenngleich die Belohnung jetzt schon eintrifft. Übrigens sind Argumente auch hinsichtlich neuer Weiterbildungen oder weiterer Wünsche wichtig. Es hilft, sich daheim in die Position des Vorgesetzten hineinzuversetzen und sich im Kopf verschiedene Gesprächsverläufe auszumalen. Mit ein wenig Übung ist man nun auf jeden Verlauf vorbereitet und kann immer passend antworten.

Fazit - Vorbereitung ist beim Gespräch alles

Aus welchem Grund ein Gespräch mit dem Vorgesetzten ansteht, Mitarbeiter sollten sich immer gut vorbereiten, ihren Wert kennen, ihre Fähigkeiten samt Schwächen einschätzen können und die richtigen Argumente zur Hand haben. Wer sich gut vorbereitet, geht bereits gestärkt in das Gespräch und wird häufiger zum Erfolg kommen.

Ein Beitrag der externen Autorin Anja Klein


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