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Versetzung: Was der Chef darf und was du dagegen tun kannst - das sagt das Arbeitsrecht

Eine Versetzung kann entweder ein triumphaler Aufstieg oder ein niederschmetternder Abstieg sein. Gerade wenn du dich erst in deinem Job und der neuen Stadt eingelebt hast und endlich angekommen bist, trifft eine Versetzung dich besonders hart. Doch die Frage ist: Darf dein Arbeitgeber das überhaupt? Wir klären dich auf und haben die wichtigsten Tipps zusammengetragen, die es rund um Versetzung zu wissen gibt.

Versetzungen kommen oft aus heiterem Himmel und können von verschiedenen Motiven geleitet sein. Denn selten stecken nur aufrichtige, fachliche Gründe dahinter, sondern in vielen Fällen solld er Mitarbeiter sogar zur Kündigung animiert werden. Aber musst du als Mitarbeiter eine Versetzung einfach so hinnehmen oder kannst du dich dagegen wehren? Und wenn ja, wie? 

Versetzung: Was darf der Arbeitgeber? 

Selbst wenn du schon 20 Jahre in deinem Betrieb tätig sein solltest, hat dein Vorgesetzter ein grundsätzliches Weisungsrecht, dem du in der Regel unterworfen bist. Prinzipiell darf dein Chef dich also versetzen. Leider ist das Weisungsrecht auch nicht auf einen bestimmten Radius festgelegt, sodass du zum Beispiel auch ins Ausland versetzt werden könntest.

Solltest du einer Versetzung nicht Folge leisten, ist das in erster Linie ein Abmahnungsgrund, der letztlich wegen Arbeitsverweigerung zu einer fristlosen Kündigung führen kann. Du solltest allerdings wissen, dass es auch bei regulären Versetzungen von Fall zu Fall Ausnahmen gibt. Dein Arbeitsvertrag, besondere Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge und Gesetze machen unter Umständen eine Versetzung unmöglich.

Welche Gründe gibt es für eine Versetzung?

Es gibt einige Manöver, die unter unredlichen Arbeitgebern beliebt sind: 

  • Abstellgleis: Vorsicht ist bei verkappten Sonderprojekten geboten, die auf den ersten Blick wie eine Beförderung wirken. oft handelt es sich dabei in Wirklichkeit um ein Täuschungsmanöver, durch das du aufs Abstellgleis geschoben werden sollst. 
  • Gehaltssenkung: Eine Versetzung kann auch zu einer indirekten Gehaltssenkung führen, wie in diesem Beispiel verdeutlicht: Du arbeitest als Vertriebler im Rhein-Main-Gebiet und wirst plötzlich ins weniger lukrative Münstlerand versetzt. Traut dein Chef dem Kollegen in Frankfurt womöglich mehr Abschlüsse zu? Gerade wenn du variable Gehaltsbestandteile erhältst, könnte dein Konto ziemlich unter einer Versetzung leiden.
  • Affront: Wenn dein Arbeitgeber dich aus der Firma drängen will, könnte er dich durch eine Versetzung provozieren. Er weiß ganz genau, dass du nie mit einer Versetzung einverstanden wärst und konfrontiert dich trotzdem damit? Solltest du deshalb einen Aufhebungsvertrag ins Spiel bringen, so wirkt sich das positiv für deinen Chef aus – denn damit sinken deine Chancen auf eine gute Abfindung. 

Versetzung: Was ich kann ich dagegen tun? 

Du bist versetzungsgefährdet? So kannst du dich wehren: 

1. Unterschreibe nicht sofort 

Achte auf Klauseln im Arbeitsvertrag, die zum Beispiel von bundesweiter Vernetzung sprechen. Dadurch könnte der potenzielle Arbeitgeber versuchen, sein Weisungsrecht geschickt zu erweitern. Du wohnst mit deinem Partner in der eigenen Wohnung oder möchtest einfach gerne in der Stadt bleiben? Dann lege besonderes Augenmerk darauf, dass du nicht mit einer Versetzung rechnen musst – bevor du den Vertrag unterschreibst. 

2. Prüfe deinen Arbeitsvertrag 

Du hast den Vertrag längst unterschrieben und bist nun von einer Versetzung bedroht? Dann wirf nochmal einen genauen Blick hinein und lasse deinen Arbeitsvertrag im Zweifelsfall rechtlich prüfen. Grundsätzlich solltest du wissen: Je unspezifischer deine Tätigkeitsbeschreibung ist, desto mehr Spielraum hat dein Arbeitgeber. 

3. Verlange ein Zwischenzeugnis

Ein Effekt der Versetzung ist natürlich, dass sich bisherige Arbeitsaufgaben ändern. Dadurch ergibt sich für dich das Recht, ein aktuelles Zwischenzeugnis zu verlangen. Nutze dieses Recht! Damit hast du für den Ernstfall auch gleich ein wichtiges Dokument in der Hand. 

4. Führe deine Arbeit fort

Einfach nicht mehr zur Arbeit kommen? Das ist keine gute Idee, auch wenn du überzeugt bist, dass die Versetzung unfair ist. Am Ende könnte dein Chef mit einer Abmahnung oder sogar Kündigung reagieren. Auch wenn du Recht haben solltest, könnten Gehaltsansprüche verloren gehen. Ein grundsätzlicher Rat ist also: Bleibe diszipliniert!

5. Ziehe den Betriebsrat hinzu

Zwar hat der Betriebsrat keine unmittelbare Handhabe gegen das Weisungsrecht, aber er muss zumindest über eine Versetzung informiert werden. Ein engagierter Betriebsrat, der sich aktiv für dich einsetzt, kann seine Zustimmung verweigern und eine unerwünschte Versetzung so verhindern. 


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