Doppelt gemoppelt: Weiterbildung im Beruf
Doppelt gemoppelt: Weiterbildung im Beruf twicepix // // Flickr.com unter CC BY-SA 2.0

Weiterbildung im Beruf

Was der Student nicht lernt, lernt der Angestellte nimmer mehr. Stimmt nicht! Im Beruf wird weitergebildet

Zwei Männer, zwei Ziele, ein Name: Jens. Der eine heißt Schröter und schreibt derzeit seine Masterthesis in Facility Management berufsbegleitend beim Unternehmen Merck. Der andere trägt den Nachnamen Rieger und promoviert an der TU Dresden parallel zu seiner Beschäftigung als Systemingenieur bei der MBtech Group. Und beide sind sich nicht zu schade, die Ärmel hochzukrempeln und trotz Berufsalltag nochmal die Unibank zu drücken. »Zum einen nutze ich die Möglichkeit, meine Soft Skills zu verbessern, beispielsweise habe ich an einer Rhetorikschulung teilgenommen. Zum anderen haben wir im Unternehmen einen jährlichen Potenzialevaluierungsprozess, um Talente und Potenzialträger zu identifizieren und diese im Rahmen des Talent Managements zu fördern. Als Potenzialträger durchläuft man eignungsdiagnostische Verfahren, die über die weitere Entwicklung entscheiden. Es gibt in der MBtech zwei Laufbahnen: eine Management- und eine Fachlaufbahn. Ich strebe dabei die Fachlaufbahn an. Für diese bietet mir mein Zweitstudium der Fahrzeug­systemtechnologie, das ich berufsbegleitend absolviert habe, eine gute Grundlage«, erzählt Jens Rieger. »Für die berufsbegleitende Masterarbeit wurde ich in jeglicher Hinsicht vom Unternehmen super unterstützt.«

Doppelbelastung: Studium und Vollzeitjob

Auch Jens Schröter hat sich mehr als einmal für die Doppelbelastung Studium und Vollzeitjob entschieden. Direkt nach der Schule waren ihm andere Dinge erst mal wichtiger als zu studieren: »Zunächst einmal wollte ich unbedingt nach der Schule mein eigenes Geld verdienen. Nach der Ausbildung hatte ich das Gefühl, das kann doch nicht alles sein, da muss noch was kommen. Deshalb entschied ich mich für ein Diplomstudium zum Ingenieur in der Verfahrenstechnik. Derzeit mache ich einen Master of Science in Facility Management, an dessen Abschlussarbeit ich gerade sitze. Eigentlich bin ich in diesem Bereich fachfremd und das Managementstudium ist eine gute Ergänzung, um die Grundlagen kennenlernen und verstehen zu können.«

Der 33-jährige Betriebsingenieur ist überzeugt, dass sich trotz der Zusatzarbeit alle Weiterbildungen gelohnt haben. »Ich kann heute mein naturwissenschaftliches Know-how mit meinem Ingenieur-Know-how verbinden. Diese Paarung verstärkt vor allem die Akzeptanz bei den Kunden, da ich sowohl Ahnung von den Abläufen im Labor habe sowie von der technischen Seite, denn ich beschäftige mich mit der Betreuung der Laborgebäude hier am Standort in Darmstadt. Beschaffung von Laborequipment und dessen Instandhaltung sowie Instandhaltung der Gebäude selbst und der Gebäudetechnik gehören zu meinen Aufgaben. Ich verstehe meine Kollegen hier, was sie mit den technischen Gerätschaften machen wollen, und kann so auch den ein oder anderen Tipp geben, welche Geräte eventuell besser geeignet sind und welche aus eigener Erfahrung heraus nicht.«

Weiterbildung im Beruf: Perfekte Kombination aus Theorie und Praxis

Auch Jens Rieger sieht das ähnlich: »Das erworbene fachliche Wissen aus dem Masterstudium kann ich unmittelbar im beruflichen Alltag bei der Arbeit für Kunden aus der Automobilindustrie einsetzen. Außerdem habe ich wertvolle Kontakte zu anderen Firmen geknüpft und so mein Netzwerk erweitert. Nach Abschluss meiner Masterarbeit im Frühjahr habe ich nach einer neuen Herausforderung gesucht. Diese habe ich in Form meiner aktuell anlaufenden Industriepromotion gefunden.«

Und bei Masterabschlüssen und Promotionen ist bei vielen Unternehmen noch lange kein Ende in Sicht, wenn es um Fortbildungen geht: »Wir bieten unseren Mitarbeitern ein großes Angebot an fachlichen und überfachlichen Schulungen – sei es zu Projektmanagement, CAx, Lean Management, Gesprächsführung, Präsentationstechniken, Zeit- und Selbstmanagement oder auch interkultureller Kompetenz – an. Diese Schulungen sind direkt von allen Mitarbeitern über das interne Schulungsportal buchbar. Speziell für unsere Ingenieure in Kundenprojekten haben wir in diesem Jahr ein Vertriebstraining konzipiert und neu eingeführt. Außerdem stehen unseren Mitarbeitern auch Seminare zur eigenen Standortbestimmung zur Verfügung. Je nachdem, ob ein Auslandseinsatz ansteht, können die Mitarbeiter neben den interkulturellen Trainings auch Sprachkurse besuchen«, berichtet Jeannette Kraus, Leiterin Personalentwicklung bei der MBtech Group.

Weiterbildung: je nach Branche unumgänglich

Auch bei der Firma SAP ist das Thema Fortbildung branchenbedingt unumgänglich: »Wenn man nicht an Fortbildungen interessiert ist, kann man auch nicht an SAP interessiert sein«, so Karl-Heinz Reitz, Leiter Weiterbildung bei SAP. »Fortbildung ist Teil der Arbeitszeit und ist Teil unseres Berufs. Ohne Fort- und Weiterbildung können wir auf lange Sicht in unserem Job nicht bestehen. Weiterbildung gehört für mich einfach dazu, genauso wie die enge Zusammenarbeit in Projektteams. Bei der SAP arbeiten zu etwa 80 Prozent Akademiker. Und die sind geschult, sich ihre Arbeitszeit selbstständig einzuteilen. Dies wird vom Management wie auch von der Personalabteilung der SAP gewünscht und durch gezielte Weiterbildungsangebote unterstützt. Aber es liegt auch an jedem Einzelnen, seine und ihre Möglichkeiten zu nutzen. Bei uns findet Fortbildung auch direkt ›on-the-job‹ statt«, erzählt Reitz weiter. »Ich bekomme einen Auftrag und entsprechende Unterstützung durch Manager und Mitarbeiter, sie auch zu erfüllen. Darüber hinaus ist es aber auch gewünscht, dass ich selbst Dinge ausprobiere. Wir sind in einer Branche tätig, in der ich mir selber Dinge beibringen kann oder zusammen mit Kollegen Lösungen erarbeite. Das gehört mit zu ›on-the-job-learning‹.«

Wer denkt, dass Forbildungen gerade bei Einsteigern und jungen Mitarbeitern beliebt sind, so geht man hier einem Vorurteil auf den Leim. Dr. Matthias Jung, Weiterbildungsmanager von Merck, erzählt: »Lebenslanges Lernen ist angesagt. Wir bieten ein breites Portfolio an Veranstaltungen, das über die Merck-interne Lernplattform buchbar ist. Die Auswahl der zu besuchenden Seminare trifft der Bereich in Absprache mit dem Mitarbeiter. Ingenieure, die bei uns in der Technik anfangen, müssen im Rahmen ihrer Einarbeitung eine dreitägige Einführung in das Projektmanagement besuchen. Wenn es wichtige Veranstaltungen gibt, die wir selbst nicht anbieten, gehen wir auf den externen Markt und suchen geeignete Bildungspartner, die entweder zu uns kommen oder zu denen wir die Mitarbeiter schicken können.« Auch speziell auf die Bedürfnisse von Einsteigern ist das Unternehmen eingestellt: »Für Einsteiger mit akademischem Abschluss gibt es ein sogenanntes Orientierungsseminar, in dem die Teilnehmer innerhalb von drei Tagen einen Überblick über das Unternehmen Merck erhalten, aber auch genügend Zeit zum Networking haben.«

»Ein weiterer positiver Effekt vom berufsbegleitenden Masterstudium: Man wird durch die Kombination aus Studium und Berufsalltag zur Ordnung erzogen. Ist man hier nicht organisiert, kann es nicht funktionieren. Das ist ein Vorteil, den man nach der Ausbildung für den Berufsalltag gut gebrauchen kann. Ich würde mich immer wieder für diesen Weg entscheiden«, erzählt Jens Schröter. Und auch Rieger ist begeistert: »Ich kann in meinem Job genau das machen, was mich fasziniert: Sportwagen mitentwickeln – und diese auch erproben. Schon als Kind war ich Autofan und jetzt an den Innovationen von morgen mitzuarbeiten, das ist eine tolle Belohnung für alle Anstrengungen.«

Als abschließende Worte seien jedem, der jetzt grübelt, ob er dem Stress eines berufsbegleitenden Studiums gewachsen ist, mitgegeben: Keine Angst, man muss nicht Jens heißen, um eine Fortbildung schaffen zu können. Schaden tut es allerdings auch nicht.


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