Wie es zu betriebsbedingten Kündigungen kommt und was du tun kannst

Neben der personenbedingten und verhaltensbedingten Kündigung kann der Arbeitgeber auch die betriebsbedingte Kündigung durchführen, um ein Arbeitsverhältnis zu beenden. Das ist das Horrorszenario eines jeden Arbeitnehmers: Du hast nichts falsch gemacht und verlierst trotzdem deinen Job. Aber welche Voraussetzungen müssen dafür erfüllt sein und wie sieht es mit der Sozialauswahl aus? Wir erklären dir, was du wissen musst.

Erstmal eine Entwarnung vorweg: Eine allgemeine wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens oder Umsatzeinbrüche reichen nicht aus, um eine betriebsbedingte Kündigung zu begründen. Dein Arbeitgeber muss in jedem Fall konkrete Gründe und Zahlen nennen können. Die Hürde für eine betriebsbedingte Kündigung wurde vom Gesetzgeber extra hoch angesetzt, wobei natürlich auch hier der besondere Kündigungsschutz für Betriebsrat, Schwangere oder Menschen mit Behinderung gilt. 

Insgesamt müssen für eine gültige betriebsbedingte Kündigung vier Voraussetzungen erfüllt sein: 

1. Betriebliche Erfordernisse

Hierbei handelt es sich zum Beispiel um Verlagerungen von Abteilungen, die Abstoßung und Schließung ganzer Betriebszweige oder die Insolvenz des Unternehmens. Das Problem an der Sache: Nachweise in Form von Zahlen und Gründen muss der Arbeitgeber erst vor Gericht anbringen. Solange du also nicht gegen die Kündigung klagst, weißt du nicht, ob die Aussagen des Unternehmens stimmen. Eine weitere Voraussetzung, die die Kündigung erfüllen muss: Dringlichkeit. Sollte sie nicht dringlich sein, muss dein Arbeitgeber nach einer Möglichkeit der Weiterbeschäftigung suchen. 

2. Keine Weiterbeschäftigung möglich

Selbst wenn dein aktueller Arbeitsplatz aufgrund von Verlagerung oder Werksschließung wegfällt, muss dein Chef dich zunächst weiterbeschäftigen und nach einem freien internen Arbeitsplatz suchen. Als frei gelten Arbeitsplätze, die aktuell oder bis zum Ende der Kündigungsfrist zu besetzen sind. Dabei muss der arbeitsplatz gleichwertig sein! Ist für den Wechsel eine Vertragsänderung notwendig, gilt der Arbeitsplatz nicht als frei. 

3. Interessenabwägung

Hier werden – wie der Name schon vermuten lässt – die Interessen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber abgewogen. Diese Abwägung fällt nur dann zugunsten deines Chefs aus, wenn sich aus dem Gespräch ergibt, dass deine Weiterbeschäftigung wirtschaftlich und unternehmerisch nicht sinnvoll ist.

4. Sozialauswahl 

Bei diesem Punkt geht es darum, welche Mitarbeiter den größten Hilfebedarf haben. Einfach ausgedrückt heißt das: Wer jung, gut ausgebildet und erst kurz beim Unternehmen angestellt ist, muss zuerst gehen. Vier Kriterien, die der Arbeitgeber dabei beachten muss, sind: Dauer der Betriebszugehörigkeit, Lebensalter, Unterhaltspflicht und Schwerbehinderung. 

Sobald du von der Gefahr einer betriebsbedingten Kündigung erfährst, solltest du umgehend mit deinem Arbeitgeber sprechen. Am besten, du weist ihn schriftlich darauf hin, dass du zu Umschulungen und Weiterbildungen bereit wärst, um einen anderen Arbeitsplatz im Unternehmen zu übernehmen. 

Betriebsbedingte Kündigung: Was tun? 

Sobald du eine betriebsbedingte Kündigung erhalten hast, solltest du schnellstmöglich zur Arbeitsagentur gehen und dich Arbeit suchend melden. Dabei spielt deine Kündigungsfrist keine Rolle, wichtig ist aber, dass du innerhalb von zwei bis drei Tagen reagierst: Sonst kann dir für das Arbeitslosengeld eine Sperrfrist von einer Woche oder länger drohen.

Anschließend an deinen Besuch beim Arbeitsamt befindest du dich in einem wichtigen Entscheidungsprozess: Du musst dir gut überlegen, ob du gegen die betriebsbedingte Kündigung eine Kündigungsschutzklage einreichen willst. Vor allem wenn du der Meinung bist, dass die Kündigung ungültig ist und du auf eine Abfindung spekulierst, ist eine Klage sinnvoll. Lass dich auf alle Fälle vor einer gerichtlichen Anfechtung anwaltschaftlich beraten. 

 

 

 

 


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