Holzwürfel mit Buchstaben darauf liegen nebeneinander
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ABC des Arbeitsrechts

Alles, was du rund ums Arbeitsrecht wissen musst – von der Abmahnung bis zum Zeugnis

A – Abmahnung

Eine Abmahnung kann die Vorstufe zur Kündigung sein. Ab hier ist also Vorsicht geboten. Sie wird vom Chef ausgesprochen, wenn sich ein Mitarbeiter gegen Regeln verstößt oder seine vertraglichen Pflichten nicht erfüllt. Anders als häufig angenommen, reicht auch schon eine Abmahnung aus, um eine Kündigung zu rechtfertigen – vorausgesetzt, der Mitarbeiter ändert sein Verhalten nicht. Im Artikel zur Abmahnung findest du weitere Infos und Tipps dazu, wie du richtig reagierst, wenn du eine Abmahnung erhalten hast.

B – Befristung

Nicht nur Studenten- oder Nebenjobs werden befristet angeboten, oft erfolgt der Berufseinstieg auch über einen befristeten Vertrag. Das Arbeitsverhältnis wird also nur auf eine festgelegte Dauer (meist ein oder zwei Jahre) geschlossen und endet danach automatisch ohne dass es einer Kündigung bedarf. Gründe für eine Befristung können etwa eine Projektarbeit, eine Schwangerschaftsvertretung oder kurzfristig erhöhtes Arbeitsaufkommen sein. Ohne Sachgrund darf eine Befristung maximal zwei Jahre dauern und innerhalb dieser Zeit nur dreimal verlängert werden. Mehr zum Thema in diesem Artikel.

D – Dienstreisen

Grundsätzlich kann der Arbeitgeber seine Mitarbeiter zu Dienstreisen verpflichten. Doch gilt die Fahrtzeit auch als Arbeitszeit? Bei Auslandsreisen ja – das hat der Bundesgerichtshof im Oktober entschieden. Welche Konsequenzen das für Inlandsreisen hat, bleibt abzuwarten. Nach aktueller Regelung gilt die Fahrtzeit nur als Arbeitszeit, wenn auf Anweisung des Chefs ein Dienstwagen genutzt wird und man auch tatsächlich fährt, oder aber wenn während der Fahrtzeit gearbeitet wird, beispielsweise während der Zugfahrt eine Präsentation überarbeitet.

E – Elternzeit

Für die Kindererziehung muss der Arbeitgeber jeden Mitarbeiter bis zu drei Jahre lang freistellen. Bei der Rückkehr muss der Arbeitnehmer die gleiche oder eine vergleichbare Position erhalten. Das gilt für alle Arbeitsverhältnisse – ob Teilzeit, befristet, Minijob oder Ausbildung. Der schriftliche Antrag muss inklusive festgelegter Dauer spätestens sieben Wochen vor Antritt beim Arbeitgeber eingehen. Während der Elternzeit wird kein Gehalt gezahlt, man kann aber bis zu 30 Stunden pro Woche weiterarbeiten. Das Elterngeld soll während dieser Zeit finanziell unterstützen. Es berechnet sich auf Grundlage des Nettoeinkommens und wird für 14 Monate gewährt. Wie diese unter den Partnern aufgeteilt werden, bleibt ihnen überlassen – die Dauer muss jedoch mindestens zwei und darf höchstens zwölf Monate betragen.

F – Freistellung

Mit der Freistellung wird der Arbeitnehmer von seiner Arbeitspflicht entbunden. Oft geschieht dies in Zusammenhang mit einer Kündigung, aber etwa auch zum Abbau von Überstunden. Stellt der Arbeitgeber einen Mitarbeiter frei, so besteht in den meisten Fällen weiterhin ein Anspruch auf das Gehalt. Doch auch wenn der Arbeitnehmer eine Freistellung beantragt, kann ein Lohnanspruch weiter bestehen – so fällt etwa Urlaub auch unter eine Freistellung. Benötigt ein Mitarbeiter nach der Kündigung Zeit für die Stellensuche, so muss der Arbeitgeber ihn hierfür für einen angemessen Zeitraum bezahlt freistellen. Ebenso bei Krankheit, im Mutterschutz oder für Tätigkeiten im Betriebsrat.

G – geringfügige Beschäftigung

Viele Studierende jobben neben dem Studium, um Geld zu verdienen. Die häufigste Beschäftigungsform ist der Minijob, also die geringfügige Beschäftigung. Bei dieser darfst du nicht mehr als 450 Euro verdienen und musst dafür keine Steuern auf dein Gehalt zahlen, nur der Arbeitgeber zahlt eine sogenannte Pauschsteuer in Höhe von zwei Prozent. Auch von der Rentenversicherung kannst du dich befreien lassen. So bleibt dir mehr von deinem Gehalt übrig. Davon abgesehen ist der Minijob ein vollwertiges Arbeitsverhältnis – mit allen Rechten und Pflichten. Du hast also auch Anspruch auf Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Wie die Bewerbung für den Minijob gelingt, kannst du in diesem Artikel nachlesen.

J – Jahresgehalt

Grundsätzlich können Arbeitgeber und -nehmer auch ein Jahresgehalt vereinbaren – und dann im Vertrag festhalten, in welchen Teilzahlungen dieses ausgezahlt wird. Üblicher ist jedoch ein Monatsgehalt, das unbedingt im Vertrag festgehalten werden sollte. Im Artikel zur Gehaltsverhandlung haben wir für dich die wichtigsten Tipps gesammelt, um ein gutes Gehalt auszuhandeln.

K – Krankheit

Wirst du krank, musst du deinen Arbeitgeber sofort am ersten Tag bei Dienstbeginn über deinen Ausfall informieren und wie lange dieser voraussichtlich dauern wird. Das etwa telefonisch oder per Mail. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt ist in der Regel erst ab dem vierten Krankheitstag nötig – dein Chef kann aber auch schon ab dem ersten Tag eine Krankmeldung vom Arzt verlangen. Schau hierzu genau in deinen Arbeitsvertrag, um keine Abmahnung oder gar Kündigung zu riskieren. Eine Diagnose oder Benennung der Krankheit musst du dem Arbeitgeber aber nie mitteilen – das ist Privatsache.

L – Lohnfortzahlung

Auch wenn du krank bist und deshalb in der Arbeit ausfällst, hast du einen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Voraussetzung dafür ist aber, dass du deinen Ausfall nicht selbst verschuldet hast, weil du etwa betrunken Auto gefahren bist und deshalb einen Unfall hattest. Bis zu sechs Wochen zahlt der Arbeitgeber dein normales Gehalt ohne Abzüge weiter. Danach springt die Krankenkasse mit dem sogenannten Krankengeld ein. Dieses beträgt bis zu 90 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens und wird maximal für 78 Wochen, also 1,5 Jahre ausgezahlt. Mehr zur Lohnfortzahlung findest du in diesem Artikel.

M – Mindestlohn

Einen deutschlandweiten Mindestlohn gibt es seit 2015. Seit 2017 beträgt dieser 8,87 Euro pro Stunde, ab 2019 müssen 9,19 Euro Stundenlohn gezahlt werden, ab 2020 schon 9,35 Euro.  Der Mindestlohn wird laut Gesetz alle zwei Jahre neu festgelegt. Vom Mindestlohn ausgenommen sind Schüler- und Pflichtpraktikanten, Langzeitarbeitslose und Auszubildende.  Auch freiwillige Praktika sind vom Mindestlohn ausgenommen, wenn diese nicht länger als drei Monate dauern. Ab 2019 gilt der Mindestlohn für alle Branchen, bisherige Überganglösungen laufen zum Jahreswechsel aus. Mehr zum Mindestlohn kannst du in diesem Artikel nachlesen.

N – Nebentätigkeit

Der Arbeitgeber darf erwarten, dass du ihm mit voller Arbeitskraft zur Verfügung stehst – ein Nebenjob kann die Leistungsfähigkeit des Mitarbeiters beeinträchtigen. Nebentätigkeiten grundsätzlich verbieten darf der Chef allerdings nicht. Nebenher beim Konkurrenzunternehmen zu arbeiten, geht allerdings nicht. Auch eine eigene Firma aufzubauen, die dem Arbeitgeber Konkurrenz machen könnte, ist nicht erlaubt. Zu beachten ist außerdem die gesetzlich vorgeschriebene Arbeitszeit: Pro Woche darfst du maximal 48 Stunden an sechs Tagen arbeiten, in Ausnahmefällen und für einen begrenzten Zeitraum nicht mehr als 60 Stunden pro Woche. Außerdem gilt es, eine gesetzliche Ruhezeit von mindestens elf Stunden ab Arbeitsende bis zum Start am nächsten Morgen einzuhalten. Während der Hauptarbeitszeit oder im Urlaub einer Nebentätigkeit nachzugehen, ist ebenfalls nicht zulässig. Üblich ist eine Genehmigungspflicht, die im Arbeitsvertrag festgehalten ist. Bestenfalls sollte die Genehmigung schriftlich erfolgen.

O – Ordentliche Kündigung

Im Gegensatz zur außerordentlichen oder fristlosen Kündigung werden bei der ordentlichen Kündigung alle Fristen eingehalten. Diese sind im Arbeitsvertrag definiert und entsprechen meist den gesetzlichen Fristen: Während der Probezeit, die bis zu sechs Monate dauern kann, gilt nur eine Frist von zwei Wochen, im regulären Arbeitsverhältnis dann vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Monats. Je nach Dauer des Arbeitsverhältnisses werden längere Fristen für den Arbeitgeber wirksam. Eine Verkürzung dieser Fristen durch den Arbeitsvertrag ist nicht zulässig, eine Verlängerung dagegen schon, wenn der Arbeitgeber sich an dieselbe Frist halten muss. Wie du dein Kündigungsschreiben richtig formulierst, haben wir in diesem Artikel für dich zusammengefasst.

P – Praktikum

Schülerpraktikum, Pflichtpraktikum, Schülerpraktikum – Praktika können ganz unterschiedliche Anlässe haben und auch unterschiedlich lang dauern, von einem Schnuppertag bis hin zu einem Jahr. Wichtigste Voraussetzung ist, dass der Praktikant dabei etwas lernt. Ein Anspruch auf Bezahlung nach Mindestlohn besteht dabei nur bei freiwilligen Praktika über drei Monaten oder nach dem Abschluss von Studium oder Ausbildung. Alle anderen Praktika müssen nicht vergütet werden. Wird der Praktikant aber wie ein normaler Mitarbeiter eingesetzt, muss er auch nach branchenüblichem Maßstab bezahlt werden. Ein Urlaubsanspruch auf zwei Tage pro Monat besteht, wenn das Praktikum über einen Monat dauert, es freiwillig geleistet wird und der Praktikant auch einen wirtschaftlichen Mehrwert für das Unternehmen bringt und beispielsweise nicht nur zusieht oder für jede Tätigkeit eine Aufsicht benötigt.

Q – Qualität

Arbeitsrechtlich ist der Arbeitnehmer nicht verpflichtet, seine Arbeit in einer bestimmten Qualität zu erbringen oder einen gewissen Erfolg herbeizuführen. Vertraglich können hier jedoch andere Regelungen festgehalten sein, etwa im Vertrieb.

R – Raucherpause

Ein gesetzlicher Anspruch auf Raucherpausen besteht nicht und der Arbeitgeber kann etwa verlangen, dass die beim Rauchen verbrachte Zeit nachgearbeitet wird. Dies ist eigentlich allein aus Gründen der Fairness angebracht: Die Nichtraucher arbeiten in dieser Zeit ja weiter. Bei fünf Raucherpausen am Tag sind das bei fünf Minuten Dauer pro Pause schon 25 Minuten Arbeitszeit, die fürs Rauchen draufgehen.

S – Sonderurlaub

Sonderurlaub ist eine bezahlte oder unbezahlte Freistellung von der Arbeit, die neben dem gesetzlichen Urlaubsanspruch von vier Wochen pro Jahr gewährt wird. Ein Anspruch auf bezahlten Sonderurlaub besteht meist bei folgenden Ereignissen:

  • Geburt des eigenen Kindes – 1 Tag
  • Tod des Ehepartners bzw. eingetragenen Lebenspartners – 2 Tage
  • aus betrieblichen Gründen erforderlicher Umzug in eine andere Stadt – 1 Tag
  • beim 25-jährigen und beim 40-jährigen Arbeitsjubiläum – 1 Tag
  • bei schwerer Erkrankung eines im Haushalt lebenden Angehörigen – 1 Tag/Jahr
  • bei schwerer Erkrankung eines Kindes, welches das 12. Lebensjahr noch nicht vollendet hat – bis zu 4 Tage/Jahr
  • zwingende ärztliche Behandlung, die nicht außerhalb der vereinbarten Arbeitszeiten erfolgen kann – die Dauer ergibt sich aus An- und Abfahrtszeiten plus Behandlungszeit

In der Regel gewähren Arbeitgeber auch bei der eigenen Hochzeit einen Tag bezahlten Sonderurlaub. Je nach Tarifvertrag und Kulanz des Arbeitgebers können sich bei weiteren Anlässen Sonderurlaubsansprüche ergeben. Beantragt der Arbeitnehmer bei einem anderen Vorfall Sonderurlaub, muss dieser nicht zwingend gewährt werden und wird in der Regel auch nicht bezahlt. Deshalb ist hier auch die Rede von unbezahltem Urlaub. Eine unbezahlte Freistellung kann etwa für die Pflege von Angehörigen beantragt werden – für bis zu sechs Monate.

T – Tarifvertrag

Viele Branchen oder auch einzelne Betriebe haben ihren eigenen Tarifvertrag – ausgehandelt von Gewerkschaften und einem oder mehreren Arbeitgebern. Für einen gewissen Zeitraum wird dann ein Tarifvertrag geschlossen, der beispielsweise das Gehalt und Urlaubsansprüche regelt. So werden alle Arbeitnehmer einer Branche oder eines Unternehmens nach den gleichen Regeln behandelt. Oft sind die Tarifverträge sehr sozial und gewährleisten gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Welche Bedeutung die Tarifverträge für dich haben, kannst du in unserem Überblicksartikel herausfinden.

U – Überstunden

Im Arbeitsvertrag ist die wöchentliche Stundenanzahl festgelegt – arbeitest du mehr, sind das Überstunden. Diese müssen nur bezahlt werden, wenn der Chef sie angeordnet hat. Bleibst du freiwillig länger auf der Arbeit, kannst du keinen Ausgleich erwarten. Zudem müssen für eine Bezahlung die Überstunden auch erfasst werden. In manchen Arbeitsverträgen gibt es zudem Pauschalabgeltungen, die beispielsweise vorsehen, dass drei Überstunden pro Woche mit dem Gehalt abgegolten sind. Ein Freizeit- oder finanzieller Ausgleich ist also erst ab der vierten Überstunde möglich. Bei allen Überstundenregelungen muss sich aber an das Arbeitszeitgesetz gehalten werden: In Ausnahmefällen darf bis zu zehn Stunden pro Tag gearbeitet werden, innerhalb von sechs Monaten darf die durchschnittliche Arbeitszeit aber nicht mehr als acht Stunden betragen. Die Überstunden müssen also durch Freizeit ausgeglichen werden.

V – Vertrag

Der Arbeitsvertrag ist eines der wichtigsten Dokumente: In ihm sollten alle Rahmenbedingungen festgehalten sein – Gehalt, Urlaub, Arbeitszeit, Arbeitsort, Überstundenregelungen, Kündigungsfrist und und und. Der Arbeitgeber muss dir spätestens einen Monat nach Beschäftigungsbeginn den Vertrag unterschrieben aushändigen. Vor dem Unterschreiben solltest du alle Paragraphen genau lesen und gegebenenfalls Fragen klären. Lass dir Änderungen auf jeden Fall schriftlich geben, denn im Zweifel zählt der Arbeitsvertrag – ist darin etwa festgelegt, dass Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind, hat dir dein Chef aber erlaubt, die Überstunden dennoch durch Freizeit auszugleichen und es kommt zu einem Rechtsstreit können sich hieraus Probleme für dich ergeben. Auch im Vertrag stehen muss das Verhalten im Krankheitsfall, die Dauer der Probezeit und ob das Arbeitsverhältnis befristet oder unbefristet geschlossen wird. Was du alles beachten musst, bevor du unterschreibst, haben wir im Artikel zum Arbeitsvertrag für dich zusammengefasst.

W – Weiterbildung

Grundsätzlich besteht kein Recht auf Weiterbildung. In fast allen Bundesländern – außer in Bayern und Sachsen – hast du aber ein Anrecht auf Bildungsurlaub. Fünf Tage im Jahr kannst du dich zur Beruflichen Weiterbildung bezahlt freistellen lassen. Du kannst die Tage auch auf zwei Jahre ansparen und dann zehn Tage auf einmal nehmen. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Anbietern von Weiterbildung – die Auswahl fällt deshalb nicht leicht. Wir haben eine Übersicht für dich zusammengestellt.

Z – Zeugnis

Grundsätzlich hat jeder Arbeitnehmer nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Qualifiziert heißt, dass auch das Verhalten und die Leistung vom Arbeitgeber beurteilt werden. Der Chef muss das Zeugnis wohlwollend formulieren und darf keine Geheimcodes verwenden, um die positiven Formulierungen zu entwerten. Dass die Aussagen der Wahrheit entsprechen müssen, versteht sich von selbst. Fällt das Zeugnis schlecht aus, kannst du auch eine Nachbesserung im angemessenen Rahmen verlangen. Wie du dein Zeugnis richtig einschätzt, kannst du in unserem Artikel zum qualifizierten Arbeitszeugnis nachlesen.


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