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Arbeitsleben 4.0: So sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus

Work-Life-Balance, Agiles Arbeiten, Digitalisierung: Wie aktuelle Trends das Arbeitsleben von Unternehmen und Mitarbeitern verändern

Im Büro herrscht Stille. Der Grund: Mehr als die Hälfte der Belegschaft arbeitet im Home Office, ein paar der Anwesenden bilden sich gerade per virtuellem Workshop weiter und die anderen haben sich zurückgezogen, um im Scrum ihre Wochenergebnisse zu besprechen. So oder so ähnlich könnte die Arbeitswelt im Jahr 2040 aussehen. Prognosen sagen zumindest einen stärkeren Fokus auf orts- und zeitunabhängiges Arbeiten – und somit eine gesunde Work-Life-Balance –, Aus- und Weiterbildung per eLearning sowie die vermehrte Anwendung von agilen Methoden und Prozessen voraus. Für dich als zukünftigem Arbeitnehmer heißt das: Dein Arbeitsleben gestaltet sich frei, digital und agil.

Zauberwort ›Balance‹

Ein 40-Stunden-Job, den du im Büro absitzt, und kaum noch Zeit für Freunde, Familie und Hobbies? Das war gestern. Der Begriff ›Work-Life-Balance‹ ist bereits heute in aller Munde. Kein Wunder, dass Bewerber und Mitarbeiter diesbezüglich immer höhere Ansprüche und Erwartungen haben. Und die Unternehmen ziehen mit: »Wer im Job zufrieden ist, ist auch privat glücklicher – und umgekehrt. In diesem Kontext versuchen wir, unseren Mitarbeitern viel Freiraum zu geben, ihre Arbeit zu gestalten. Bei uns ist es nicht wichtig, viel Zeit im Büro zu verbringen, sondern dass das Ergebnis stimmt«, berichtet Bettina Günther, HR Direktor bei Amazon. Ergebnisse von diversen Studien zur Arbeitswelt zeigen, dass Mitarbeiter leistungsbereiter sind, wenn das Unternehmen sich um eine gesunde Work-Life-Balance bemüht. Das bestätigt auch Dr. Tim Faber, Leiter für Entwicklungsprogramme Dualer Studenten und Hochschulrecruiting bei der Allianz: »Glückliche Mitarbeiter arbeiten mehr im Sinne des Kunden. Jemand, der am Limit ist, kann nie Höchstleistung erbringen. Deshalb achten wir darauf, dass es auch Zeiten der Entspannung gibt.« Die Ausgewogenheit zwischen Arbeits- und Privatleben kann auf unterschiedliche Art und Weise gewährleistet werden. Viele Unternehmen verzichten auf feste Arbeitszeiten und bieten ihren Mitarbeitern Gleitzeit an. Dazu kommen Teilzeit, Home Office oder die Option, eine Stelle zu zweit zu besetzen. Dabei kann das Arbeitszeitmodell oft frei auf die persönliche Situation angepasst werden – bei IBM Deutschland beispielsweise so: »Es gibt Möglichkeiten wie ein Sabbatical mit finanziellem Ausgleich, Elternzeit bis zu sechs Jahren und ziemlich neu auch Pflegezeit. Den Ausstieg aus IBM machen viele Mitarbeiter im Rahmen einer Altersteilzeitregelung«, erklärt Sven Semet, HR Thoughtleader bei IBM DACH. Bereits heute lassen sich Unternehmen also einiges einfallen, um ihren Mitarbeitern eine zufriedenstellende Work-Life-Balance zu bieten. Künftig kannst du damit rechnen, dass nahezu jeder Arbeitgeber seine Statuten dahingehend aufpeppt, um Bewerber anzulocken – und du deine Arbeitszeit auf dein Leben abstimmen kannst.

Digitale Vorreiter
Roboter, Drohnen, autonome Fahrzeuge – die Digitalisierung sorgt für allerlei Entwicklung, die herkömmliche Berufe nachhaltig verändern wird. Digitale Riesen wie Google oder Intel bereiten sich im Silicon Valley auf diesen Umschwung vor. Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg schickte im Rahmen der ›FAU Silicon Valley Spring School‹ einige Studenten in die Innovationsschmiede. Prof. Dr. Kathrin M. Möslein, Vizepräsidentin der FAU, weiß, wie die Vorreiter arbeiten: »Die beste Vorbereitung auf die Digitalisierungstrends der Zukunft ist, sie mitzugestalten. Spannend waren hier die unterschiedlichen Auffassungen und das Aufdecken scheinbarer Selbstverständlichkeiten über den Umgang mit Daten, Datenschutz oder Datennutzung und ihre Rolle in neuen Geschäftsmodellen.« Die Vor­aussetzung, um als Normalo mit solchen Veränderungen umzugehen, ist die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen. Während ältere Generationen aktuell noch mit den Facetten des Internets und der voranschreitenden Technik kämpfen, müssen junge Berufseinsteiger sich auf noch tiefergehende und komplexere Trends einstellen. Hier ist Umdenken gefragt, bestätigt auch Möslein: »Wir haben sicher noch Spielraum im Umgang mit Spontanität, Schlagkraft und einem Denken im großen Maßstab.«

So agil wie nie

Schnödes ›Vor-sich-hin-arbeiten‹ ist nicht nur langweilig – es verfehlt auch oftmals einen möglichen Erfolg. In Zukunft wird es nicht mehr ausreichen, Aufgaben oder Aufträge im stillen Kämmerlein zu bearbeiten. Kunden werden anspruchsvoller, Problemstellungen komplexer und Lösungsmöglichkeiten vielfältiger. Folglich braucht es ebenso entwickelte Methoden, um passgenau und ergebnisorientiert zu arbeiten. Das Stichwort lautet: Agiliät. »Je nach Aufgabenfeld werden bei IBM verschiedene Arten von agilen Methoden angewendet. Besonders hervorzuheben ist unser Ansatz von Enterprise Design Thinking, der nach dem klassischen Design Thinking Workshop mit einer Pilotphase und dem Übergang zu einem Minimum Viable Product anschließt«, erläutert Sven Semet von IBM. Ob nun Design Thinking oder Scrum: Ziel ist es, durch unterschiedliche Sichtweisen von Experten diverser Fachrichtungen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Dafür entscheidend ist ein enger Austausch untereinander. Bei Amazon funktioniert das laut Bettina Günther durch eine Matrixstruktur: »Auf ganz natürliche Weise kommen so verschiedene Mitarbeiter und Teams bei einem Projekt zusammen, obwohl sie formal anderen Leitungsinstanzen unterstehen.« Solche agilen Methoden und Prozesse fördern sowohl den Zusammenhalt der Mitarbeiter als auch eine lösungsorientierte Arbeitsweise. Gleichzeitig erfordern sie aber gewisse Skills: Um erfolgreich agil tätig zu sein, brauchst du eine hohe Kommunikations- und Teamfähigkeit, interdisziplinäre Denke, Selbstbewusstsein und Zielstrebigkeit.

Recruiting der Zukunft

So groß die Entwicklungen in Zukunft sein werden, so verändern sich auch die Ansprüche der Bewerber und Mitarbeiter. Der ›War for Talents‹ spielt sich in vielen Bereichen ab – besonders da, wo der Fachkräftemangel besonders deutlich ist. Klar, dass Unternehmen reagieren und ihre Benefits und Konditionen an die Wünsche der Arbeitnehmer anpassen müssen, um in der Bewerberschar als attraktiver Arbeitgeber gesehen zu werden. Die Allianz macht dort auf sich aufmerksam, wo die Talente sind: an den Hochschulen. Mit dem Format ›Career ­Coffee Day‹ lädt sie die Studenten auf einen Kaffee und ein Gespräch ein. »Wir erreichen die Leute so unaufdringlich. Das schätzen sie«, erzählt Tim Faber.Weitere Maßnahmen zur Bewerbergewinnung beginnen oft schon beim Bewerbungsprozess, wie das innovative System von IBM zeigt. Sven Semet erklärt: »Durch Künstliche Intelligenz bieten wir Talenten unter anderem in einem Chatbot passende Jobs an, sodass diese nicht selbst suchen müssen. Die Interaktion mit den Talenten ist mobil und basierend auf bestehenden Social-Media-Profilen möglich.« Und wie sieht es im weiteren Verlauf der Bewerbung aus? Bettina Günther von Amazon weiß, dass Kandidaten großen Wert auf Weiterentwicklung legen: »Bewerber wollen sinnstiftende und herausfordernde Aufgaben und eine flexible und innovative Kultur. Bei der Suche nach Talenten schaffen wir daher Transparenz über unsere Unternehmenskultur und die Anforderungen der jeweiligen Stelle. So bekommen Bewerber ein gutes Bild von den spannenden Karrieren bei uns.«

Natürlich dauert es noch, bis die Großraumbüros stillgelegt sind, alle vom Sofa oder dem Café aus arbeiten und agile Arbeitsmethoden in jedem Unternehmen angewendet werden. In 20 Jahren könnte dieses Szenario aber durchaus etabliert sein. Arbeitnehmer können freudig in die Zukunft blicken: Sie werden flexibler arbeiten, sich dauernd weiterbilden und genug Zeit haben, das Leben in vollen Zügen zu genießen.


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